2017 - Oktober, Südafrika Teil 1


Ankunft in Richards Bay

Nach etwa 1'200 Seemeilen Fahrt sind wir ohne Zwischenhalt von Madagaskar in Südafrika angelangt. Unser erster Aufenthalt ist neben der „Tuzi Gazi Marina“ in Richards Bay. Es ist eigentlich mehr ein Anlegeplatz, welcher sehr gut gelegen ist, Für die nicht weit liegende Marina „Zulu Land Yacht Club“ sind wir mit 52 Fuss und 17 Tonnen zu gross und für die kleinen Stege zu schwer. In Wirklichkeit gibt es auch keinen Grund, dorthin zu gehen. In der „Tuzi Gazi Mariana“ hat man alles direkt vor der Haustüre und man darf hier einen Monat kostenlos liegen. Der Platz scheint uns auch für das Schiff bei starken Winden sehr gut geschützt zu sein.

Einige Restaurants sind direkt am Steg und das Notwendige kann man ebenfalls gleich „um die Ecke“ einkaufen. Die Atmosphäre in Südafrika scheint uns sehr entspannt zu sein. Die Leute sind sehr freundlich und die Restaurants bieten für wenig Geld sehr grosse und gute Menüs an. So kostet ein 300 gr. Steak mit Beilagen rund 10 Fr. Was will man mehr?
...
Tuzi Gazi Marina, Richards Bay, Südafrika
Tuzi Gazi Marina, Richards Bay, Südafrika

Wir haben einige Kleinigkeiten am Schiff zu reparieren. Eine davon ist die Positionsleuchte auf dem Mast, bei welcher die Farben Rot und Grün in die falsche Richtung schauen, weil sich der farbige Plastikteil inwendig gelöst und verschoben hat. Das ist natürlich weniger gut, wenn man in der Nacht in einen Hafen mit viel Verkehr einläuft. Da bestätigt es sich, dass redundante Geräte eine gute Sache sind, denn wir haben ebenfalls Positionsleuchten an der Reeling,



Besuch des Hluhluwe-Imfolozi Park


Wir haben ein Auto gemietet und fahren für zwei Tage mit Paul und Liliane von der SY "Lunablu" zum Hluhluwe-Imfolozi-Park. Dieser liegt etwa 100 km nördlich von Richards Bay und ist der älteste Nationalpark Afrikas. Er umfasst 960 km², meist hügeliges Gelände und liegt im zentralen Zululand. Es gibt im Park 5.500 Büffel, 500 Giraffen, 15.000 Antilopen, 80 Leoparden, 200 Löwen, 1.800 Zebras, 700 Elefanten und rund 1.000 Exemplare der weissen Nashörner. Wir haben viele Nashörner gesehen, aber ob man sie als weiss bezeichnen kann, muss man selber entscheiden :-)) ...

Hier kann man am besten die "Big Five", oder die "grossen Fünf" sehen. So tauften einst die Grosswildjäger Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe. Die letzten zwei genannten Arten haben sich vor uns versteckt, dafür sahen wir Zebras, Giraffen, Wildschweine und sehr viele Antilopen. Der Park diente einst dem Zulu -König „Shaka“ als Jagdrevier.

.





Von Richards Bay nach East London

Vom Freitag, den 10.11. bis Montag, den 13.11. haben wir einen kurzen Zeitraum mit rund 30 Knoten Wind aus Nordosten, welchen wir ausnutzen wollen, um unsere erste Etappe um Südafrika herum hinter uns zu bringen.

Es ist eine schwierige Strecke, da das Wetter innerhalb von kürzester Zeit von NO- auf SW-Wind in Sturmstärke umschlagen kann. Da die sehr starke Agulhas-Strömung von Norden nach Süden läuft, kann es bei SW-Winden gefährlich werden, weil die zum Wind gegenläufige Strömung sehr grosse Wellen erzeugt.

Segelt man bei schönem Wetter und starken NO-Winden in der Aguhlas-Strömung, dann erreicht man Spitzengeschwindigkeiten. Für uns können die zwischen 10 und 13 Knoten betragen. Sollte alles wir geplant ablaufen, schaffen wir die Strecke in zwei Tagen.


Die Agulhas Strömung


This current is one of the great ocean currents running mainly from northeast to southwest following the two hundred meter contour of the continental shelf and seaward thereof, and dissipating over the Agulhas Bank south of Mossel Bay. Main axis of the current is on or near the two hundred meter line and can run up to 6 knots at it’s fastest point. Further detail in the relevant sections.

It is a known fact that giant waves occur on the South African Coast in the Agulhas current region, where southwesterly gales prevail against the southward flowing Agulhas current. Professor Mallory of Cape Town University analysed the record conditions that prevailed each time a number of ships were damaged by exceptional waves, and found that in all cases the dominant waves were always from the southwest. The weather patterns play a major part in that the most dangerous period occurs when cells of low pressure are moving along the coast in a northeasterly direction. These lows are a regular feature of the eastern seaboard area and it often happens that during their passage the wind can change from a near north-easterly gale to a south-westerly gale, sometimes in a matter of minutes. The southwest wind than reinforces the existing waves generated by a short choppy sea, which acts directly against the Agulhas current.

It is the interaction between the strong south westerly wind and the strong south flowing current which at times can reach 6 knots that creates monstrous freak waves, of which the chart warn; “Abnormal waves of up to 20 metres in height, preceded by deep troughs may be encountered in the area between the edge of the continental shelf and twenty miles to seaward thereof.” The warning also describes the necessary evasive action to be taken under unfavourable conditions namely, to stay clear of the areas seaward of the edge of the continental shelf. In other words, move inshore, inside the two hundred meter line. This well established rule has given rise to the belief that the bottom topography plays a part in the generations of giant waves, but in fact this only plays an indirect role.


Richards Bay nach Port Elisabeth
Richards Bay nach Port Elisabeth
Wir wollen ein kleines Wetterfenster ausnutzen, um die 450 Seemeilen von Richards Bay nach Port Elisabeth zu segeln.
Agulhas Strömung
Agulhas Strömung
Da die Wetterfenster sehr kurz sind, ist man froh, ein schnelles Schiff zu haben. Zusaätzliche Geschwindigkeit erhält man durch die von NO nach SW fliessende Agulhas-Strömung.







In East London

Wie geplant haben wir am Donnerstag Richards Bay verlassen und sind in Richtung Port Elisabeth gestartet. Wegen dem schlechten Wetter haben wir uns entschlossen, Im Hafen von East London einen Halt zu machen, um auf besseres Wetter zu warten. East London liegt 145 SM vor dem Port Elisabeth. Die ersten 24 Stunden segelten wir gemächlich, mit ganz normaler Geschwindigkeit. Bei 30 32 S und 030 46 E setzte dann die Agulhas-Strömung ein und zusammen mit dem bis zu 35 Kn starken Ostwind  segelten mit Vollgas in der Strömung der Ostküste von Südafrika entlang. Leider war das Wetter sehr schlecht. Zu den enormen Wellen regnete es in Stömen und einige Gewitter mit starken Böen begleiteten uns in der Nacht. Am morgen entschieden wir uns dann, in East London auf besseres Wetter zu warten.

Unsere Logdatei
Unsere Logdatei
Dank der Starken Strömung segelten wir mit maximaler Geschwindigkeit in Richtung Südwest. Die durchschnittliche Fahrt über Grund (SOG) betrug zwischen 11 und 14 Kn. Selbst ein Tanker mit 333 m Länge überholte uns mit beinahe 22 Knoten Fahrt, Die gegen den Strom fahrenden Frachter erreichen zwischen 7 und 9 Kn Fahrt. Wir selbst könnten nicht gegen die Agulhas-Strömung fahren.
Hafeneinfahrt in East London
Hafeneinfahrt in East London
Die Einfahrt in den Hafen von East London ist einfach, auch wenn es dort bis weit hinter die Hafenmauern sehr hohe Wellen gibt. Bei der Welle auf dem Foto verschwindet die gesamte Hafenmauer hinter der enormen Wassermenge. „East London“ ist der einzige Hafen in Südafrika, welcher in einen Fluss gebaut wurde. Wir ankern ganz am Ende des Hafens, vor einer Brücke, welche nicht passierbar ist.
Der Hafen von "East London"
Der Hafen von "East London"
East London zählt heute rund eine halbe Million Einwohner, die umliegenden Townships eingeschlossen. Grösster Arbeitgeber ist die Daimler AG, die hier Mercedes PKWs und LKWs fertigt. Zur Zeit werden rund 1'000 Personenwagen in ein Frachtschiff verladen. Frachtschiffe für Autos sehen innen aus wie eine Parkgarage und die Schiffe sind sehr hoch gebaut. Im Vordergrund ist die SY "Lunablu" von Liliane und Paul zu sehen.
Der Hafen von "East London"
Der Hafen von "East London"
In East London, am Ostkap Südafrikas werden die C-Klasse Limousinen für Rechts- und Linkslenkermärkte für den Export produziert. Mit dem Produktionsstart der aktuellen C-Klasse im Mai 2014 wird bereits die vierte Fahrzeuggeneration der volumenstärksten Mercedes-Benz Baureihe gefertigt.
Der BUFFALO RIVER YACHT CLUB in "East London"
Der BUFFALO RIVER YACHT CLUB in "East London"
Wir ankern vor den kleinen Schiffen des BUFFALO RIVER YACHT CLUB. Es ist hier absolut nichts los. Alle Restaurants in der Hafenanlage sind geschlossen oder bankrott. Wir sollen ein Taxi nehmen oder ein Auto mieten, um in die naheliegende Stadt zu gelangen. Es sei zu gefährlich, hier - auch am Tag - zu spazieren, meinte die Dame vom Yacht-Club..
An der Beach Front in East London
An der Beach Front in East London
Wir sind zusammen mit Liliane und Paul von der SY "Luna Blu". Die "Luna Blu" ist ein Schwesterschiff der "NatHape".
An der Beach Front in East London
An der Beach Front in East London
Die Beach Front ist eine Flaniermeile in East London. Sehr viele Leute schwimmen hier im Meer oder sie parken mit ihren schönen und sehr gepflegten Autos an der Strasse und geniessen den imposanten Ausblick bei afrikanischer Musik aus den Lautsprechern ihrer Fahrzeuge.
East London, BUFFALO RIVER YACHT CLUB
East London, BUFFALO RIVER YACHT CLUB
Der Buffalo River Yacht Club und der Hafen von East London. Rechts im Bild die auf das Verladen wartenden C-Klasse Mercedes.





An der Beach Front in East London
An der Beach Front in East London

Laut unserem Taxifahrer leben in Südafrika 56 Millionen Einwohner, davon etwa 2/3 Scharze und 1/3 Weisse. Bei einem Spaziergang am Sonntag in der sehr stark frequentierten Beach Front in East London waren wir "weit und breit" die einzigen Anwesenden der Gattung "Weiss". Am Anfang fühlten wir eine gewisse "Reserviertheit" der Bevölkerung zu uns. Ein Lächeln und ein freundlicher Augenkontakt lässt das Eis unmittelbar schmelzen. Wir werden mehrmals angesprochen und immer in einen kleinen und sehr freundlich gesinnten "Small Talk" verwickelt
Wir besuchen die Fabrik "FIRST NATIONAL BATTERY"
Wir besuchen die Fabrik "FIRST NATIONAL BATTERY"

Wir würden gerne nach Port Elisabeth weiter reisen, aber die aktuelle Wetterlage lässt uns im Stich. Südafrika ist eine der schwierigsten Strecken für Schiffe und wir haben keine andere Wahl, als auf die für uns richtigen Ostwinde zu warten. Zurzeit ist kein gutes Wetterfenster in Sicht und so bleibt uns nichts anderes übrig, als uns anders zu beschäftigen. East London ist eine Industriestadt mit etwa 800.000 Einwohner. Heute hatten wir die Gelegenheit, eine Fabrik, welche Batterien herstellt zu besichtigen. Ohne Batterien läuft nichts auf einem Schiff und eigentlich hatten wir bis heute keine grosse Ahnung, wie eine Batterie im Innern aussieht und wie sie hergestellt werden.

Wir besuchen die Fabrik „FIRST NATIONAL BATTARY“ mit etwa 1'500 Angestellten, welche täglich 8'000 Batterien herstellten. Guy, wie der Verkaufschef der Firma heisst, hat uns die Besichtigung ermöglicht. Verkauft werden de hergestellten Batterien vorwiegend an die Hersteller von Pkw's und LKw's.
Mercedes Benz, South Africa
Mercedes Benz, South Africa

Wir sehen beinahe täglich, wie tausende C-Modelle von Mercedes-Benz auf ein Schiff verladen und exportiert werden. Das ist natürlich ein guter Grund, sich anzuschauen, wie diese Fahrzeuge hergestellt werden. Guy, unser Batteriefachmann hatte jahrelang für Mercedes-Benz gearbeitet und dank seinen Verbindungen dürfen wir uns einer anderen Gruppe „anhängen“ und das Werk besuchen. Produziert werden 500 C-Modelle pro Tag oder rund alle 3 Minuten wird ein neues Auto produziert. In der Halle wo der „Body“ hergestellt wird, hat man das Gefühl, auf einem anderen Planet zu sein. Viele Roboter setzen und schweissen den „Body“ des Fahrzeuges vollautomatisch zusammen. Leider war das Fotografieren im Werk nicht erlaubt. Nachher wird das fertige Fahrzeuggestell in eine andere Halle per Fliessband transportiert, wo Türen, Fenster, Armaturenbrett und der gesamte Unterteil inklusive Motor, Aufhängung, Kardanwelle, usw. in ganz kurzer Zeit eingebaut werden. Die fertigen Autos werden dann in das Hafengelände zum Verladen auf die riesigen Schiffe gefahren. 4 bis 5‘000 Autos sollen auf einem solchen Schiff transportiert werden können.






Von East London nach Port Elisabeth

Etwas fluchtartig verliessen wir East London und sind heute am Samstagabend, dem 18.11.2017, nach Port Elisabeth aufgebrochen. Es gab eine Wettervorhersage mit variablen Winden für zwei Tage. Die "variablen" Winde waren meistens zu unseren Ungunsten und somit benutzten wir unseren Motor für mindestens 2/3 der 150 Seemeilen langen Distanz. Der Grund unserer hastigen Abreise war die geplante Ankunft der ARC Rally in East London. Wenn 15 bis 20 Schiffe zusammen in einem kleinen Hafen ankern oder als Gruppe unterwegs sind, dann ist das Chaos mit Sicherheit vorprogrammiert.
Port Elisabeth, Südafrika
Port Elisabeth, Südafrika
10 Seemeilen vor der Hafeneinfahrt werden wir von Walen "begrüsst". Leider sind wir immer noch ohne Teleobjektiv unterwegs ...
Port Elisabeth, Südafrika
Port Elisabeth, Südafrika
Da es Sonntag ist, müssen wir provisorisch an der Betonmauer im "Päckli" liegen.





Murphys Gesetz - 20.11.2017

Anything that can go wrong will go wrong oder auf deutsch Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

Port Elisabeth am 20.11.2017
Port Elisabeth am 20.11.2017
Zuerst absolute Flaute, dann 20-30 Kn, dann 35 Kn und etwas später bis maximal 45 Kn Wind im Hafenbecken von Port Elisabeth.
Port Elisabeth am 20.11.2017
Port Elisabeth am 20.11.2017
Wie man an unseren Tracks im Port Elisabeth leicht sehen kann, hatten wir einen sehr bewegten Tag. Der Hafen ist für uns Segler nicht gerade ideal. Zuerst muss man bei viel Schwell an einer Betonmauer festmachen. Zudem ist die Mauer eher eine Brücke und so hat man bei Ebbe fast keine Möglichkeit mehr, sein Schiff mittels Fender zu schützen. Die Marina selber ist ebenfalls nicht gerade auf dem neusten Stand. Eisengestelle ohne Schutz, mit Betonfüllungen werden auf „Schwimmern“ mittels „Scharnieren“ zusammengehalten. Da der Wind hier zurzeit äusserst stark ist und es beträchtlichen Schwell im Hafen hat, ist es u.M.n. nicht ganz ungefährlich, hier in Port Elisabeth anzulegen.

Wie bereits beschrieben, haben wir gestern an der Betonmauer im "Päckli" festmachen müssen. Wir sind heute früh aufgestanden und haben uns die Möglichkeiten angeschaut, wo wir in den nächsten Tagen anlegen können. Angestellte des Hafens erklärten uns, dass es drei Möglichkeiten gibt:

a) Wir ankern zwischen den Fischerbooten und der Marina, max. ein Schiff (roter Pfeil)
b) Wir benutzen einen der freien Liegeplätze (grüner Pfeil)
c) An der Betonmauer bleiben (links vom grünen Pfeil)

Alls wir zu unseren Schiffen zurückkommen, zeigt uns Paul einen gröberen Schaden an der Scheuerleiste, verursacht durch eine Kette über einem Pneu an der Betonmauer bei Ebbe.

Wir entschliessen uns zu Ankern, Paul bevorzugt an den Liegeplatz. Unser Ankermanöver gelingt uns erst beim zweiten Mal. Beim ersten Versuch hielt der Anker nicht, weil die Kette wegen den Platzverhältnissen zu kurz bemessen war. Der zweite Versuch klappte, der Anker hält auch bei eingelegtem Retourgang mit laufendem Motor bei 2'000 Touren. Da der Platz so schmal bemessen ist, setzen wir einen Heckanker. Damit verhindern wir, dass wir in die Fischerboote oder in die Schiffe innerhalb der Marina getrieben werden. Alles „Paletti“, wir fühlen uns sicher.

Paul funkt uns, ob wir ihm beim Anlegen helfen können. Der Wind hat unangemeldet beträchtlich zugenommen, auf etwa 15-20 Kn von West. Paul kommt mit der „Luna Blu“ angefahren und wir haben mit unserem Beiboot in der Marina angelegt. Paul meldet, dass irgendetwas nicht funktioniert und dreht ab. Meine Frau fährt mich mit unserem Beiboot zu ihm und ich frage was nicht funktioniert. Ich bleibe auf der "Luna Blu" und Nathalie fährt zurück an den Steg in der Marina. Auf der "Luna Blu" ist  es das Bugstrahlruder, welches streikt. Wir prüfen die Kabel. Alles scheint gut zu sein und jedes Kabel ist in der richtigen Halterung. Dann kommt es „Schlag auf Schlag“: Nathalie ist am Steg und funkt, dass unser Beiboot nicht richtig läuft. Kurze Zeit später funkt sie erneut. Dieses mal ist die Nachricht ganz schlecht: Unsere vor Anker liegende "NatHape" driftet unbesetzt rückwärts in Richtung der Tankstelle. Irgendwie schafft es Nathalie, trotz des nicht korrekt laufenden Motors des Beibootes, auf die driftende „NatHape“ zu gelangen. Sie startet den Motor und steuert die „NatHape“ in Richtung Anker um diesen gleichzeitig hochzuziehen. Der Heckanker ist noch gesetzt und die Leine darf auf gar keinen Fall in die Schraube gelangen, das wäre dann in dieser Situation der „Super Gau“ gewesen. Wir - auf dem Schiff von Paul - versuchen so schnell wie möglich, sein Beiboot ins Wasser zu bringen, damit ich Nathalie auf der "NatHape" helfen kann. Das dauert … zuerst kommt das Beiboot ins Wasser, dann muss der Motor befestigt werden. Zu Guter letzt wird der in der Backskiste verstaute Tank am Motor angeschlossen. Nach diesen „langen“ Momenten und der kurzen Fahrt erreiche Ich unser Schiff, Nathalie hat bereits den Hauptanker geborgen und meint, dass ich das Steuer übernehmen soll. Sie hebt den Heckanker ins Boot und ich weiss wirklich nicht, wie sie das auch noch geschafft hat.

Nun ankern wir im Hafenbecken von Port Elisabeth bei 35 bis 45 Kn Wind. Gestern haben wir noch gedacht, dass wir die 200 SM weiter zur Mossel Bay fahren könnten. Die gestrigen Wettervorhersagen prognostizierten leichten Wind von N und manchmal NO. Heute bläst es mit 45 Kn aus W, also von dort wo die Mossel Bay liegt, Fazit: Zur Mossel Bay zu segeln, wäre aufgrund der geänderten Wetterverhältnisse gar keine gute Idee gewesen.

Ich muss sagen, dieses Ereignis war die heikelste Situation die wir auf unseren Reisen jemals erlebt haben. Murphys Gesetz endete Gott-sei-dank nur beinahe im "Desaster", denn der gute alte Murphy ist eindeutig an Nathalie gescheitert. Meine Frau hat diese sehr schwierige Situation alleine und absolut souverän gemeistert.

Die Geschichte ist noch nicht ganz fertig. Um 16h nimmt die Hafenbehörde mit uns Kontakt auf. Da ein Frachter den Hafen verlässt und ein anderer seinen Platz einnehmen will, sollten wir binnen einer Stunde an unsere alten Plätze zurück kehren. Das ist bei dieser Windstärke unmöglich. Wir entscheiden uns, aus dem Hafen auszulaufen und direkt vor der Hafenmauer zu ankern. Solange der Wind nicht kehrt und weiterhin vom Westen bläst, liegen wir hier sehr konfortabel und vor allem kostenlos :-)) ...

Nachtrag
: Nachdem wir die Zündkerzen am Motor des Beibootes gewechselt haben, läuft er einwandfrei. Ein Zündkerze war offensichtlich defekt und der Motor arbeitete nur mit einem Zylinder.







Ankern einmal anders: Nicht im, sondern vor dem Hafen.

Wir verbrachten eine ruhige Nacht auf unserm Ankerplatz direkt vor der Hafenmauer des Port Elisabeth (grüner Kreis unten auf dem Bild). Das Problem beim Ankern (und auch sonst) sind in erster Linie die Wellen und nicht der Wind. Die kurze Distanz von der Hafenmauer zu unserem Schiff verunmöglicht, auch bei Wind um die 40 Kn, eine starke Wellenbildung, d.h. wir liegen hier ganz sicher, trotz. rund 40 Kn Wind aus dem Westen.

Port Elisabeth, Südafrika
Port Elisabeth, Südafrika
Unser derzeitiger Ankerplatz (im gründen Kreis mit dem Anker) vor der Hafenmauer in Port Elisabeth. Die Mauer schützt uns vor den Wind mit 30 bis 40 Kn Wind aus Westen.
Wettervorhersage Port Elisabeth, 22.11.2017
Wettervorhersage Port Elisabeth, 22.11.2017
Die Wettervorhersagen für Mittwoch, den 21. November 2017, für die Südküste von Südafrika. Die gute Nachricht ist, dass es uns die Prognosen vom Wochenende erlauben, zur Mossel Bay oder gar nach Cape Town zu segeln :-))

Paul und Liliane mit der „Luna Blu“ haben sich heute Morgen entschieden, zurück in den Hafen zu fahren, um dort anzulegen. Wegen den anhaltenden Starkwinden haben wir uns entschlossen, die nächsten Tage hier vor dem Hafen zu bleiben, zumal morgen Mittwoch in Port Elisabeth ein Sturm mit etwa 40-50 Kn Westwind angesagt ist.

Wir sind beinahe alleine hier, praktisch alle anderen Schiffe sind im Hafen. Weit hinter uns ankern einige Frachtschiffe und etwa 500m links von uns hat ein Fischerboot den Anker geworfen. Da fragt man sich schon, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat. Wir selber bevorzugen in diesem Fall, aus mehreren Gründen, das Ankern. Einer davon ist, dass sich das Schiff vor Anker im Wind ohne störende Hindernisse (Mauern, Stege, andere Schiffe, etc.) frei bewegen kann und es stellt sich immer „in den Wind“, dort wo der Windwiederstand am geringsten ist. Ein weiterer Grund ist, dass keine komplizierten Hafenmanöver gefahren werden müssen, Fender kann man vergessen, es gibt kein Festmachen an einem Steg und man muss keine Behörden oder Hafenmeister aufsuchen. Da wir auf der Lee-Seite ankern, wäre es keine Gefahr, wenn unser Anker nicht halten würde.  Würde der Wind unerwarteter Weise drehen und z.B. von Ost kommen, müssten wir in den Hafen einlaufen und dort irgendwo provisorisch anlegen, vielleicht Längsseite eines Fischerbootes.

Ist das Schiff in einem engen Hafen ist die Situation eine ganz andere. Die Schiffe sind mit vielen Seilen irgendwie am Steg angemacht und der Schwell in Port Elisabeth strapaziert die Schiffe, die Seile und die auch Stege ganz enorm. Da gibt viele Möglichkeiten, dass Irgendetwas ein Chaos auslösen könnte. Dann ist eine Flucht unmöglich. Was bei dem Sturm im Oktober dieses Jahres im "sicheren Hafen" von Durban passierte, kann man hier lesen. Das alles muss nicht sein, aber wenn man das Für und Wider der beiden Möglichkeiten objektiv abwägt, dann ist bei dem jetzt herrschenden Wetter das Ankern einfacher und sicherer als das Anlegen in der Marina im Port Elisabeth.

Alles läuft nach Plan. Wir werden in ein paar Tagen weiter nach Cape Town segeln, da die Wetterprognosen gut aussehen :-))

Ankern vor der Hafenmauer
Ankern vor der Hafenmauer
Wir ankern bequem und sicher vor der Hafenmauer bei Port Elisabeth.
"NatHape+" vor der Hafenmauer
"NatHape+" vor der Hafenmauer
Paul schreibt uns zu diesem Bild: "Nathape als Stcknadel" ...
Zurück im Port Elisabeth
Zurück im Port Elisabeth
Die Starkwinde sind vorbeigezogen und wir haben uns von dem sichereren Ankerplatz vor der Hafenmauer zurück in die Marina verlegt. Unser derzeitiger Nachbar hält den Weltrekord in der Anzahl verwendeter Seile um seinen Katamaran innerhalb des Steges zu fixieren. Wir haben 38 Leinen gezählt und, er wird das sicher nicht ohne berechtigten Grund so handhaben :-))








Ein kleiner Spaziergang in Port Elisabeth am 24.11.2017

Nach zwei Tagen Ankern ausserhalb des Hafens spazieren wir in das Zentrum der Stadt, welches einige Minuten von dem Hafen entfernt liegt. Unser Ziel ist der Aussichtspunkt im "Donkin Reserve", welcher einem einen schönen Blick über die Stadt gewähren lässt. Wir besteigen den Leuchttum auf dem Gelände, um einige Fotos von Port Elisabeth aufzunehmen. Gouverneur Sir Rufane Donkin liess In Erinnerung an seine verstorbene Frau Elizabeth - nach der übrigens auch die Stadt ihren Namen hat - den grasbewachsene Platz, auf welchem der Leuchtturm steht , Anfangs des 19. Jahrhundert anlegen.

Port Elisabeth, Südafrika
Port Elisabeth, Südafrika
Von der Plattform des Leuchtturms im Donkin Reserve hat man eine tolle Rundumsicht über die Stadt und das Hafengelände.
Port Elisabeth, Südafrika
Port Elisabeth, Südafrika
Wie in East London, werden auch in Port Elisabeth Autos hergestellt. Hier sind es nach meinem Wissen Autos der Marken Audi, VW, BMW. Opel und Ford. Bisher wussten wir über Südafrika lediglich, dass es einige Goldminen und sehr gute Weine gibt. Reisen bildet ;-)). Auf dem Foto sieht man im nördlichen Teil die grossen Parkplätze, auf den die Autos zur Zeit in das nebenstehenden Schiff verladen werden.