2013 - Juni, Brunei



Wir haben einiges über Brunei gelesen und von dem unermesslichen Reichtum des Sultans gehört. Wir setzten die Messlatte für unseren Besuch dort hoch und dachten. Brunei sei vielleicht eine Mischung zwischen Monaco, Amritsar und einem Miniatur-Dubai. Weit gefehlt, man kann die Messlatte getrost auf den Boden liegen lassen, nichts erfüllt das was wir dachten. Unser - zugegebener weise subjektiver - Eindruck war nicht überwältigend und was wir sahen entsprach nicht annähernd den zuvor im Internet gelesenen Reisebeschreibungen. Wir fahren in die Hauptstadt "Bandar Seri Begawan". Unser kleines Auto mit seit Jahren ausgeleierten Stossdämpfer mag die schlechte Strasse gar nicht und mehr als 70 km/h liegen bei den kurzen, bandscheibenschädigenden Bodenwellen "nicht drin". In der Stadt angekommen fahren wir zur "Omar-Ali-Saifuddin-Moschee" und spazieren um sie herum. Trotz der auserwählten Baumaterialen scheint uns die Moschee ziemlich verlottert. Das Wort "Unterhalt" fehlt in diesem Teil der Welt im Wörterbuch. Gebaut wird wie wahnsinnig, aber der Zerfall ist überall bereits vor der Fertigstellung der Bauten sichtbar. Vielleicht liegt es an der Bauqualität oder am tropischen Klima ... oder an beidem. Trotzdem, von Weitem sieht die Moschee super gut aus und ein Parkhaus für die Fotos wurde auch an idealer Stelle gebaut. Wir konnten sogar im leestehenden Gebäude in die 15. Etage fahren, bevor uns ein Securitas auffordert, wieder nach unten zu gehen. Ein tropischer Regentag macht es uns dann aber unmöglich weitere Bilder zu schiessen. Vielleicht auch wegen dem Regen schien uns Bandar Seri Begawan mit seinen kitschigen Prunkbauten trostlos und am Nachmittag führen wir dann zurück nach Miri.

Beim Sultan gibt es alles in "Superlative", diese fängt bereits bei seinem Namen an: "Kebawah Duli Yang Maha Mulia Paduka Seri Baginda Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu'izzaddin Waddaulah Ibni Almarhum Sultan Omar Ali Saifuddien Sa'adul Khairi Waddien" heisst er mit vollem Namen. Bei den Autos ist es dasselbe, er benötigt für die von seinem Bruder gekauften Autos eine Stellfläche, welche so gross ist wie neun Fussballfelder zusammen. Strassen zum Ein- und Ausparken sind dabei allerdings noch nicht eingerechnet. Insgesamt verfügt er über 3.809 Fahrzeuge, darunter 241 Rolls-Royce (der  Silver Spur II muss ihm sehr gefallen, denn von diesem Modell hat er 41 Exemplare), 233 Porsches, 11 Maserati, 56 Lamborghini, 215 Jaguar, 331 Ferraris, 271 BMWs, 446 Bentleys und 1016 Mercedes Benz. Der Sultan residiert im grössten und protzigsten Palast der Welt, zu dem auch eine Rennstrecke gehört, damit er seiner grossen Leidenschaft frönen kann. Fast 1'800 Zimmer, davon 300 Badezimmer und nicht wenige Swimmingpools gehören ebenfalls zu seiner Behausung. Des Weiteren ist er und sein Bruder auf eine 142 Meter lange Yacht und mehrere Privatjets stolz, in denen der Reitsportfreak sogar Pferdeställe unterbringen kann. Die Yacht hört auf den Namen "Tits", die beiden Beiboote heissen "Nipple 1" und "Nipple 2" ... Mehr über den Sultan und seinen Clan kann man hier und hier nachlesen ... Was auf "Tits" vielleicht opportun ist, darauf sollte man an Land in Brunei verzichten: "Händchenhalten" ist nicht gerne gesehen. Für "Schmusen" geht man bereits ins Gefängnis und Homosexuelle bekommen noch ein paar Stockschläge oben drauf. Brunei ist streng moslemisch, ab 18 Uhr ist alles geschlossen, Alkohol gibt es keinen. Die Familie des Sultans wacht streng über die Sitten ihrer 385'000 Untertanen, welche im Gegenzug keine Steuern und nichts für die Ausbildung bezahlen müssen, und die Dienstleistungen des Gesundheitswesen erhalten sie ebenfalls kostenlos.

Wie bei den Eliten üblich, protzen, protzen, protzen. Der eine reist (u.a.!) mit seinem Spital und 30 Limousinen nach Berlin um ein paar leere Worthülsen in einem Glaskasten, bewacht von 8'000 Polizisten, von sich zu geben, beim anderen ist die Protzerei so offensichtlich, dass sich alle französischen "Louis-Toujour-Könige" für ihren "sparsamen" Feudalismus beinahe schämen müssten. Aber was soll's, das Geld muss raus. Vielleicht ist es ja gescheiter,  für ein paar Millionen ein harmloses Schiffchen, mit dem dazu gehörendem künstlichen See um eine Moschee herum zu bauen, als dass man vor jeder Küste seine enorme Kriegsflotte aufkreuzen lässt, um fremde Länder zu "demokratisieren" ...

Moschee Sultan Omar Ali Saifuddin
Moschee Sultan Omar Ali Saifuddin
Die Moschee Sultan Omar Ali Saifuddin mit dem kitschigen Schiff im künstlichen Teich ist eine der königlichen Moscheen ...
Die Moschee Sultan Omar Ali Saifuddin mit dem kitschigen Schiff im künstlichen Teich ist eine der königlichen Moscheen ...
... in der Hauptstadt von Brunei, Bandar Seri Begawan. Sie gilt als Wahrzeichen der Stadt und des ganzen Landes.
... in der Hauptstadt von Brunei, Bandar Seri Begawan. Sie gilt als Wahrzeichen der Stadt und des ganzen Landes.
Auf dem Weg zur Moschee?
Auf dem Weg zur Moschee?
Kampung Ajer, oder das Venedig von Asien ...
Kampung Ajer, oder das Venedig von Asien ...
Die Geld-Maschine ... ein Öl- oder Gas-Rigg an der Küste von Brunei. Es gibt sehr viele davon ...
Die Geld-Maschine ... ein Öl- oder Gas-Rigg an der Küste von Brunei. Es gibt sehr viele davon ...



Wir sind unterwegs nach LABUAN, einer steuerfreien, malaysischen Insel vor Brunei gelegen. Auf unserer Fahrt entlang der Küste von Brunei wurden wir von bestem Wind begleitet. Am Abend, mit dem letzten Licht der Dämmerung ankerten wir im privaten Hafen des Prinzen Jeffry auf Position 04 57.2144 N und 114 48.5318 E und verbrachten bei auflandigem Wind, geschützt von den enorm langen Hafenmauern, eine ruhige Nacht. Man sieht, auch adelige Infrastruktur von Prinzen kann für uns sehr nützlich sein. Am morgen früh schlichen wir von "Dannen" und setzten wir unsere Reise fort ...

Der private Hafen des Prinzen Jeffry auf Position 04 57.2144 N und 114 48.5318 E.
Der private Hafen des Prinzen Jeffry auf Position 04 57.2144 N und 114 48.5318 E.