2010.05 - Vanuatu, Teil 1
 
 

🌎 Zusammenfassung der Reise durch Vanuatu

Zusammenfassung unserer Reisen durch Vanuatu

 

2010 - Unsere 1 Reise, drei Etappen voller Magie 



Teil 1: Feuer, Tradition & stürmische See

Inselabenteuer zwischen Vulkanen und Kava-Ritualen 

 

Mai 2010 - Tanna Island: 

 

Mai 2010 - Efate: 

 

Juni 2010 - Epi & Pentecost: 



Teil 2: Geheimnisse & versunkene Welten

Von Vulkaninseln, Kriegsrelikten und Dschungelabenteuern


Juni 2010 - Ambrym & Espiritu Santo:

  • Ranon, Ambrym: Schwarze Magie und brodelnde Vulkane 
  • Espiritu Santo: Traumstrände und türkisblaue Grotten
  • Luganville: Wo Geschichte auf dem Meeresgrund liegtAese Island: Das versunkene Erbe des Pazifikkriegs

 

Juli 2010 - Aese, Maewo & Malekula:

  • Aese Island: Das versunkene Erbe des Pazifikkriegs 
  • Maewo Island: Wo der Dschungel das Kommando übernimmt
  • Malekula: Südseezauber zwischen Traumankern und Kava-Ritualen
  • Port Vilas Kiwanis Horse Race: Champagner, Hüte & Jeans-Jockeys


Teil 3: Rückkehr & Abschied 

Wo die Zeit stillsteht und die Seele nachhallt

 

August 2010 - Tannas letzter Zauber:



2011 - Unsere zweite Reise


Juni 2011 - Aufbruch in ein neues Abenteuer



2010.05 - Tanna-Island, Port Resolution 

Asche, Abenteuer und Captain Cooks Erbe 

Gerade mal drei Tage brauchten wir von Fiji bis nach Tanna, einer der wildromantischen Südinseln Vanuatus. Als wir morgens um sechs Uhr in der Port Resolution vor Anker gingen, lag die Bucht noch im zarten Licht der Dämmerung - genau wie damals, als Captain James Cook hier 1774 mit seiner HMS Resolution vorbeisegelte. Wer hätte gedacht, dass wir 236 Jahre später seinen Spuren folgen würden? 


Abenteuerliche Einklarierung - eine Fahrt durch Lava-Staub

Von unserem Nachbarschiff erfuhren wir, dass um sieben Uhr ein klappriger Truck nach Lenakel aufbrechen würde - unser Ticket zur offiziellen Einreise. Mit der Präzision gestresster Touristen schafften wir es pünktlich an Bord. Und dann ging’s los: durch eine Landschaft, die uns den Atem raubte. Doch die Fahrt nach Lenakel war jedes staubige Körnchen wert: Vorbei an smaragdgrüner Vegetation, einfachen Hütten und unter dem ständigen Donnergrollen des Vulkans fühlten wir uns wie Zeitreisende. Als hätte jemand die Uhr vor Jahrtausenden angehalten und vergessen, sie wieder aufzuziehen.


Yasur bei Nacht - Ein Vulkan, der die Sinne überwältigt

Tanna wird beherrscht vom Yasur, einem der aktivsten Vulkane der Welt. Er spuckt unermüdlich Aschewolken in den Himmel, als würde er sich über die moderne Welt lustig machen. Der Seewind trug die feinen Partikel bis zu uns - sie setzten sich in den Haaren fest, klebten an der Haut und verwandelten unsere Kleidung in ein improvisiertes Asche-Museum. Wer hier atmen wollte, musste sich notdürftig vermummen. 

Am Abend holte uns derselbe Fahrer ab - diesmal nicht zum Zoll, sondern zum Feuerschlund des Yasur. Der klapprige Truck kämpfte sich die steile Piste hinauf, bis nur noch die letzten 200 Meter zwischen uns und dem Kraterrand lagen. Mit jedem Schritt wurde die Luft heißer, der Boden bebte leise, und das Donnern des Vulkans wuchs zu einem ohrenbetäubenden Dröhnen an. 

Dann standen wir am Rand - und die Erde zeigte uns ihre rohe Gewalt. 

Glühende Lavafontänen schossen aus der Tiefe, zerrissen die Dunkelheit und warfen gespenstische Schatten über die aufgewühlten Aschewolken. Das Grollen, Bersten, Knallen klang, als würde ein ganzes Geschwader Düsenjets gleichzeitig starten - eine Symphonie aus Urgewalt. Wir waren nichts mehr als staunende Zuschauer am Rand der Unterwelt. 

Doch der Yasur hatte noch einen letzten Streich parat: Ein heftiger Wind peitschte uns Asche ins Gesicht und rüttelte so heftig am Stativ, dass unsere Langzeitbelichtungen zu verwackelten Geisterbildern wurden. Doch selbst unscharf verrieten die Fotos die Magie dieses Ortes - wo die Erde atmet, zischt und Feuer spuckt wie ein lebendiges Wesen. 

Vanuatu - Wo Glück noch Tradition ist
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Einst als Neue Hebriden bekannt, liegt dieser zerstreute Inselarchipel im Südpazifik - eingebettet zwischen Fiji und Australien. Auf 83 Inseln leben rund 200.000 Menschen verstreut in über 3.000 Dörfern, oft so isoliert, dass Nachbarn unterschiedliche Sprachen sprechen. Über 100 indigene Sprachen gibt es hier - eine linguistische Schatzkiste, die von der Vielfalt dieser Inselwelt zeugt. 


Manche Siedlungen leben noch völlig abgeschieden von der modernen Welt: Frauen tragen Baströcke, Männer schmücken sich mit dem "Namba" - einem kunstvoll gebundenen Bananenblatt. Und ja, bis vor wenigen Jahrzehnten gehörte auch Kannibalismus zur lokalen Kultur. Doch heute steht Vanuatu für etwas anderes: Laut der New Economy Foundation (NEF) leben hier die glücklichsten Menschen der Erde - gemessen an Lebensfreude, Nachhaltigkeit und Lebenserwartung. 


Ob das stimmt? Wir hatten vier Monate Zeit, es mit einem Touristenvisum herauszufinden. Und eines war schnell klar: Die Herzlichkeit der Ni-Vanuatu (so nennen sich die Einwohner) ist ansteckend. 




Tanna-Island: Die magische Nacht des John Frum
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Ein paar Meilen vom brodelnden Yasur entfernt, an der schwefelduftenden Sulphur Bay, liegt das Dorf Ipenkel - das spirituelle Herz des Cargo-Kults. Jeden Freitag verwandelt sich der staubige Dorfplatz in eine Bühne der Hoffnung: Hier versammeln sich die Anhänger der John Frum-Bewegung zum Fahnenappell, singen, tanzen und beten mit einer Inbrunst, die selbst den Vulkan beeindrucken könnte. 


Ihr Glaube? Dass eines Tages ihr mysteriöser Messias John Frum mit 5.000 Kriegern aus dem feurigen Schlund des Yasur steigen wird - beladen mit dem ersehnten "Cargo", den Konsumgütern, die nach dem Zweiten Weltkrieg versprochen, aber nie geliefert wurden. Für die Menschen hier ist das keine Legende, sondern absolute Gewissheit. "John Frum wird kommen", flüstern sie - und der Vulkan grollt zustimmend. 


An diesem Abend spielen Musikgruppen aus umliegenden Dörfern, jede trägt ihre zehn Lieder vor - mal sanft, mal mitreißend, immer begleitet von Bibeltexten. Die Dorfbewohner sitzen im Kreis, klatschen, singen mit und lassen sich von den Rhythmen tragen. Und während die Stimmen in der warmen Luft schweben, dröhnt der Yasur im Hintergrund, als würde er selbst den Beat vorgeben. Über uns färbt der Nachthimmel sich glutrot, durchzuckt von Lavafontänen. 


Was für ein Moment. Zwischen uraltem Glauben, vulkanischer Urgewalt und der puren Freude am Zusammensein fühlten wir uns wie Zeugen eines ganz eigenen, magischen Universums. 




Nächtliche Kava-Zeremonie in Vanuatu - Ein Ritual der Freundschaft 
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Die warme, salzige Brise des Pazifiks streift über das Dorf, als die Sonne langsam hinter den Palmen versinkt. Schon bald versammeln wir uns im Schein der flackernden Fackeln um eine einfache Holzbank - der Platz, an dem die uralte Tradition des Kava-Trinkens zelebriert wird. In Vanuatu ist Kava mehr als nur ein Getränk; es ist ein Symbol der Gemeinschaft, des Willkommens und der Verbundenheit. 


Die heilige Zubereitung

Ein lokaler Kava-Master beginnt mit der rituellen Zubereitung. Frische Kava-Wurzeln werden zerkleinert, in ein Tuch gewickelt und in einer großen Schüssel mit Wasser geknetet. Das trübe, erdige Gebräu tropft langsam in eine Schale, begleitet von leisen Gesängen und Geschichten der Dorfältesten. Der Geruch ist herb, fast mystisch - ein Hauch von Erde und Tradition. 


Das Trinken - Ein Akt der Ehrung

Nacheinander werden wir aufgefordert, die Schale mit beiden Händen entgegenzunehmen. Ein kurzer Schluck, begleitet von einem lauten Klatschen der Umstehenden. Der Geschmack ist bitter, leicht betäubend, doch das Gefühl der Zugehörigkeit überwiegt. Die leichte Benommenheit, die folgt, öffnet den Raum für Gespräche, Lachen und geteilte Stille unter dem Sternenhimmel. 


Kava - Brücke zwischen Kulturen

Diese nächtliche Zeremonie bleibt unvergesslich. Sie lehrt, dass Gastfreundschaft nicht in Worten, sondern in Handlungen liegt. Kava verbindet Fremde zu Freunden - ganz ohne Worte, nur durch das Teilen eines uralten Rituals. 


Bislama (Pidgin-Variante Vanuatus):

  • "Kava i bringim yumi tugeta - hem i simbol blong frenship mo pis." 
  • "Kava bringt uns zusammen - es ist ein Symbol für Freundschaft und Frieden." 

Wer je an einer solchen Zeremonie teilnimmt, versteht: In Vanuatu schenkt man nicht nur ein Getränk aus, sondern ein Stück Kultur und Herz.


 
2010.05 - Mai, Efate: Ein stürmischer Abschied von Tanna 

Manchmal schreibt das Wetter die Reiseroute - und wir sind nur Statist 

Eigentlich hatten wir uns auf Tanna eingestellt: auf mehr Tage im Schatten des feuerspeienden Yasur, auf weitere Nächte unter einem von Lava rot gefärbten Himmel. Doch der Pazifik hatte andere Pläne. 

Ein Tag, der alles ändert
⛵️ 
Das Wetter kippte unvermittelt. 15-20 Knoten Nordostwind - für die offene Bucht von Port Resolution eine gefährliche Ansage. Kein Ort, um länger zu bleiben. Also hieß es: Leinen los, Kurs auf Port Vila!

Fast unglaublich, wie viel man in 24 Stunden erleben kann - und doch, wie wenig es sich anfühlt. Der Yasur, der Cargo-Kult, die Asche unter unseren Füßen … alles nur eine flüchtige Begegnung. "Wir kommen wieder", beschlossen wir. Am Ende dieser Reise würden wir noch einmal versuchen, Tanna anzulaufen - diesmal mit mehr als nur ein paar stürmischen Stunden. 

Überholen der Bosun Bird
Wir starteten später als die kleinere Yacht Bosun Bird mit Nick und Jenny an Bord. Als wir sie überholten, nutzten wir die Gelegenheit für ein paar Fotos ihres eleganten Schiffs - und bekamen im Gegenzug diese wunderbaren Bilder von unserem eigenen (siehe Foto). Ein flüchtiger, aber herzlicher Austausch zwischen Seefahrern, wie es ihn seit Jahrhunderten gibt. 

Die Nacht, in der der Himmel sich öffnete
Die Überfahrt nach Efate wurde, gelinde gesagt, spektakulär. Hoher Seegang warf uns durch die See, und dann kam die Nacht - mit den heftigsten tropischen Regengüssen, die wir je erlebt hatten. Es war, als hätte jemand den Pazifik mit einem Sieb versehen: Unvorstellbare Wassermassen prasselten auf Deck, peitschten gegen die Luken, verwandelten die Welt in ein undurchdringliches Nass. 

Unterwegs zur Insel Efate, zur Hauptstadt Port Villa ⛵️
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Überholmanöver der "Bosun Bird"


Wir überholen das Schiff "Bosun Bird" und halten das Spektakel bei schwerer See und kräftigem Wind natürlich fotografisch fest. Wie man auf den Bildern sieht, macht selbst das Fotografieren bei wildem Schlingern noch Spaß - schließlich bekommt man selten mal Fotos vom eigenen Schiff in Aktion!


Deshalb nutzen wir immer die Gelegenheit, wenn ein Schiff an uns vorbeizieht. Diesmal hatten wir sogar doppelt Glück: Nick und Jenny von der "Bosun Bird" haben uns nämlich auch abgelichtet - so gibt’s wenigstens Beweisfotos, falls uns mal einer nicht glaubt!




2010.05 - Port Vila - Tropenglück nach stürmischer See

Die Sonne taucht die Bucht in goldenes Licht, als wir endlich in Port Vila ankommen. Nach den wilden, anstrengenden Überfahrten fühlt es sich an, als würden wir in einem Paradies aus Palmen, türkisblauem Wasser und lächelnden Gesichtern willkommen geheißen. Wir verbringen einige Tage in Port Vila, der Hauptstadt von Vanuatu, und erholen uns von den aufreibenden Tagen auf See. Und was für eine Erholung das ist! 

Die quirlige kleine Stadt ist ein Mix aus melanesischer Gelassenheit und französisch-kolonialem Charme. Frischer Mangoduft weht über den bunten Markt, wo Frauen kunstvoll geflochtene Körbe und exotische Früchte anbieten. In den Cafés am Hafen schmeckt der Kaffee unwahrscheinlich gut -
vielleicht, weil er mit dem Blick auf schaukelnde Yachten und das schimmernde Meer genossen wird. 

Doch Port Vila ist mehr als nur Entspannung. Schnorchelausfl
üge zu Korallengärten, Spaziergänge durch üppige Regenwälder oder ein Besuch im traditionsreichen Kulturdorf Ekasup bringen Abenteuer ins Spiel. Und abends? Da verzaubert der Sonnenuntergang den Himmel in Pink und Orange, während wir mit frischem Fisch und einer Kokosnuss in der Hand den Tag ausklingen lassen. 

Hier, zwischen azurblauem Wasser und grünen Hügeln, vergisst man schnell, was Anstrengung bedeutet. Port Vila schenkt uns nicht nur Ruhe - sondern das pure Gefühl von Freiheit.


Port Vila: Tropenglück und Abenteuer in Vanuatu
Die Bucht von Port Vila
Hinter uns ankert die "EOS", das grösste private Segelschiff der Welt.

2010.06 - Juni, Epi Island: Kava, Kokosnüsse und die Kunst des Gebens 

Vanuatus Bewohner sind von einer anderen Art als die Fijianer - zurückhaltender, fast schüchtern. Doch wer den ersten Schritt macht und ihr Vertrauen gewinnt, wird mit einer herzlichen Gastfreundschaft belohnt, die von Herzen kommt. So wie bei Atis, der uns stolz sein Haus zeigt: ein einfaches, aber stabiles Holzhaus, umgeben von üppigen Gärten, in denen Yams, Taro und Bananen im Überfluss wachsen. Bevor wir gehen, drückt er uns kiloweise Gemüse in die Hände - ohne auch nur einen Vatu dafür zu verlangen. "Bei uns gibt es genug zu essen", sagt er lächelnd. Und man spürt: Hier ist Teilen kein Akt der Höflichkeit, sondern einfach Lebensart

Kava: Vanuatus bittere Medizin 
Wer Vanuatu wirklich verstehen will, muss Kava probieren - das Nationalgetränk, das hier weit mehr ist als nur ein Trank. Im Vergleich zu Fijis milder Version ist die hiesige Mischung ein Schlag in die Magengrube: bitter, erdig und so stark, dass schon eine kleine Schüssel (100 Vatu) genügt, um den Boden unter den Füßen seltsam uneben wirken zu lassen. Doch anders als Alkohol macht Kava nicht betrunken, sondern gelassen. Kein Gelächter, keine lauten Sprüche - nur eine tiefe Ruhe, die sich ausbreitet. Und das Beste: Kein Kater am nächsten Morgen! Der Geschmack? Nun … selbst in Fiji war er gewöhnungsbedürftig. Hier aber erreicht er neue Dimensionen der bitteren Herausforderung

Atis’ kluge Lebensphilosophie 
Atis ist nicht nur gastfreundlich, er ist auch schlau. Als ich ihn frage, ob er für sein schönes Haus Steuern zahlt, zögert er lange - dann die überraschende Antwort: "Nein. Vanuatu ist kein korrupter Staat." Seine Logik? "Länder mit hohen Steuern haben auch die höchsten Schulden." Ob er recht hat? Nun, die Inselbewohner scheinen es ihm gleichzutun: Sie leben in bescheidenem Wohlstand, der Staat mischt sich wenig ein, und am Ende bleibt mehr in den Taschen der Menschen. Ein Modell zum Nachdenken … 

Mutproben auf Epi: Kokosnüsse und Kinderhände
Dass Mut keine Frage des Alters ist, beweist ein zehnjähriger Junge, der uns binnen Minuten auf eine schwindelerregend hohe Palme folgt - ohne Seil, ohne Werkzeug, nur mit nackten Händen und den Füßen eines Eichhörnchens. Oben angekommen, wirft er uns frische Kokosnüsse zu, als wäre es das Einfachste der Welt. Und während wir das süße Wasser schlürfen, wird klar: Hier lernen Kinder früh, dass Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten belohnt wird. 






2010.06 - Pentecost Island: Wo Legenden leben und Männer fliegen

Die Inselwelt Vanuatus hält unzählige Überraschungen bereit - doch kaum eine ist so faszinierend wie Pentecost. Ihren Namen verdankt sie einem Zufall der Geschichte: An einem Pfingstsonntag im Jahr 1768 sichtete der französische Entdecker Louis Antoine de Bougainville die grünen Hügel am Horizont und taufte sie kurzerhand nach dem christlichen Fest. Doch die wahre Magie dieser Insel liegt nicht in europäischen Namensgebungen, sondern in ihren Mythen, Traditionen und atemberaubenden Ritualen

Kokosnüsse und Urväter: Die Schöpfungslegende von Pentecost 
Während wir in der Homo Bay ankern, umgeben uns Geschichten, die älter sind als jede Kolonialhistorie. Der Legende nach entsprangen die ersten Menschen hier nicht etwa dem Boden, sondern - Kokosnüssen. Ja, genau jenen braunen, haarigen Früchten, die heute an jeder Ecke wachsen. Die Dorfältesten erzählen, wie ein göttlicher Geist sie öffnete und darin nicht nur Fleisch und Wasser, sondern auch die Urväter der Insel fand. Wer heute durch die Dörfer spaziert, versteht schnell: Diese Verbindung zur Natur ist kein Märchen, sondern lebendige Wirklichkeit. 

Leben in der Homo Bay: Kanus, Kinder und pure Lebensfreude
Unser Ankerplatz im Südwesten der Insel ist ein Postkartenidyll: Türkisblaues Wasser, dschungelbedeckte Hügel und ein Strand, an dem sich das Leben in seinem eigenen Rhythmus entfaltet. Schon Minuten nach unserer Ankunft paddeln neugierige Kinder in handgeschnitzten Kanus zu uns herüber - nicht um Souvenirs zu verkaufen, sondern einfach aus purer Freude am Kontakt. Ihre Lachen sind ansteckend, ihre Fragen unverblümt ("Habt ihr auch Schokolade an Bord?"), und ihre Kunststücke auf dem Wasser lassen uns staunen. 

Doch das größte Glück erwartet uns an Land: Wir dürfen das berühmte Nangol-Ritual miterleben, das Pentecost weltweit einzigartig macht (siehe nächstes Kapitel). 

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2010.06 - Pentecost Island, Homo Bay: Das spektakuläre Nangol-Ritual

Der Süden der Insel Pentecost ist weltberühmt für Nangol - das atemberaubende Land-Diving-Ritual, das als Vorläufer des modernen Bungee-Jumping gilt. Jedes Jahr zwischen April und Juni, wenn die Yam-Ernte eingebracht wird und die Lianen besonders trocken (und damit elastisch) sind, stürzen sich mutige Männer kopfüber von bis zu 35 Meter hohen Holztürmen - nur gesichert durch handgeflochtene Lianen. 

Die Legende von Tamalie: Wie alles begann 
Der Ursprung des Rituals liegt in einer alten Sage: Vor langer Zeit floh eine Frau namens Tamalie vor ihrem gewalttätigen Ehemann und versteckte sich in den Wipfeln eines riesigen Baumes. Als er sie hinaufkletterte, um sie zu fangen, sprang sie in die Tiefe - klug genug, sich vorher Lianen um die Knöchel zu binden. Ihr Mann, der ihr blindlings nachsprang, überlebte den Sturz nicht. 

Ursprünglich war Nangol ein rein weibliches Ritual, um an diese List zu erinnern. Doch als die Männer bemerkten, dass die springenden Frauen in ihren Baströcken (Namba) wenig Raum für Diskretion ließen, erklärten sie die Tradition kurzerhand für "unanständig" und übernahmen sie selbst - angeblich, um den Frauen ihre Überlegenheit zu beweisen. Seitdem springen nur noch die Männer - nicht ohne stolz zu betonen, dass sie sich von solchen "Tricks" nicht mehr täuschen lassen. 

Der Turm: Ein Meisterwerk aus Lianen und Holz
Wochen vor den Sprüngen bauen die Dorfbewohner von Homo Bay einen gewaltigen Turm um den Stamm einer kopfllosen Palme. Das Gerüst besteht ausschließlich aus Holz und Naturfasern, ohne Nägel oder Seile. Die höchsten Plattformen erreichen schwindelerregende 35 Meter - je höher der Sprung, desto größer der Respekt für den Mutigen. 

Tanz, Gesang und Adrenalin: Die Zeremonie 
Während die Springer sich vorbereiten, umgeben Trommelrhythmen, Gesänge und Tänze den Turm. Frauen, Männer und Kinder feuern die Mutigen an, während diese - nur mit einem Namba (traditioneller Bastrock) bekleidet - auf ihre Plattform klettern. Der Moment des Sprungs ist pure Magie: Sekundenlang fliegt der Körper frei durch die Luft, bis die Liane straff wird und der Springer millimeterknapp über dem Boden schwebt. 

Ein perfekter Sprung soll nicht nur Mut beweisen, sondern auch eine reiche Yam-Ernte garantieren - und nebenbei beeindruckt er natürlich alle umstehenden Frauen. Wer hingegen stolpert oder die Liane zu früh kappt? Nun … darüber spricht man lieber nicht. 


Die Königin und der Turm: Ein königliches Abenteuer auf Pentecost 

Selbst Königin Elisabeth II. konnte sich 1974 dem Mythos des Nangol nicht entziehen - auch wenn sie es vorzog, den Sprung den Profis zu überlassen.
🤭😂 

1974 besuchte Königin Elisabeth II. Vanuatu (damals noch die britisch-französische Kondominium "Neue Hebriden") und ließ sich das Nangol-Ritual auf Pentecost zeigen. Der Legende nach soll sie mit ihrer typischen britischen Gelassenheit zugesehen haben, wie die Männer sich kopfüber in die Tiefe stürzten - nur um dann höflich, aber bestimmt abzulehnen, als man ihr freundschaftlich einen Sprung anbot. 

Die Dorfältesten schenkten ihr stattdessen einen zeremoniellen Bastrock (Namba) - was bei ihrem Gefolge für amüsierte Blicke sorgte. Ob sie ihn je trug? Das bleibt Geheimnis der königlichen Garderobe. Sicher ist jedoch: Selbst die Queen konnte dem Nervenkitzel des Nangol nicht widerstehen. Jahre später soll sie es als "eines der außergewöhnlichsten Dinge, die ich je gesehen habe" bezeichnet haben. 

Die Homo Bay in Pentecost.
Die Homo Bay in Pentecost.
Man sieht nur einen Steg. Hinter den Wäldern verborgen: das Dorf der Ni-Vanuatu, die hier vor Jahrhunderten das Nangol-Ritual erfanden - den Ursprung des Bungee Jumping. Wo Legenden lebendig werden und die Luft nach Abenteuer schmeckt.

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