2017 - Mai bis Juli, Reise von Thailand nach Rodrigues


Juni 2017 - Bye bye Malaysia, bye bye Asia

Seit 2011 bereisen wir Asien. Obwohl jede Reise immer viel zu kurz ist, kommt irgendeinmal der Zeitpunkt, an dem man weiterziehen möchte. Nachdem wir uns mit Unterbrüchen sechs Jahre in Südostasien aufgehalten haben, haben wir uns entschlossen, nach Südafrika zu segeln. Wir werden von Langkawi nach Pulau Weh, im Norden von Sumatra segeln. Von dort geht es weiter nach Rodrigues, Mauritius, Reunion, Madagaskar und dann Südafrika.

Die gesamte Reise beträgt etwa 6'500 Seemeilen oder rund 12'000 km. Das wiederum entspricht ungefähr der Distanz von Paris nach New York UND wieder zurück nach Paris...

Vom Juni bis November ist der Indische Ozean frei von Cyclons und anderen schweren Stürmen. In der Regel bläst der vorwiegend aus Osten kommende Wind in diesem Zeitraum 20 bis 25 Kn, d.h. um die 40 km/h, also ideale Verhältnisse um zügig diese grossen Distanzen zu bewältigen.

Telaga Harbour, Langkawi in Malaysia
Telaga Harbour, Langkawi in Malaysia
Auftanken vor der grossen Fahrt. Nirgends auf unserer Reise war der Diesel billiger als in Malaysia. Um die 50 Rappen kostet der Liter. Aber trotzdem ist es nicht so günstig wie es scheint, denn in diesen windarmen Gebieten benutzt man den Motor mangels Wind zu häufig. Wir sind zurzeit rund 120 SM westlich von Langkawi und trotz akzeptablen Windprognosen herrscht absolute totale Flaute.
Typische Windrichtung und -geschwindigkeit im Juli im Indischen Ozean
Typische Windrichtung und -geschwindigkeit im Juli im Indischen Ozean
Idealer, aber starker Wind zwischen 20 und 30 Kn herrscht in den Monaten Juni bis November im Indischen Ozean. Die anderen Monate kann dieser Ozean wegen den starken Stürmen nicht von einem Segelschiff befahren werden.



Unser alter Radar lässt uns im Stich ...

Abreiseverzögerung durch unser defektes Radar:
Unser im Jahr 2008 eingebautes Radar von Raymarine gab den Geist auf. Nachdem wir bereits ein Anzeigegerät ersetzt hatten, entschlossen wir uns, nicht weiteres Geld in die alte Anlage zu investieren und uns ein neues Radar zuzulegen. Ein Radar ist ein sehr hilfreiches Navigationsinstrument, vor allem nachts und wir wollten nicht darauf verzichten. Eingebaut haben wir das Broadband 3G Radar von Lowrance. Für dieses Radar wird kein Anzeigegerät mehr benötigt, man schliesst es direkt am Computer an. Dann kann man sich das Bild im Navigationsprogramm OpenCPN anzeigen lassen. Zudem ist es möglich, das Radarbild überlappend auf der Karte zu sehen. Ein weiterer grosser Vorteil dieses Radartyps ist, dass er keine Vorlaufzeit zum Aufwärmen benötig. Man stellt das Gerät an und hat dann unmittelbar das Bild. Die Qualität ist vor allem im Nahbereich hervorragend.

Für technisch Interessierte: Installiert haben wir das Broadband 3G Radar und das mitgelieferte RJ45 Antennenkabel an einem Netgear GS 105v5 angeschlossen. Von diesem Gerät geht ein weiteres RJ45 Kabel direkt in den Anschluss beim Computer. Wir haben keinen "Heading Sensor" und kein RI10 oder RI11 installiert. Damit der "Overlay" des Radars auf der Karte funktioniert, muss im BR24 Plugin von OpenCPN "Enable COG as Heading" markiert sein. Hat man kein COG (wenn man nicht fährt), dann wird das "Overlay" nicht korrekt angezeigt. Noch eine kleine Anmerkung: Zuerst dachte ich, dass das Uebertragen der Radardaten auf die Karte nicht wirklich notwendig ist. Nach einigen Stunden Praxis am neuen Radar bin ich zur Meinung gelangt, dass diese Funktion das Beste an der Anlage ist. Es vereinfacht die Navigation ganz extrem und jede Situation wird unmittelbar klar dargestellt. Wer noch weiter in die Tiefe gehen will, findet hier in OpenCPN eine ausgezeichnete Beschreibung.

Radarbild auf dem Navigationscomputer
Radarbild auf dem Navigationscomputer
Das Radarbild wird direkt neben der Karte angezeigt. Es ist ebenfalls möglich, das Bild zusätzlich überlappend auf der Karte anzuzeigen
Radarbild als Overlay auf der Karte
Radarbild als Overlay auf der Karte
Wir fahren in der Nacht aus einer Bucht. Auf der Karte sehen wir das vom Radar übertragene Bild und schliessen daraus, dass die Karte um 0.5 SM verschoben ist. Man sieht das natürlich auch an unserem Ankerplatz, welcher sich gem. Karte auf dem Land befindet.





Der Motor streikt ...

Es ist morgen um 4 Uhr und wir sind etwa 100 SM vor Pulau Weh, der nördlichsten Insel von Indonesien. Das tatsächliche Wetter im Vergleich zur Vorhersage stimmt nicht. Anstelle des angesagten Wind aus Süden gibt es meistens Wind aus dem Western, also unserer Fahrtrichtung. So fahren wir den grössten Teil unter Motor und verbrauchen einige Kanister vom billigen Diesel aus Malaysia. Zwischendurch gibt es kurze Momente, bei denen wir Die Segel setzen können. Als wir morgens früh, inmitten des Schiffsverkehr den Motor wieder starten wollen, weigert er sich anzuspringen, der Anlasser gibt nur ein kurzes Geräusch von sich. Kein Wind und kein Motor, aber viele Frachter um uns herum, das macht uns etwas nervös, vor allem auch, weil wir uns quer zur Fahrrinne dieser grossen Schiffe bewegen. Sollte der Anlasser kaputt sein, können wir den Motor mangels Ersatzteil nicht starten. Um herauszufinden ob die Batterie leer ist, messen wir sie. 13.6 Volt sieht gut aus, also starten wir den Generator, welcher an derselben Batterie angeschlossen ist. Er startet sofort. Bei laufendem Generator versuchen wir den Motor zu starten, hatten aber kein Glück. Also ist der Anlasser defekt. Da man in einer solchen Situation nichts unversucht lassen soll, überbrücken wir die Starterbatterie mit einer unserer Servicebatterie und versuchen es nochmals. Und ... der Motor springt ohne Probleme an, also ist die Batterie defekt. Warum startet dann der Generator? Alles ein bisschen unlogisch, aber wir sind sehr erleichtert und wieder manövrierfähig.

In Pulau Weh werden wir den Anlasser ausbauen und ihm einen kleinen Service gönnen. Ebenfalls wollen wir die Starterbatterie ersetzen. Soweit eine kleine Episode aus unserem Seglerleben :-)).

Viel Verkehr am Ende der Malacca-Strait
Viel Verkehr am Ende der Malacca-Strait
Zwischen Sumatra (Indonesien) und Malaysia wird ein Grossteil der Handelswaren von und nach China transportiert.
(Die gelben und grünen Dreiecke sind Frachter oder Tanker. Der rote Punkt entspricht unserem aktuellen Standort).
Frachter, 300 m lang, Geschwindigkeit 18,2 Kn
Frachter, 300 m lang, Geschwindigkeit 18,2 Kn
Viele Frachter fahren an uns in beiden Richtungen vorbei. Auch wenn der Motor ausfällt und man mangels Wind dahintreibt, ist das eigentlich nicht gefährlich. Die Frachter haben uns dank AIS auf dem Bildschirm und sie sehen unsere Geschwindigkeit und auch unsere Fahrtrichtung. Das Problem bei einer Panne ist nur, dass man selber keine Möglichkeiten hat und man sich auf andere Personen verlassen muss (ähnlich wie beim Fliegen, man gibt die gesamte Verantwortung in die Hände des Piloten :-))


Nächtliche Ankunft in Sabang Harbour, Pulau Weh und ein Vergleich mit dem uns zur Verfügung stehenden Kartenmaterial ...

Der Wind hat rund 15 SM östlich von Pulau Weh auf rund 25 Kn zugenommen. Das haben wir erwartet und zur Rehabilitierung der Wetterfrösche wurde das auch vorhergesagt. Dieser Wind "pfeift" hier während der gesamten Zeit des Südwest-Monsun, ist also nicht so schwer vorherzusagen :-). Dadurch verringert sich unsere Geschwindigkeit auf unter 4 Kn und wir werden definitiv in der Nacht in den Hafen von Sabang einlaufen. Geschieht so eine nächtliche Einfahrt das erste Mal, macht man das als Segler nicht gerne und man würde eigentlich irgendwo, an einem ruhigen Ort, bis am nächsten Morgen, beidrehen (sich treiben lassen). Ein ruhiger Ort gibt es hier zurzeit nicht und wir entschliessen uns, dank des guten Kartenmaterials von iSailor und des Träcks (Schiffsspur) von unserem Freund Dale (SY "Sukha"), auch bei Finsternis, in die Bucht einzulaufen. Das klappte auch absolut ohne Probleme, zumal im Gebiet von Sebang der zuvor sehr starke Wind total eingeschlafen ist.

Transas-Karten von iSailor
Transas-Karten von iSailor
Karte mit sehr detaillierten Angaben und mit korrekter Position. Zudem kann man Standard-Tracks im Format GPX einlesen. Ohne diese Karte und den Track wären wir hier nicht in der Nacht eingelaufen.
Karte von CM93 2005
Karte von CM93 2005
Die Karte von CM93 aus de Jahre 2005 kann man vergessen. Da manövriert man besser mit einer Autokarte oder mit einem aufblasbaren Globus, denn damit hätte man wenigstens noch ein paar Angaben vom Land. Es ist ein Witz, dass solche Karten verkauft werden, also ein absoluter "No-Go"... (Der Gerechtigkeitshalber muss man erwähnen, dass die Karten von CM93 aus dem Jahre 2009 etwa dem Detaillierungsgrad von den Navionics Charts entsprechen).
Karte von Navionics
Karte von Navionics
Die Details der Karte von Navionics sind so "ola-la", Die Karte ist verschoben. Bei Navonics haben wir es nicht geschafft, einen Track im GPX-Format einzulesen. Also ohne einen guten Track und nicht wissend, wo der Ankerplatz ist, hätten wir bis zum nächsten morgen, unter sehr ungemütlichen Konditionen, draussen gewartet.


Am nächsten Morgen in Sabang, Pulau Weh

Wir sehen bei Tageslicht, dass wir in der Nacht den idealen Ankerplatz gefunden haben. Die Wartezeit auf die Behörden, nutzen wir, um das Boot zu entsalzen und uns mit dem Feldstecher die Umgebung anzuschauen. Solange die Behörden nicht an Bord waren und die Einreise genehmigt haben, darf man nicht an Land. Die einen Länder haben da strenge Regeln, die andern sind weniger restriktiv.

Indonesien ist sicher das Land mit den meisten Millionären, denn 1'000'000 indonesische Rupiah entsprechen 72.50 Franken. Auch wenn das durchschnittliche Einkommen der Indonesier gering ist, ein paar Millionen wird es trotzdem sein. 5'000 Rupia tönt nach viel Geld und wir haben vor Jahren auch einmal versehentlich, wegen den vielen Nullen, reklamiert, dass dieser Betrag für eine grosse Wasserflasche viel zu teuer sei (36 Rappen).

Pulau Weh liegt in der Aceh Region und in Aceh herrschen die Scharia Gesetze. Sabang ist mit etwa 30'000 Einwohner die "Hauptstadt" von Pulau Weh und hat wirklich sehr viel Charme. Es ist schade, dass zur Zeit Ramadan ist, denn bei diesen Festtagen sind die vielen Cafés und Restaurants während des Tages geschlossen. Die Einwohner der kleinen Stadt sind ausserordentlich freundlich, ein spontanes Lachen und etwas "Small Talk" vom "Gegenüber" gibt es immer und überall. Wir fühlen uns hier sehr willkommen und geniessen den Aufenthalt am nördlichsten Punkt von Indonesien sehr.

Eine von mehreren Moscheen in Sabang
Eine von mehreren Moscheen in Sabang
Es ist zurzeit Ramadan und d.h. dass uns die Lautsprecher der Moscheen mehrmals in der Nacht auf diese Feiertage aufmerksam machen. Da es in Sabang mehrere Moscheen gibt, hört es sich an wie ein Kanon-Lied...
Werft in Sabang
Werft in Sabang
Wir warten auf den Harbour Master, die Beamten der Immigration, des Zolls und der Quarantäne. Um uns die Zeit zu vertreiben, schauen wir uns mit dem Feldstecher die Bucht an. Und wir entdecken, dass da eine schwere Fähre auf dem Land steht.
Tanken in Sabang
Tanken in Sabang
145 Liter Diesel haben wir für die Überfahrt verbraucht, Da das Tanken hier einfach ist, fahren wir mit unseren 7 Kanistern an Land und organisieren uns eine "Becak". Unser Fahrer heisst "Bang Bang" und fährt uns überall hin, wo wir wollen. Am gleichen Tag haben wir uns auch die neue Starter-Batterie gekauft und die Wäsche in die Wäscherei gebracht...
Sabang, die kleine "Hauptstadt" von Pulau Weh
Sabang, die kleine "Hauptstadt" von Pulau Weh
Wir sind zu dem 'Sabang Hill Viewpoint' gefahren und schauen in Richtung Süden. Gestern haben wir wegen den zu erwartenden starken Winden unser Schiff hinter die vorgelagerte Pulau Klah verlegt.
Einkaufen am Markt im Zentrum von Sabang
Einkaufen am Markt im Zentrum von Sabang
Es gibt hier einen kleinen hübschen Markt. Wir benutzen die Gelegenheit und gehen einkaufen. Die Leute hier sind alles andere als zurückhaltend. Sie lieben es, wenn wir sie mit uns fotografieren und ihnen die Bilder nachher zeigen.
Die Hühner von Sabang :-))
Die Hühner von Sabang :-))
Man kann hier, trotz Scharia und Ramadan, viel Spass haben! Nathalie ist vor ein paar Tagen an Land gestolpert und hat sich am linken Oberarm einen schmerzhaften Knochenriss zugezogen. Der Arm ist in einer Armbinde unter der Bluse. Zwei Ärzte und eine Ärztin haben Nathalie im lokalen Spital untersucht und gekostet hat uns das genau 7 Franken, inkl. der Röntgenaufnahmen.
Bei unserem "Becak"-Fahrer "Bang Bang" zu Hause
Bei unserem "Becak"-Fahrer "Bang Bang" zu Hause
Anlässlich eines Spazierganges durch die Stadt trafen wir unseren "Becak"-Fahrer "Bang Bang". Er lädt uns zu sich nach Hause zu einem Café Latte ein. Eine der Töchter malt eine Henna-Tattoo auf Nathalies Hand.
Im Haus von "Bang Bang"
Im Haus von "Bang Bang"
"Unser" Fahrer stellt uns seine Familie vor, drei Mädchen und seine Frau. Da niemand Englisch spricht, verständigen wir uns relativ gut über Google-Translate.
Eine der Moscheen in Sabang
Eine der Moscheen in Sabang
Es gibt vielleicht fünf Moscheen in Sabang. Wir sind in der Bucht für das Hören aller über Lautsprecher zum Himmel gesandten Gebete von allen Moscheen sehr gut platziert.
Rückfahrt zu unserem Beiboot
Rückfahrt zu unserem Beiboot
"Bang Bang" fährt mich zum Beiboot und Nathalie, wegen dem verletzten Arm und der recht unruhigen See, in die Nähe des Schiffes, ca. 3 km entfernt. Eine Bezahlung für die Fahrt wird nicht angenommen, es war eine Einladung...
Pulau Rubiah
Pulau Rubiah
5 SM von Sabang liegt die kleine Insel Rubiah. Wir sind dorthin gesegelt und warten auf günstiges Wetter um das Nordkap von Sumatra zu umfahren. Hier weht permanenter Wind aus Südwesten, was sehr ungünstig für uns ist.
Pulau Weh
Pulau Weh
Blick auf Sabang, die kleine Hauptstadt von Pulau Weh. Die Fischerboote haben eine ganz eigenartige Form. So wie wir es gesehen haben, fahren sie - dank des hohen Buges - bei hohen Wellen sehr schnell.
Pulau Weh
Pulau Weh
Panoramablick von Krueng Raya auf Pulau Kleh und Sabang.
Kilometer Nol
Kilometer Nol
Eine weitere "Attraktion" ist der "Kilometer Zero". Dies ist der nördlichste Punkt von Indonesien - was aber nicht stimmt, denn weiter nörlich liegen noch einige unbewohnte, indonesische Inseln.
Iboih - Gapang
Iboih - Gapang
Um uns die Zeit zu vertreiben, mieten wir ein Skooter und erkunden die Insel. Viel gibt es nicht zu sehen, also versuchen wir es mit dem Wasserfall. Auf dem Weg fährt man vielen Moscheen vorbei, und wie das üblich bei religiösen Gebäuden ist, ist eine prunkvoller als die andere ...
Skooter-Tour um die Insel
Skooter-Tour um die Insel
Wir suchen mit dem Skooter den Wasserfall und verfahren uns komplett. Dafür führt uns der Weg in den Süden der Insel. Auf der praktisch unbefahrenen Strecke sehen wir viele Affen, Schlangen und auch grössere Leguane.
Air Terjun Pria Lot
Air Terjun Pria Lot
Wir finden den Wasserfall. Die Fahrt lohnt sich, weil sie durch den indonesischen Dschungel führt. Der Wasserfall? klein aber fein. Wir sind natürlich als Schweizer in dieser Beziehung sehr verwöhnt ...



Ausklarieren von Indonesien

Dazu besucht man alle Büros der Behörden nochmals, welche bei unserer Ankunft uns auf dem Schiff besuchten. Obwohl im letzten Jahr dieses Procedere in Indonesien bedeutend vereinfacht wurde, gibt es immer noch "kiloweise" Papierkram zu erledigen. Das Wichtigste dabei ist, dass man über einen Stempel mit den Angaben vom Schiff verfügt, andernfalls man den Fingerabdruck neben der Unterschrift auf jedem Formular hinterlassen muss. Teilweise sind die Büros nicht besetzt und man muss warten, bis die Beamten eintreffen. Zu unserer Überraschung wollte der Zoll unser Schiff vor der Abreise nochmals inspizieren. Die NatHape steht aber 5 SM entfernt und wir wollten auf keinen Fall zurück nach Sabang segeln und so machte ich auf "Altersdemenz" und Nathalie mit ihrer Armbinde auf "Unfall". Das wurde alles Akzeptiert und wir wurden ganz respektvoll von den Beamten - ohne nochmalige Kontrolle - verabschiedet!

Der Beamte der Quarantäne
Der Beamte der Quarantäne
Das Office der Immigration
Das Office der Immigration
Beim Zoll
Beim Zoll
Und zu guter Letzt der Hafenmeister
Und zu guter Letzt der Hafenmeister







Ein eigener Stempel für das Schiff ist in Indonesien ein absolutes Muss!

Der Papierkrieg in Indonesien ist immens. Sicher muss der Kapitän eines Schiffes etwa 30 verschiedene Formulare in mehreren Ausführungen unterschreiben. Hat man keinen eigenen Stempel, so erwartet der Beamte dass man den Daumen in ein Stempelkissen presst und ihn anschliessend neben der Unterschrift auf jedes Papier drückt.

Nachdem ich nach dem Einklarieren mangels Waschmöglichkeiten für Stunden mit einem dunkelblauen Daumen spazieren gegangen bin, haben wir uns in Sebang für 7 Fr. einen "NatHape"-Stempel herstellen lassen. Der zweite Behördengang für das Ausklarieren war dann wesentlich einfacher.

Es ist nicht nur in Indonesien so, überall in Asien möchten die Behörden, dass neben der Unterschrift ein Stempel des Schiffes zu sehen ist.






Unterwegs an der Westküste von Sumatra

Pulau Weh im Norden von Sumatra liegt hinter uns und wir haben am frühen Morgen das Kap umfahren. Glück gehabt, denn der Monsun war gnädig mit uns und der meistens starke Wind aus Südwesten hatte einen Gang zurückgelegt. Viele Segler warnten uns vor sehr starken Böen, welche bis 60 Kn Wind bringen können. Auch diese Böen blieben bis jetzt von uns fern. Das aktuelle Wetter ist so "ola-la", der Wind kommt abwechslungsweise aus allen Richtungen, einmal schwach, das andere Mal etwas stärker. So fahren wir einige Seemeilen mit Motor und ab und zu unter Segel. Wir erreichen in ein paar Stunden Pulau Simeulue, eine Insel ausserhalb Sumatras und werden dort eine Nacht bleiben. Da wir uns von Indonesien bei den Behörden abgemeldet haben, dürfen wir offiziell nicht mehr an Land gehen.

Von Sumatra haben wir nichts gesehen, was wir bedauern. Es gibt auf dieser Insel noch einige Tausend wilde Elefanten, 5'000 freilebende Orang-Utans und es soll noch die weissen Sumatra-Tiger geben. Die vielen aktiven Vulkane, zusammen mit dem Urwald und den Tieren machen die sechst grösste Insel der Welt zu einem Abenteuer. Nun gut, man kann nicht gleichzeitig überall sein und darum verpasst man ja eigentlich nichts, denn man ist entweder hier oder dort.

Sonnenuntergang und  ...
Sonnenuntergang und ...
Wir sind unterwegs zur ersten westlichen Insel von Sumatra mit dem Namen Simeulue.
... am nächsten Morgen der Sonnenaufgang.
... am nächsten Morgen der Sonnenaufgang.
Die Distanz beträgt 185 SM und so segeln wir über Nacht.
Regenwolken mit starken Böen im Westen von Sumatra
Regenwolken mit starken Böen im Westen von Sumatra
Wir wurden gewarnt, dass sich in diesem Gebiet sehr schnell Regenwolken mit ausserordentlich starken Winden entwickeln. Hier ist so ein Unwetter hinter uns und es bleibt uns fern.
Abendstimung im Süden von Simeulue
Abendstimung im Süden von Simeulue
Wir ankern in der Bucht Labuhanbayau im Süden der Insel Simeulue.
Pulau Nias, Afulu, West Sumatra, Indonesien
Pulau Nias, Afulu, West Sumatra, Indonesien
Wir ankern in der wunderschönen Bucht von Afulu. Ausserhalb der Bucht brechen links und rechts riesige Wellen am Strand - es ist ein kleines Surfer-Paradies. Da heute in Afulu der wöchentliche Markt stattfindet, lassen wir uns die paar Kilometer mit dem Motorrad in das kleine Dorf fahren und kaufen einige Papayas.
Pulau Nias, Lagudri, West Sumatra, Indonesien
Pulau Nias, Lagudri, West Sumatra, Indonesien
Wir kommen mit dem Sonnenuntergang in Lagudri an. Riesige Wellen begleiten uns links und rechts in die Bucht zu unserem Ankerplatzt. Trotz der enormen Wellen ist relativ wenig Schwell in der Bucht und wir verbringen eine ruhige Nacht.
Wettervorhersagen vom Fr. 30.06.2017, 08.00 h, Indischer Ozean
Wettervorhersagen vom Fr. 30.06.2017, 08.00 h, Indischer Ozean
Das Wetter von heute Morgen im Indischen Ozean zeigt ein in der Mitte eine Schwachwindzone von ungefähr 800 SM. Das ist die Vorhersage des Wetters in 48 Stunden, also zeitlich relativ nahe. Unser Freund Jos hat vor ein paar Tagen mit seinem Schiff Cocos Keeling verlassen und ich habe mir gedacht, diese Wetterlage ist sehr ungünstig für ihn ...
Wettervorhersagen vom Fr. 30.06.2017, 18.00 h, Indischer Ozean
Wettervorhersagen vom Fr. 30.06.2017, 18.00 h, Indischer Ozean
Die Wettervorhersage vom Freitagabend, also 12 Stunden später zeigt eine komplett andere Wetterlage. Die Schwachwindzone von heute Morgen hat sich verflüchtigt. Was hat der Chef von Rynair gesagt? Sie (die Wetterfrösche) wollen uns sagen, wie das Wetter in 100 Jahren sein wird, aber es ist ihnen nicht möglich, uns das Wetter für die nächsten zwei Tage genau vorher zu sagen.
Überquerung des Äquators
Überquerung des Äquators
Wir haben heute am 1. Juli 2017 den Äquator zum 5. Mal überquert und befinden uns wieder in der südlichen Hemisphäre.
Zeremonie bei dem Überfahren des Äquators
Zeremonie bei dem Überfahren des Äquators
Eine kleine Zeremonie beim Überfahren des Äquators muss schon sein. Wir spenden dem Neptun die grössten indonesischen Münzen im Wert von 1'000 Rupiah und eine kleine Flasche "Blanc de Blancs" ...
Pelabuhan, Palau Tello, Sumatra, Indonesien
Pelabuhan, Palau Tello, Sumatra, Indonesien
Wir ankern vor der kleinen Dorf Pelabuhan. Das erstaunliche ist, dass es neben der Moschee zwei christliche Kirchen gibt. Ein Fischerboot mit den typischen Auslegern fährt an uns vorbei. Über der Insel zieht ein starkes Unwetter auf. Wir blieben davon verschont.
Pulau Tello, im Westen von Sumatra, Indonesien
Pulau Tello, im Westen von Sumatra, Indonesien
Sonnenaufgang morgens um 6:30 h in Pulutelo. Die Stimmung ist phantastisch und die Fischer kehren von ihrer nächtlichen Arbeit zurück nach Hause. Wir heben den Anker, unser heutiges Ziel ist der Süden der Insel Tanahbala, etwa 55 Seemeilen entfernt.
Pulau Tello, im Westen von Sumatra, Indonesien
Pulau Tello, im Westen von Sumatra, Indonesien
Ein weiteres Fischerboot vor dem wunderschönen Dorf mit dem Namen Pulutelo.
Pulutelo, Pulau Tellos, Sumatra, Indonesien
Pulutelo, Pulau Tellos, Sumatra, Indonesien
Die letzte Nacht verbrachten wir vor Anker in Pulutelo. Es ist ein Dorf zum sich verlieben. Um ehrlich zu sein, Indonesien ist sicher eines der schönsten Länder auf dieser Welt. Es bietet alles: viel Kultur, schönste Landschaften mit aktiven Vulkan, sehr freundliche Leute, gute Küche und noch vieles mehr ... wir könnten über Indonesien nichts negatives sagen...
Pulau Tello, im Westen von Sumatra, Indonesien
Pulau Tello, im Westen von Sumatra, Indonesien
Das malerische Pulutelo ist ein grösseres Dorf auf der Insel Tello. Pulutelo liegt etwa eine Seemeile von dem Äquator entfernt. Der Westen von Sumatra ist definitiv ein Gebiet, in welchem man sich für einige Monate aufhalten sollte. Wir sind leider in Eile und haben keine Zeit dazu. Rodrigues ist unser Ziel.
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Wir wollen zwischen den Inseln Tanahmasa und Tanahbala durchfahren. Die Fahrrinne ist etwas 100m breit. Da wir das erste Mal hier navigieren und über schlechtes Kartenmaterial verfügen, sind wir "doppelt" vorsichtig.
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Da die Seekarten für dieses abgelegene Gebiet praktisch unbrauchbar sind (zu grosser Massstab, ca. ½ Meile verschoben, beinahe keine Tiefenangaben), behelfen wir uns mit den Karten von Google. Wenn die Gegend nicht durch Wolken bedeckt sind, sieht man die meisten Untiefen und vor allem, die Koordinaten der Karten stimmen immer.
(Die dunkle Linie ist die Spur unserer Fahrt).
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Wir passieren eines der typischen Fischerboote in Sumatra. Die Kanus haben links und rechts grosse Ausleger.
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Auf der Seekarte sieht die Passage viel schwieriger aus, als sie tatsächlich ist. Sie ist einfach zu befahren und wir hatten praktisch keine Strömung. Die minimale Tiefe betrug ungefähr 6 Meter unter dem Kiel, also alles kein Problem.
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
In diesem abgelegenen Gebiet ist die Natur sehr ursprünglich und von Menschenhand beinahe unberührt. Mangroven und unberührte Sandstrände mit Cocos-Palmen sind überall zu sehen. Das Wasser ist absolut klar und sauber. Das einzige was uns fehlt ist 10 bis 15 Kn Wind. Sehr selten braut sich eine dieser gefürchteten Regenwolke mit Böen auf und dann gibt es für etwa eine Stunde sehr starken Wind ... ist uns einmal passiert. Der Regen und die Böen von ca. 40 Kn kamen aus der richtigen Richtung und so könnten wir den Motor für kurze Zeit abstellen.
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Zwischen Pulau Tanahmasa und Tanahbala, Sumatra
Wir sind am Ende der Fahrrinne zwischen den beiden Inseln und geniessen die malerische Stimmung.
Sikakap auf Pulau Pagai Utara
Sikakap auf Pulau Pagai Utara
Vom kleinen Hafen in Sikakap legt eines dieser riesigen Fischerboote mit den grossen Auslegern ab. Gefischt wird offensichtlich in der Nacht und darum hat das Boot so viele Lampen.
Sikakap auf Pulau Pagai Utara
Sikakap auf Pulau Pagai Utara
Sikakap auf Pulau Pagai Utara in West-Sumatra ist unser letzter Ankerplatz in Indonesien. Von hier wollen wir die 2'500 M lange reise nach Rodrigues starten. Solle es uns der Wind erlauben, werden wir vorher die australische Insel Cocos Keeling anlaufen.


Wir erreichen unsere letzte Destination in Indonesien, das kleine Dorf Sikakap auf Pulau Pagai Utara. Das kleine verschlafene Nest ist die "Hauptstadt" der Insel. Wir brauchen nach beinahe 1'000 Seemeilen unter Motor dringend Treibstoff. Das ist auch der Grund, warum wir Sikakap anlaufen. Unser Problem ist, dass wir bereits ausklariert haben und demzufolge "illegal" an Land gehen würden. Wir kennen Segler, die dadurch erhebliche Probleme mit den indonesischen Behörden bekommen haben. Wir ankern vor dem Dorf und funken den Hafenmeister einige Male an: keine Reaktion. Also fahren wir mit allen unseren Kanister an Land und sehen eine Leiter in der Hafenmauer, welche gerade neben einem Boot der Polizei ist. Wir fragen den anwesenden Polizisten, wo wir hier Diesel bekommen können. Er meint kein Problem und einige der vielen grösseren Kinder nehmen die 10 Kanister in Empfang. Den Diesel gibt es gleich daneben, mit 10'000 Rupiah / Lt. (72 Rappen) nicht gerade günstig, aber wir nehmen das Angebot an. In Indonesien ist der Diesel eine braune Flüssigkeit und wirklich nicht von guter Qualität. Verunreinigter Diesel oder Wasser in diesem ist keine gute Sache für unseren Volvo-Motor. Verstopfte Filter oder die kleinen schwarzen Algen bringen einen Motor zum Stehen.

Nun gut, die Leute sind wie alle Indonesier sehr nett. Sie vergewissern uns, dass alles in Ordnung sei und wir uns keine Sorgen zu machen haben. Zuerst wird ein Fass mit einem Schlauch gelehrt, Um den Diesel aus dem Fass zu kriegen, wird der Diesel mit dem Mund am Schlauch angesaugt. Durch das Vakuum fliesst der Treibstoff dann in einen von unseren Kanister. Am Ende wird das Fass gekippt, der Diesel in einen Kübel geleert und von dort in einen von unseren Behälter abgefüllt. Nach dem wir unsere 200 Liter in den Kanistern haben, helfen uns die Kinder diese in unser Beiboot zu bringen, was wegen der Hafenmauer nicht ganz einfach ist. Sie fahren mit uns zur "NatHape" und haben Freude, unseren Tank zu füllen. Zum Dank erhalten sie die gewünschten T-Shirts ...

Und zu "guter Letzt", den Hafenmeister haben wir nicht zu Gesicht bekommen. Also keine Fragen von ihm und demzufolge sind auch die Probleme für uns ausgeblieben.

Sikakap auf Pulau  Pagai Utara, West-Sumatra
Sikakap auf Pulau Pagai Utara, West-Sumatra
Das kleine, verschlafene Dorf Sikakap ist der ideale Platz um Diesel zu bunkern. Auf dem Bild ist die "Tankstelle" zu sehen, wo die Fässer in die Kanister umgeleert werden.
Eine typische Tankstelle ...
Eine typische Tankstelle ...
Das Tanken von einem Schiff in entlegenen Gebieten ist nicht so einfach. Zuerst muss man den Treibstoff in der gewünschten Menge finden. Dann benötigt man die entsprechenden Behälter in welche der Diesel abgefüllt werden kann.
Eine typische Tankstelle ...
Eine typische Tankstelle ...
Ist keine Tankstelle (für Autos und Mofas) vorhanden, wird der Diesel aus Fässern in die Behälter gefüllt. Diese fahren wir dann zum Schiff und füllen damit unseren Tank. Es kann schon sein, dass man alles in allem eine halbe Tonne schleppen muss.


Diesel ist in Asien sehr günstig, Die Preise liegen zwischen 50 und 75 Rappen / Lt. Aber wenn man mit einem Segelschiff mangels Wind den grössten Teil der Strecke mit dem Motor zurücklegen muss, dann wird es trotzdem teuer. Der Preis selbst ist eine Sache, der Aufwand, um einen Tank mit 650 Liter zu füllen, ist das Andere ...

Wetterlage am 8. Juli 2017, Südwest-Sumatra
Wetterlage am 8. Juli 2017, Südwest-Sumatra
Unser Standort ist der rote Punkt. Auf der Karte sind wir schon längstens in der Zone mit ~20 Kn Wind aus SO. Tatsächlich haben wir keinen Wind und wenn, dann ganz leicht aus Norden.


Wir sind heute, am 8. Juli 2017, um 1 h morgens ungefähr 330 SM vor Cocos Keeling und erreichen diese Insel etwa in zwei Tagen. Mit grosser Verspätung haben wir den SO-Passat erreicht und segeln zwischen 7 und 8 Kn in Richtung Süden. Die Wellen sind enorm, so um 4 bis 5m, und das Boot wird durch die Segel stabilisiert. Das Schlimmste für ein Segelschiff  ist kein Wind, zusammen mit hohen Wellen. In Australien müssen vor dem Einlaufen einige Formalitäten erledigt werden. Den Report an die "Australien Border Force" müsste 90 Stunden im Voraus geschrieben werden und natürlich braucht es ein Visum. Das Visum fordert Xavier, der Neffe von Nathalie, online für uns an. Nathalie kriegt das Visum umgehend, ich stehe auf der Warteliste :-((.

Wir sind 70 SM vor Cocos Keeling und der Wind dreht zu unseren Ungunsten. Da mein Visum nach zwei Tagen immer noch nicht erteilt wurde, entschliessen wir uns, Cocos Keeling nicht anzulaufen und direkt zur 2'050 SM entfernten Insel Rodrigues zu segeln. Die Fahrt dauert rund 11 Tage Etwas später kam die Anfrage der australischen Immigration: "We Need your Full Name and ALL previous old Passport Numbers you have held. and ALL previous travel dates to Australia in your lifetime (please attempt to provide as many arrivals/departures as possible)". Wir haben die alten Passport-Nummern geschickt und nach weiteren zwei Tagen war ich ebenfalls im Besitz eines gültigen australischen Visums ... zu spät für uns. denn wir sind bereits 200 SM von Cocos Keeling, mit Kurs auf Rodrigues, entfernt. Wir segeln um die 8 Kn Durchschnittsgeschwindigkeit, bei schönstem Wetter und etwas rauer See mit sehr hohen Wellen.




Juli 2017 - was macht man auf einer langen Segelreise?

Grundsätzlich läuft das Schiff unter Autopilot, d.h. wir brauchen nicht zu steuern. Wir geben auf dem Computer den gewünschten Wegpunkt ein und der Autopilot steuert exakt auf diesen zu. Oder wir fahren nach dem idealen Windwinkel, wechselt dieser, steuert der Autopilot einen anderen Kurs, damit die Segelstellung erhalten bleibt. Selbst zu steruern wäre auch nicht unbedingt lustig, denn 24 Stunden am Tag den Kurs in Richtung Rodrigues zu halten, ist definitiv langweiligste Schwerstarbeit. Da die Winde, nur durch gelegentliche Regenschauer gestört werden, braucht man auch an der Segelstellung nicht viel zu ändern. Die Segel werden einmal auf optimale Geschwindigkeit eingestellt und dann so belassen. Der "Rede kurzer Sinn" ist: wir haben viel Zeit.

Eine unserer "Hauptbeschäftigung" ist es, die fliegenden Fische, welche unser Deck als Landepiste verwechseln, einzusammeln und wieder über Bord ins Meer zu werfen. Sonst ist alles Routine: man hängt ein bisschen herum, kontrolliert das Schiff, schläft, kocht, isst, liest, schreibt ein wenig an der Webseite und geniesst natürlich die idealen Segelbedingungen zusammen mit dem schönen Wetter.

Die fliegenden Fische ...
Die fliegenden Fische ...
Jeden Morgen finden wir fliegenden Fische, welche dummerweise unser Deck als Landepiste verwechselten.




Juli 2017 - Durch den indischen Ozean nach Rodrigues

Wir sind heute, am Sonntag, den 16. Juli 2017 - auf der Strecke zwischen Cocos Keeling und Rodrigues etwa in der Mitte angelangt. 2'050 Seemeilen beträgt die Distanz zwischen diesen beiden Inseln. Klammert  man die paar Segelboote auf dem 750 SM entfernten Chagos Archipel aus, dann ist von unserem Standort im Radius von ca. 1'800 Kilometer (roter Kreis) keine menschliche Seele anzutreffen. Wir wollen damit sagen, dass man da draussen alleine und von niemanden abhängig unterwegs ist. Es ist faszinierend, wie man nur vom Wind getrieben, in relativ kurzer Zeit, seinen Standort auf einen anderen Kontinent wechseln kann.(Legt man den roten Kreis mit dem Zentrum auf Holland, dann liegt ganz Europa innerhalb des Kreises, nur so zum Vergleich. Ich liebe solche Vergleiche, darum noch einen: Wir sind beinahe angekommen, Rodrigues liegt nur noch 400 SM vor uns. Das entspricht der Distanz von Menton in Süd-Frankreich nach Bizzerte in Tunesien. Dazwischen liegen u.a. die grossen Inseln Korsika und Sardinien. Wir schaffen diese Strecke in etwa 48 Stunden).

Indischer Ozean ...
Indischer Ozean ...
Bei schönstem Wetter und sehr gutem Wind segeln wir mit duhschnittlich 8.5 Kn westwärts.
Indischer Ozean ...
Indischer Ozean ...
Stürmisches Wetter mit hohen Wellen bei unserer Überfahrt. Windgeschwindigkeiten um die 20 bis 30 Kn und Wellen von ca. 5 bis 6 m.




Die "NatHape" in Fahrt

Es ist unmöglich, die Wirklichkeit des Segelns auf einem Film zu bringen. Es fehlen die Geräusche, das Spüren des Windes und die Bewegungen des Schiffes in den Wellen, Auch die Tageszeit spielt eine wesentliche Rolle, denn es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn das Schiff mit voller Fahrt in der mondlosen Nacht unter einem glasklaren Sternenhimmel dem Ziel entgegen steuert, als eine Fahrt am Tag.

Wir hatten teilweise extreme Wellen mit sehr viel Wind und Regen von 180 Grad (hinten). Ohne wasserdichte Kamera ist das Filmen dann unmöglich. Es ist alles nass und der Regen fliegt durch die Windgeschwindigkeit beinahe horizontal in den Steuerstand.





Wir sind in Rodrigues nach 11 Tagen Fahrt für die 2'050 SM lange Strecke angekommen. Das ist die Strecke, seit wir den Kurs von "Coco Keeling" auf "Rodrigues" geändert haben. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug ~7.75 SM per Stunde. Am besten Tag legten wir mit stark reduzierten Segeln 220 SM zurück, was einem Durchschnitt von 9.1 Kn entspricht. Nur einmal waren wir schneller, auf der Strecke von Tonga nach Wallis im Pazifik, da waren es 230 SM innerhalb von 24 Stunden.

Die Super Maramu von Amel ist definitiv ein schnelles Schiff. Spitzengeschwindigkeiten bis 9.5 Kn liegen bei guten Verhältnissen drin.  Es ist ja nicht so, dass wir Rennen gegen die Zeit fahren, aber ein schnelles und modernes Schiff ist gegenüber einer lahmen "Ente" ein absoluter Genuss. Es ist aber nicht nur der Genuss, Geschwindigkeit hat natürlich auch handfeste Vorteile: Man bewältigt z.B. eine Strecke zeitlich schneller und kann dadurch vielleicht schlechtem Wetter entgehen. 400 SM vor Rodrigues schrieb uns unser Freund Dale von Cocos Keeling: "You are still in good spot, weather is bad from behind you all the way to us, your just at the edge, which is great. Yes Jos seemed to have a bad run, besides from yourself I only know one other boat that has had a good trip. One friend got knocked down and dragged warps most of the way, and he dosent exaggerate. Its hard to pick the weather on this route, due to length, luck does play some role ... Theres a smaller french boat behind you that maybe in the middle of the bad weather".

 
(Hier geht es weiter zu Teil 2)