2017 - Oktober, von Madagaskar nach Südafrika


Oktober 2017 - von Madagaskar nach Südafrika

Wir haben in Hellville alle unsere Behördengänge erledigt. Besucht haben wir nur die Immigration (Kosten: 40'000 Ariary) und den Port Captan (Kosten: 35'000 Ariary). Andere Behördenbesuche waren nicht notwendig :-)) ...

Nun sind wir an der Nordwestküste von Madagaskar unterwegs nach Süden und warten auf einen guten Zeitpunkt zum Überqueren des Mozambique-Channels. Die Möglichkeit vom Ausklarieren in Majunga haben wir verworfen, da es dort in der Vergangenheit einige Übergriffe auf Segelboote gegeben hat und wir zurzeit alleine unterwegs sind. Der zweite Grund ist, dass wir von überall an der Nordwestküste Madagaskar in Richtung nach Südafrika verlassen können. Das Problem ist nur, dass wir Internetempfang benötigen, um die aktuellen Wetterberichte laden zu können, welche die Grundlage der Überfahrt sind.
Unterwegs an der Nordwestküste von Madagaskar
Unterwegs an der Nordwestküste von Madagaskar
Überall sehen wir diese wunderschönen Segelboote, mit welchen hier die meisten Güter transportiert werden. Sie sind die „Lastwagen“ von Madagaskar.
Nordwestkste von Madagaskar
Nordwestkste von Madagaskar
Die Strecke von Nosy Be zur Baly Bay beträgt ungefähr 250 Seemeilen. Von der Baly Bay aus wollen wir den "Mozambique Kanal" durchqueren und nach Afrika übersetzen. Früh morgens kommt der Wind immer aus SO und wechselt dann regelmässig zwischen 9 und 11 Uhr auf Südwest.
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
Wir sind alleine unterwegs und geniessen das ganz klare und saubere Wasser zusammen mit den vielen kleinen Inseln.
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
In der "Nosy Iranja" schwimmen viele Schildkröten. Sobald sie uns bemerken, tauchen sie weg.
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
Der Süd- und Nordteil der Insel wird durch eine Sandbank verbunden, welche bei Flut unter dem Wasser verschwindet.
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
Nosy Iranja, Nordwestküste von Madagaskar
Hat man eine Fischerrute am Schiff, ist es unmöglich zu verhungern. Wir fangen einen kleinen Thuna.
Zwischen Pointe Berangomaina und Nosy Valiha
Zwischen Pointe Berangomaina und Nosy Valiha
Bei der Navigation muss man ausserordentlich vorsichtig sein und hat am besten verschiedenes Kartenmaterial zur Hand. Trotz aller Vorsicht überfahren wir 5.5m Tiefe anstelle der auf der Karte angezeigten 25m. Wir fuhren diese Strecke bei Hochwasser, welches hier + 4m ist. 5.5m minus 4m ergibt 1.5m was für uns bei Tiefwasser leider nicht reichen würde!
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Wir Ankern im Nordwesten dieser einsamen Bucht auf der Position 14 53.40S und 47 20.57E in 5m tiefem Wasser. „NatHape“ ist das einzige Schiff weit und breit. Es gibt in dieser grossen Bucht einige Dörfer und wir sehen ab und zu eines dieser schönen Segelboote der Einheimischen oder ein Kanu die Bucht überqueren.
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Wir sehen das erstemal die faszinierenden Baobabs oder Affenbrotbäume. Sie bestechen durch ihre Grösse und die Tatsache, dass sie die meiste Zeit des Jahres keine Blätter haben. Sie sind Überlebenskünstler in sehr heissen und trockenen Gebieten mit wenig Niederschlag.
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Wir fahren mit dem Beiboot an einer Naturbrücke vorbei. Darüber sind sehr groteske Steinformationen zu sehen. Wie sind sie entstanden? Wir haben keine Ahnung, vielleicht sind sie vulkanischen Ursprungs.
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Moramba Bay, im Nordwesten von Madagaskar
Die Baobab haben kein Holz und verfügen auch nicht über die für Bäume in unseren Breitengraden typischen Jahresringe. Ihr Alter lässt sich nur schwer bestimmen. Bei den wirklich grossen Exemplaren geht man davon aus, dass sie mehrere 100 bis 1000 Jahre und älter sind. Baobabs werden zwischen 25 und 30 Meter hoch und die ganz Grossen erreichen einen Umfang von über 40 Metern.




2017 - Oktober, Durchqueren des Kanals von Mozambique


Oktober 2017 - Durchqueren des Kanals von Mozambique

Heute morgen, am 15. Oktober 2017, haben wir Madagaskar verlassen und Kurs auf Mozambique genommen. Unser erstes Ziel ist die Insel Bazaruto.an der Ostküste von Mosambique.

Bazaruto in Mozambique ist nicht ganz einfach zu erreichen. 1) wechselt der Wind im Kanal permanent, 2) da sind viele starke Strömungen auf dem Weg und 3) die Wetterprognosen sind wegen der stark wechselnden Richtungen vielfach einfach falsch. 4) Man darf nicht in einen SW oder S-Wind geraten, da diese meistens Sturmstärke haben und demzufolge hat man dann als einzige Möglichkeit nur die, nach Norden, also 180 Grad weg vom Ziel, abzudrehen.

Auch die nachfolgende Strecke, rund um Südafrika bis Cape Town ist sehr schwierig, zumal vor etwa 2 Wochen der Hafen von Durban und die darin befindlichen Schiffe bei einem Storm so schwer beschädigt wurden (Link), dass dadurch die Aufräumarbeiten bis Ende Jahr dauern und der Hafen demzufolge für die Schiffsfahrt gesperrt ist. D.h. für uns gibt es von Richards Bay nach East London eine zweite lange Strecke von ungefähr 360 SM zu bewältigen.

Für den ersten Teil des Weges nach Mozambique haben wir zwei Routen, die nördliche von uns und die südliche von Des, einem Segler, welcher diese Strecke schon sieben Mal gefahren ist. Wir entscheiden uns, diejenige Route zu bevorzugen, welche wir auch segeln können. Zurzeit, vier Stunden nach unserer Abreise, weht der Wind aus leicht (7 Kn) NW, anstelle des prognostizierten Windes aus SSW. Nach der Wetterprognose hätten wir die nördliche gewählt, gemäss dem tatsächlichen leichten Wind aus SSW „motorsegeln“ wir auf der südlichen Route.

Unsere möglichen Routen Nach Mozambique ...
Unsere möglichen Routen Nach Mozambique ...
Die Karte zeigt unsere möglichen Routen von Madagaskar nach Bazaruto in Mozambique. Die rote westliche Route berücksichtigt mehr die Strömung, während die untere, grüne Route mehr den Wind berücksichtigt. Wir haben die Wahl und entscheiden uns für diejenige Route, welche wir segeln können.
Wir verlassen heute um 6 Uhr Madagaskar ...
Wir verlassen heute um 6 Uhr Madagaskar ...
Hinter uns die Insel Makamby, bei welcher wir die letzte Nacht geankert hatten. Widererwarten war der Ankerplatz vom Feinsten und wir hatten eine sehr ruhige Nacht bei 25 Kn Wind aus SW (Position 15 42.88 S & 45 54.75 E).



Am ersten Tag unserer Überfahrt durch den Kanal von Madagaskar (Sonntag, 15. Oktober 2017), nach Mozambique hatten wir sehr schwachen Leichtwind. Wir versuchten nach Möglichkeit zu segeln. Der Wind war so schwach, dass die normalen Segel einfach am Mast herunter hingen. Darum montierten wir beide uns zur Verfügung stehenden Leichtwindsegel und waren froh, das Schiff durch die „Kraft“ des Windes zu bewegen, obwohl 40 Grad in die falsche Richtung, d.h. direkt in die „Baly Bay“ hinein.

In der Nacht umrundeten wir das Cap Saint Ander, ein anderes gefürchtetes Gebiet an der Westküste von Madagaskar, mangels Wind mit Hilfe des Motors. Während wir uns hier freuen, dass wir manchmal sogar in die falsche Richtung segeln können, warten unsere Freunde am „Cap Bazarute“ in Mozambique seit beinahe zwei Wochen auf weniger Wind, um weiterreisen zu können. Sie wollen via Maputo nach Richards Bay segeln. Geplant ist die Abreise für Donnerstag den 19 Oktober. Dies wäre etwa unser geschätztes Ankunftsdatum am Cap "Bazarute" und wenn das klappt, dann können wir ohne Wartezeiten in Mozambique in Richtung Südafrika weiter ziehen.

Einige Zeit später setzte der Wind mit um die 20 Kn. ein. Wir segelten absolut optimal, Und ... sogar in die richtige Richtung. Eine Strömung von NW nach SO, reduzierte unsere Geschwindigkeit ein Kleinwenig.

Wir haben uns entschieden, die südliche und direkte Route zu nehmen, da diese uns von den Windverhältnissen her gesehen günstig erschien. Des (Name des Seglers) von der SY "Gambit" hat diese Strecke schon mehrmals bewältigt und er bestätigte unsere Meinung. Betreffend dem Thema Strömung schrieb er: "The current question is debatable. All the current predictive algorithms are based on water temp/infra red satellite images and except for the main Moz current is bit of an urban legend as they are extremely difficult to pin down and as in the Gulf Stream pop up and disappear at random. Experience shows that to pursue them at the expense of reduced SOG is not worth it. Once in the Moz current 100-120nm off the coast the whole issue becomes academic".

Wir segeln absolut optimal, was für diese schwierige Strecke sehr ungewöhnlich ist. Morgen Donnerstag (19.10.) fahren wir am Cap "Bazarute" vorbei. Da die Bedingungen weiterhing sehr günstig sind, können wir direkt zur Richards Bay segeln. Eine Gruppe von sechs Schiffen ankert seit 12 Tagen hinter Bazaruto um sich vor den Starkwinden zu schützen. Sie verlassen morgen ihren Ankerplatz und segeln ebenfalls direkt nach Richards Bay in Südafrika. Des schrieb uns: "I don’t know what you did in your previous lives but the weather gods seem to have a special place for you. The latest gribs show a clear window all the way to Rbay and unless you have a burning desire to expose yourself to corruption and crime personified in Mozambique you can give it a miss!. You ETA Bazaruto based on latest positions indicate that you would arrive at 21S37E approximately when the crowd from Bazaruto are ready to leave at 1200UTC tomorrow 20/10. I would recommend you get into the current and stay +-30nm off shore and close on the coast south of Inhambane at Pta D’Zavora and then head straight for Jesser Pt Sodwana Bay (27S32E)".  Wie heisst es so schön? "Wenn Engel reisen, dann scheint die Sonne" :-)).

Der Agulhasstrom ist eine Meeresströmung im südwestlichen Indischen Ozean. Er fliesst entlang der Ostküste Afrikas nach Süden, von etwa 27°S bis 40°S,  rund 5 SM von der Ostküste von Mozambique und Südafrika entfernt. Dieser Strom und die zusätzlichen 25 Kn Wind vom Norden transportierten unser Schiff zwischen 10 und 12.5 Kn zur Richards Bay in rund 80 SM Entfernung.  Dies war unsere schnellste Fahrt aller Zeiten und wir denken, wir können diese auf unserem Weg nach Cape Town vielleicht noch etwas überschreiten :-)).

Wir sind um 23h vor der Hafeneinfahrt in Richards Bay eingetroffen und wurden von der Hafen Kapitänerie gebeten, wegen eines auslaufenden Schiffes etwas zu warten und wieder ein Kleinwenig nach Norden zurückzufahren, gegen Wind und gegen eine etwas schwächere Strömung. Wir bekamen dabei eine Demonstration von den Naturgesetzen: Es war uns beinahe unmöglich zurückzufahren und wir hatten die allergrösste Mühe, das Schiff eine Meile nach Norden zu bewegen. Das Problem an der Ostküste Südafrikas ist, dass das schlechte Wetter mit stürmischen Winden vom Süden, der Agulhas-Strömung entgegen läuft. Dadurch entstehen hier die sehr grossen Wellen bis zu 20 oder mehr Meter Höhe. Verpasst man einen schützenden Ankerplatz auf der Fahrt nach Süden und ein Sturmtief kommt einem entgegen, sitzt man in der Falle, denn umkehren ist nicht möglich.

Wir hatten die Besten aller Bedingungen, Strömung und Wind in derselben Richtung. Dadurch war die Fahrt etwas vom Feinsten, und beim zusätzlich schönstem Wetter ein absoluter Genuss.



Wir versuchen zu Segeln :-))
Wir versuchen zu Segeln :-))
Die Reise ist lange und wir wollen nicht unseren Dieseltank zu früh leerfahren. Also versuchen wir mit allen Möglichkeiten zu segeln.
Agulhas Strömung an der Ostküste von Südafrika
Agulhas Strömung an der Ostküste von Südafrika
Wir sind auf Position 27 59S und 032 40E, die Sonne scheint, die Küste von Mozambique mit den langgezogenen Sandstränden ist recht von uns, der Wind kommt mit rund 25 Kn von Nordosten und wir fahren dank der Agulhas-Strömung zwischen 10 und 12.5 Kn im Durchschnitt in südlicher Richtung unserem Ziel, Richards Bay in Südafrika, entgegen.