2017 - Mai, Reise nach Südafrika


8. Juni 2017 - Bye bye Malaysia, bye bye Asia

Seit 2011 bereisen wir Asien. Obwohl jede Reise immer viel zu kurz ist, kommt irgendeinmal der Zeitpunkt, an dem man weiterziehen möchte. Nachdem wir uns mit Unterbrüchen sechs Jahre in Südostasien aufgehalten haben, haben wir uns entschlossen, nach Südafrika zu segeln. Wir werden von Langkawi nach Pulau Weh, im Norden von Sumatra segeln. Von dort geht es weiter nach Rodrigues, Mauritius, Reunion, Madagaskar und dann Südafrika.

Die gesamte Reise beträgt etwa 6'500 Seemeilen oder rund 12'000 km. Das wiederum entspricht ungefähr der Distanz von Paris nach New York UND wieder zurück nach Paris...

Vom Juni bis November ist der Indische Ozean frei von Cyclons und anderen schweren Stürmen. In der Regel bläst der vorwiegend aus Osten kommende Wind in diesem Zeitraum 20 bis 25 kn, d.h. um die 40 km/h, also ideale Verhältnisse um zügig diese grossen Distanzen zu bewältigen.

Telaga Harbour, Langkawi in Malaysia
Telaga Harbour, Langkawi in Malaysia
Auftanken vor der grossen Fahrt. Nirgends auf unserer Reise war der Diesel billiger als in Malaysia. Um die 50 Rappen kostet der Liter. Aber trotzdem ist es nicht so günstig wie es scheint, denn in diesen windarmen Gebieten benutzt man den Motor mangels Wind zu häufig. Wir sind zurzeit rund 120 SM westlich von Langkawi und trotz akzeptablen Windprognosen herrscht absolute totale Flaute.
Typische Windrichtung und -geschwindigkeit im Juli im Indischen Ozean
Typische Windrichtung und -geschwindigkeit im Juli im Indischen Ozean
Idealer, aber starker Wind zwischen 20 und 30 Kn herrscht in den Monaten Juni bis November im Indischen Ozean. Die anderen Monate kann dieser Ozean wegen den starken Stürmen nicht von einem Segelschiff befahren werden.



Unser alter Radar lässt uns im Stich ...

Abreiseverzögerung durch unser defektes Radar:
Unser im Jahr 2008 eingebautes Radar von Raymarine gab den Geist auf. Nachdem wir bereits ein Anzeigegerät ersetzt hatten, entschlossen wir uns, nicht weiteres Geld in die alte Anlage zu investieren und uns ein neues Radar zuzulegen. Ein Radar ist ein sehr hilfreiches Navigationsinstrument, vor allem nachts und wir wollten nicht darauf verzichten. Eingebaut haben wir das Broadband 3G Radar von Lowrance. Für dieses Radar wird kein Anzeigegerät mehr benötigt, man schliesst es direkt am Computer an. Dann kann man sich das Bild im Navigationsprogramm OpenCPN anzeigen lassen. Zudem ist es möglich, das Radarbild überlappend auf der Karte zu sehen. Ein weiterer grosser Vorteil dieses Radartyps ist, dass er keine Vorlaufzeit zum Aufwärmen benötig. Man stellt das Gerät an und hat dann unmittelbar das Bild. Die Qualität ist vor allem im Nahbereich hervorragend.

Für technisch Interessierte: Installiert haben wir das Broadband 3G Radar und das mitgelieferte RJ45 Antennenkabel an einem Netgear GS 105v5 angeschlossen. Von diesem Gerät geht ein weiteres RJ45 Kabel direkt in den Anschluss beim Computer. Wir haben keinen "Heading Sensor" und kein RI10 oder RI11 installiert. Damit der "Overlay" des Radars auf der Karte funktioniert, muss im BR24 Plugin von OpenCPN "Enable COG as Heading" markiert sein. Hat man kein COG (wenn man nicht fährt), dann wird das "Overlay" nicht korrekt angezeigt. Noch eine kleine Anmerkung: Zuerst dachte ich, dass das Uebertragen der Radardaten auf die Karte nicht wirklich notwendig ist. Nach einigen Stunden Praxis am neuen Radar bin ich zur Meinung gelangt, dass diese Funktion das Beste an der Anlage ist. Es vereinfacht die Navigation ganz extrem und jede Situation wird unmittelbar klar dargestellt. Wer noch weiter in die Tiefe gehen will, findet hier in OpenCPN eine ausgezeichnete Beschreibung.

Radarbild auf dem Navigationscomputer
Radarbild auf dem Navigationscomputer
Das Radarbild wird direkt neben der Karte angezeigt. Es ist ebenfalls möglich, das Bild zusätzlich überlappend auf der Karte anzuzeigen





Der Motor streikt ...

Es ist morgen um 4 Uhr und wir sind etwa 100 SM vor Pulau Weh, der nördlichsten Insel von Indonesien. Das tatsächliche Wetter im Vergleich zur Vorhersage stimmt nicht. Anstelle des angesagten Wind aus Süden gibt es meistens Wind aus dem Western, also unserer Fahrtrichtung. So fahren wir den grössten Teil unter Motor und verbrauchen einige Kanister vom billigen Diesel aus Malaysia. Zwischendurch gibt es kurze Momente, bei denen wir Die Segel setzen können. Als wir morgens früh, inmitten des Schiffsverkehr den Motor wieder starten wollen, weigert er sich anzuspringen, der Anlasser gibt nur ein kurzes Geräusch von sich. Kein Wind und kein Motor, aber viele Frachter um uns herum, das macht uns etwas nervös, vor allem auch, weil wir uns quer zur Fahrrinne dieser grossen Schiffe bewegen. Sollte der Anlasser kaputt sein, können wir den Motor mangels Ersatzteil nicht starten. Um herauszufinden ob die Batterie leer ist, messen wir sie. 13.6 Volt sieht gut aus, also starten wir den Generator, welcher an derselben Batterie angeschlossen ist. Er startet sofort. Bei laufendem Generator versuchen wir den Motor zu starten, hatten aber kein Glück. Also ist der Anlasser defekt. Da man in einer solchen Situation nichts unversucht lassen soll, überbrücken wir die Starterbatterie mit einer unserer Servicebatterie und versuchen es nochmals. Und ... der Motor springt ohne Probleme an, also ist die Batterie defekt. Warum startet dann der Generator? Alles ein bisschen unlogisch, aber wir sind sehr erleichtert und wieder manövrierfähig.

In Pulau Weh werden wir den Anlasser ausbauen und ihm einen kleinen Service gönnen. Ebenfalls wollen wir die Starterbatterie ersetzen. Soweit eine kleine Episode aus unserem Seglerleben :-)).

Viel Verkehr am Ende der Malacca strait
Viel Verkehr am Ende der Malacca strait
Zwischen Sumatra (Indonesien) und Malaysia wird ein Grossteil der Handelswaren von und nach China transportiert.
Frachter, 300 m lang, Geschwindigkeit 18,2 Kn
Frachter, 300 m lang, Geschwindigkeit 18,2 Kn
Viele Frachter fahren an uns in beiden Richtungen vorbei. Auch wenn der Motor ausfällt und man mangels Wind dahintreibt, ist das eigentlich nicht gefährlich. Die Frachter haben uns dank AIS auf dem Bildschirm und sie sehen unsere Geschwindigkeit und auch unsere Fahrtrichtung. Das Problem bei einer Panne ist nur, dass man selber keine Möglichkeiten hat und man sich auf andere Personen verlassen muss (ähnlich wie beim Fliegen, man gibt die gesamte Verantwortung in die Hände des Piloten :-))


Nächtliche Ankunft in Sabang Harbour, Pulau Weh und ein Vergleich mit dem uns zur Verfügung stehenden Kartenmaterial ...

Der Wind hat rund 15 SM östlich von Pulau Weh auf rund 25 Kn zugenommen. Das haben wir erwartet und zur Rehabilitierung der Wetterfrösche wurde das auch vorhergesagt. Dieser Wind "pfeift" hier während der gesamten Zeit des Südwest-Monsoon, ist also nicht so schwer vorherzusagen :-). Dadurch verringert sich unsere Geschwindigkeit auf unter 4 Kn und wir werden definitiv in der Nacht in den Hafen von Sabang einlaufen. Geschieht so eine nächtliche Einfahrt das erste Mal, macht man das als Segler nicht gerne und man würde eigentlich irgendwo, an einem ruhigen Ort, bis am nächsten Morgen, beidrehen (sich treiben lassen). Ein ruhiger Ort gibt es hier zurzeit nicht und wir entschliessen uns, dank des guten Kartenmaterials von iSailor und des Träcks (Schiffsspur) von unserem Freund Dale (SY "Sukha"), auch bei Finsternis, in die Bucht einzulaufen. Das klappte auch absolut ohne Probleme, zumal im Gebiet von Sebang der zuvor sehr starke Wind total eingeschlafen ist.

Transas-Karten von ISailor
Transas-Karten von ISailor
Karte mit sehr detaillierten Angaben und mit korrekter Position. Zudem kann man Standard-Tracks im Format GPX einlesen. Ohne diese Karte und den Track wären wir hier nicht in der Nacht eingelaufen.
Karte von CM93 2005
Karte von CM93 2005
Die Karte von CM93 aus de Jahre 2005 kann man vergessen. Da manövriert man besser mit einer Autokarte oder mit einem aufblasbaren Globus, denn damit hätte man wenigstens noch ein paar Angaben vom Land. Es ist ein Witz, dass solche Karten verkauft werden, also ein absoluter "No-Go"... (Der Gerechtgikeitshalber muss man erwähnen, dass die Karten von CM93 aus dem Jahre 2009 etwa dem Detaillierungsgrad von den Navionics Charts entsprechen).
Karte von Navionics
Karte von Navionics
Die Details der Karte von Navionics sind so "ola-la", Die Karte ist verschoben. Bei Navonics haben wir es nicht geschafft, einen Track im GPX-Format einzulesen. Also ohne einen guten Track und nicht wissend, wo der Ankerplatz ist, hätten wir bis zum nächsten morgen, unter sehr ungemütlichen Konditionen, draussen gewartet.


Am nächsten Morgen in Sabang, Pulau Weh

Wir sehen bei Tageslicht, dass wir in der Nacht den idealen Ankerplatz gefunden haben. Die Wartezeit auf die Behörden, nutzen wir, um das Boot zu entsalzen und uns mit dem Feldstecher die Umgebung anzuschauen. Solange die Behörden nicht an Bord waren und die Einreise genehmigt haben, darf man nicht an Land. Die einen Länder haben da strenge Regeln, die andern sind weniger restriktiv.

Indonesien ist sicher das Land mit den meisten Millionären, denn 1'000'000 indonesische Rupia entsprechen 72.50 Franken. Auch wenn das durchschnittliche Einkommen der Indonesier gering ist, ein paar Millionen wird es trotzdem sein. 5'000 Rupia tönt nach viel Geld und wir haben vor Jahren auch einmal versehentlich, wegen den vielen Nullen, reklamiert, dass dieser Betrag für eine grosse Wasserflasche viel zu teuer sei (36 Rappen).

Pulau Weh liegt in der Aceh Region und in Aceh herrschen die Scharia Gesetze. Sabang ist mit etwa 30'000 Einwohner die "Hauptstadt" von Pulau Weh und hat wirklich sehr viel Charme. Es ist schade, dass zur Zeit Ramadan ist, denn bei diesen Festtagen sind die vielen Cafés und Restaurants während des Tages geschlossen. Die Einwohner der kleinen Stadt sind ausserordentlich freundlich, ein spontanes Lachen und etwas "Small Talk" vom "Gegenüber" gibt es immer und überall. Wir fühlen uns hier sehr willkommen und geniessen den Aufenthalt am nördlichsten Punkt von Indonesien sehr.

Eine von mehreren Moscheen in Sabang
Eine von mehreren Moscheen in Sabang
Es ist zur Zeit Ramadan und d.h. dass uns die Lautsprecher der Moscheen mehrmals in der Nacht auf diese Feiertage aufmerksam machen. Da es in Sabang mehrere Moscheen gibt, hört es sich an wie ein Kanon-Lied...
Werft in Sabang
Werft in Sabang
Wir warten auf den Harbour Master, die Beamten der Immigration, des Zolls und der Quarantäne. Um uns die Zeit zu vertreiben, schauen wir uns mit dem Feldstecher die Bucht an. Und wir entdecken, dass da eine schwere Fähre auf dem Land steht.
Tanken in Sabang
Tanken in Sabang
145 Liter Diesel haben wir für die Überfahrt verbraucht, Da das Tanken hier einfach ist, fahren wir mit unseren 7 Kanistern an Land und organisieren uns eine "Becak". Unser Fahrer heisst "Bang Bang" und fährt uns überall hin, wo wir wollen. Am gleichen Tag haben wir uns auch die neue Starter-Batterie gekauft und die Wäsche in die Wäscherei gebracht...
Sabang, die kleine "Hauptstadt" von Pulau Weh
Sabang, die kleine "Hauptstadt" von Pulau Weh
Wir sind zu dem 'Sabang Hill Viewpoint' gefahren und schauen in Richtung Süden. Gestern haben wir wegen den zu erwartenden starken Winden unser Schiff hinter die vorgelagerte Pulau Klah verlegt.
Einkaufen am Markt im Zentrum von Sabang
Einkaufen am Markt im Zentrum von Sabang
Es gibt hier einen kleinen hübschen Markt. Wir benutzen die Gelegenheit und gehen einkaufen. Die Leute hier sind alles andere als zurückhaltend. Sie lieben es, wenn wir sie mit uns fotografieren und ihnen die Bilder nachher zeigen.
Die Hühner von Sabang :-))
Die Hühner von Sabang :-))
Man kann hier, trotz Scharia und Ramandan, viel Spass haben! Nathalie ist vor ein paar Tagen an Land gestolpert und hat sich am linken Oberarm einen schmerzhaften Knochenriss zugezogen. Der Arm ist in einer Armbinde unter der Bluse. Zwei Ärzte und eine Ärztin haben Nathalie im lokalen Spital untersucht und gekostet hat uns das genau 7 Franken, inkl. der Röntgenaufnahmen.
Bei unserem "Becak"-Fahrer "Bang Bang" zu Hause
Bei unserem "Becak"-Fahrer "Bang Bang" zu Hause
Anlässlich eines Spazierganges durch die Stadt trafen wir unseren "Becak"-Fahrer "Bang Bang". Er lädt uns zu sich nach Hause zu einem Café Latte ein. Eine der Töchter malt eine Henna-Tattoo auf Nathalies Hand.
Im Haus von "Bang Bang"
Im Haus von "Bang Bang"
"Unser" Fahrer stellt uns seine Familie vor, drei Mädchen und seine Frau. Da niemand Englisch spricht, verständigen wir uns relativ gut über Google-Translate.
Eine der Moscheen in Sabang
Eine der Moscheen in Sabang
Es gibt vielleicht fünf Moscheen in Sabang. Wir sind in der Bucht für das Hören aller über Lautsprecher zum Himmel gesandten Gebete von allen Moscheen sehr gut platziert.
Rückfahrt zu unserem Beiboot
Rückfahrt zu unserem Beiboot
"Bang Bang" fährt mich zum Beiboot und Nathalie, wegen dem verletzten Arm und der recht unruhigen See, in die Nähe des Schiffes, ca 3 km entfernt. Eine Bezahlung für die Fahrt wird nicht angenommen, es war eine Einladung...