2015.07. - Indien, 2. Reise - Teil 1 
 
 
2015.07 - Unser Fazit: Kaschmir & Ladakh - ein Abenteuer der Extreme 

Indien ist ein Land, das mit Superlativen spielt - es gibt kein Halbherzig, kein "Ja, aber…". Auf der Skala der Reiseerlebnisse springt man hier direkt von "Unglaublich!" (100 Punkte) zu "Das hätte ich jetzt nicht erwartet…" (20 Punkte), und genau das macht den Zauber aus. Nach ein paar Tagen lernt man, die kleinen Stolpersteine lächelnd zu übersehen, denn sie sind nur die Schattenseiten eines Landes, das umso heller strahlt. Die Unvorhersehbarkeit? Sie ist kein Bug, sondern ein Feature - wer Indien bereist, unterschreibt stillschweigend einen Vertrag für spontane Abenteuer. 

Doch eines ist gewiss: Ohne unseren verlässlichen Reisebegleiter Shafi wäre dieses Abenteuer nur halb so magisch gewesen. (Nein, das ist keine Werbung - nur ehrliche Dankbarkeit!) In einem Land, wo selbst einfache Dinge manchmal zur Detektivarbeit werden, ist ein Mensch wie er Gold wert. Beispiel gefällig? Als wir kurzfristig unseren Flug von Srinagar nach Delhi umbuchen mussten, rettete er uns vor einem klassischen "Indien-Dilemma": Kein Internet, kein Ticket, kein Zutritt zum Flughafen - und schon gar keine Hilfe am Tag nach dem Ramadan. Shafi hingegen zauberte Lösungen, wo wir nur Probleme sahen. Moral der Geschichte: In Indien reist man nicht allein - man reist im Team. 

Am Ende bleibt eine Reise, die uns mit glücklicher Erschöpfung und vollen Herzen zurücklässt. Kaschmir und Ladakh haben uns mit ihren atemberaubenden Landschaften, den herzlichen Begegnungen und Momenten reiner Magie beschenkt. Einmal Indien - und man versteht, warum dieses Land süchtig macht. Unser nächstes Kapitel? Der Süden! Denn wenn es eins gibt, das wir gelernt haben, dann dies: In Indien ist jede Ecke eine Überraschung … und wir lieben Überraschungen. 


Hier die Koordinaten von Shafi:

M. Shafi, Destination India Travel Centre Pvt. Ltd.
1. Diz Area, Sec-IV, Baba Kharak Singh Marg. Connaught Place, New Delhi 110 001 (India)
Phone: +91 1123712345, Mobil-Phone: +91 9868209880 oder +91 9818194949
e-Mail: indiadestination (at) rediffmail.com

M. Shafi, Destination India Travel Centre Pvt. Ltd.




2015.07 - New Delhi & Srinagar in Kashmir


Unser zweites (erstes hier) Abenteuer in Indien begann mit einem Flug von Bangkok nach New Delhi. Die etwa 4½-stündige Reise bot genug Zeit, um sich mental auf das Land der Gegensätze vorzubereiten. Wir kannten Indien bereits von unserer Reise durch Rajasthan im Dezember 2008, und wir wussten: Indien ist kein einfaches Reiseland. Hier herrscht eine Art "freundschaftlicher Wettbewerb" - ein charmantes Ringen um alles, vor allem um jede Rupie, das mit einer gewissen Entschlossenheit geführt wird. Um diesen organisatorischen Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, hatten wir unsere gesamte Reise von unserem Freund Shafi organisieren lassen. Das brachte uns gleich mehrere Vorteile:

 

  • Wir mussten uns nicht von jedem Taxifahrer, in jedem Restaurant oder Hotel "die Preise diskutieren".
  • Die Reise wurde dadurch nicht nur deutlich günstiger, sondern auch viel angenehmer.

 

Wir können wirklich jedem empfehlen, nicht auf eigene Faust und mit Rucksack durch Indien zu reisen - es sei denn, man sucht das Abenteuer in seiner intensivsten Form.


Unser erster "freundschaftlicher Wettbewerb" erwartete uns bereits bei der Gepäckausgabe in New Delhi. Die Inder stehen hier alle direkt an der Rollbahn, und als Ausländer ist es fast unmöglich, sein Gepäck zu ergattern, ohne sich durch die Menge zu schlängeln. Es sei denn, man ist gebürtiger Inder - dann geht es relativ einfach. Man drängt sich mit dem angeschnallten Rucksack durch die Masse, dreht sich ein paar Mal um die eigene Achse, und schon gibt es plötzlich Platz in Hülle und Fülle. So funktioniert das hier. Man könnte fast meinen, es handelt sich um eine choreografierte Tanzperformance - nur ohne Musik und mit viel mehr Gepäck.


Der nächste Schauplatz des "freundschaftlichen Wettstreits" folgte prompt am Schalter der Immigration. Wir waren die Ersten, die sich dort einfanden, und alles lief zunächst reibungslos - bis der Beamte bemerkte, dass wir auf dem Einreiseformular kein Hotel angegeben hatten. Nun gut, wir versuchten zu erklären, dass wir vom Fahrer unseres Freundes abgeholt würden und den Namen des Hotels nicht kannten. Doch wie das in Indien so ist: Wenn ein Feld auf dem Formular existiert, muss es auch ausgefüllt werden. Und wenn dort nichts steht, gibt es keine Einreise. Punkt. Ich bin mir sicher, man hätte einfach "Zoll-Volltrottel Palace Deluxe Hotel, New Delhi" eintragen können, und die Welt wäre in Ordnung gewesen … Aber ich traute mich natürlich nicht, diesen kreativen Namen einzutragen. Stattdessen gaben wir das letzte Hotel unserer Reise in Leh an - und siehe da, wir durften einreisen. Fast. Denn dann folgte eine theaterreife Episode mit der Aufnahme meiner Fingerabdrücke. Zur Belustigung der sich hinter mir bildenden Schlange schaffte es das Hightech-Gerät erst beim fünften Versuch, meine Fingerabdrücke an den Computer zu übermitteln. Ich fühlte mich wie ein Kandidat bei "Wer wird Millionär?", nur ohne Geldgewinn.


Draußen erwartete uns bereits der Fahrer von Shafi, der unseren Namen auf einem Plakat hochhielt. Er führte uns zum Kleinbus - und siehe da: Keine Diskussion über den Preis, kein Feilschen, kein Stress. Das war unser erstes Highlight in diesem Land. Der kleine, aber kräftige Nepalese startete den Motor, und wir fuhren los - direkt hinein in das Chaos von Delhi. Die Fahrweise hier ist schlicht unvorstellbar. Jeder Millimeter wird erkämpft, gefahren wird, als gäbe es kein Morgen, und die Hupe scheint im Dauerbetrieb zu sein. Es fühlte sich an wie eine Mischung aus Achterbahnfahrt und Tetris - nur mit mehr Hupen und weniger Punkten. Trotz der höllischen Fahrt erreichten wir wohlbehalten unser Hotel, wo wir endlich unseren Freund Shafi trafen.


Am nächsten Morgen ging es weiter nach Srinagar, in die malerische Region Kashmir. Der Flug dorthin war ein weiteres Abenteuer, aber das ist eine Geschichte für sich …

 

 

Ausblick von unserem Hotel in New-Dehli. Das Hotel hiesst "City Star" und ist empfehlenswert.



Weiter geht’s nach Srinagar - mit Charme, einem Hausboot und einem Butler in weißem Kittel

Der Fahrer von Shafi brachte uns zum Flughafen, und da wir keine Preise für diese Dienstleistung verhandeln mussten, war das Ganze erstaunlich entspannt. Der Flug von New Delhi nach Srinagar dauerte etwa zwei Stunden, und wir waren die einzigen westlichen Touristen in einem voll besetzten Flugzeug. Kashmir, das politisch etwas unruhige Gebiet, begrüßte uns gleich mit einer Extraportion Bürokratie: Wir mussten uns wieder mit allen erdenklichen Details registrieren lassen, und das voll ausgerüstete Militär war an jeder Ecke präsent. Man könnte fast meinen, sie wollten uns damit sagen: "Willkommen in Kashmir - hier wird nichts dem Zufall überlassen!"

Kashmir liegt ganz im Norden Indiens, noch nördlicher als Nepal, und grenzt an Pakistan und China. Die Region ist nicht nur landschaftlich atemberaubend, sondern auch kulturell ein faszinierender Mix. Ein Chauffeur holte uns ab und brachte uns zum Vater von Shafi, der hier ein Hausboot besitzt, das er vorwiegend an indische Touristen vermietet. Das Hausboot selbst ist stolze 40 Jahre alt und könnte ein bisschen Unterhalt gebrauchen - aber vielleicht macht gerade das seinen Charme aus. Es ist handwerklich wunderschön verarbeitet, und wir fühlten uns, als wären wir in einem alten Edgar-Wallace-Film gelandet, mit uns in der Hauptrolle. Die Atmosphäre war eine Mischung aus altem Luxus und nostalgischem Flair - und dann gab es da noch den Butler. Dieser zog für das Servieren des Frühstücks und des Abendessens extra einen etwas schummrigen weißen Kittel über seine Tageskleidung. Das Essen wurde in einem Salon serviert, der perfekt als Kulisse für einen "Dinner for Two"-Film hätte dienen können.

Der alte Herr von Shafi, Habib, erwies sich als hervorragender Geschichtenerzähler. Er unterhielt uns mit amüsanten Anekdoten aus seiner Vergangenheit und untermalte diese mit einer Sammlung von verblichenen Fotos, die so viel Charme ausstrahlten wie das Hausboot selbst. Es war, als würde man durch ein lebendiges Fotoalbum blättern, während man auf dem Dal Lake schaukelte.

Der Aufenthalt auf dem Schiff war unglaublich erholsam. Hier war man weit entfernt vom Trubel und Chaos des indischen Straßenverkehrs. Das "Billoo Palace de Luxe"-Hausboot ist übrigens kein gewöhnliches Schiff. Mit stolzen 125 Fuß Länge ist es riesig - und es schwimmt tatsächlich! Allerdings bewegt es sich so gut wie nie. Da es weder einen Motor noch ein Steuerhaus gibt, müsste das Hausboot von einem Standort zum anderen gezogen werden. Aber wer will das schon? Schließlich ist das Schönste daran, einfach zu entspannen, die Aussicht zu genießen und sich wie ein König oder eine Königin auf dem Wasser zu fühlen.

So verbrachten wir unsere Tage in Srinagar - zwischen nostalgischem Luxus, charmanten Geschichten und der beruhigenden Ruhe des Sees. Es war, als wäre die Zeit stehen geblieben, und wir genossen jeden Moment davon.



Kaschmir - wo Magie und Geschichte sich die Hand reichen 

Der Name Kaschmir weckt sofort Bilder von smaragdgrünen Tälern, schneebedeckten Gipfeln und sanft gleitenden Hausbooten - doch diese Region ist mehr als nur postkartenhübsche Landschaft. Hier atmet jeder Stein Geschichte, und die Luft scheint von Geschichten durchwirkt, die seit Generationen erzählt werden. Ein Ort, der fesselt, nicht nur durch seine Schönheit, sondern auch durch seine unverwechselbare Seele. 

Chrar-i-Sharif: Ein Ort der Stille und der Schauplätze
Unser heutiges Ziel war die gewaltige Moschee von Chrar-i-Sharif - eine Reise, die wir vor allem für Habib, Shafis Vater, unternahmen. Die zweistündige Fahrt durch die Berge war wie eine Aneinanderreihung von Gemälden: saftige Wiesen, schroffe Felsen und Dörfer, die sich malerisch in die Hänge schmiegten. Die Moschee selbst, ein Monument aus Stein und Glauben, thronte imposant vor uns. Da der Ramadan noch andauerte und keine Gebetszeit stattfand, lag eine fast meditative Stille über dem Platz - als halte selbst der Wind den Atem an. 

Im Inneren beherbergt das Heiligtum die Särge jener Männer, die einst den Islam nach Kaschmir brachten. Während der Hauptbereich den Gläubigen vorbehalten ist, dürfen Frauen den Schrein nur aus einem abgetrennten Raum heraus betrachten. Vor dem Eingang spielte sich eine Szene ab, die uns zunächst sprachlos machte: Eine Frau, in sich gekehrt, schlug sich weinend ins Gesicht und rief unverständliche Worte gen Himmel. Es war ein Moment, der unter die Haut ging - doch wie so oft in Indien, lernt man, dass nicht alles, was fremd wirkt, auch verstanden werden muss. Manchmal reicht es, einfach zu bezeugen. 

Die Kunst des Loslassens - und des Staunens
Kaschmir lehrt einen, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen - ob atemberaubend, ergreifend oder rätselhaft. Dieser Tag war wie ein Mikrokosmos der gesamten Reise: eine Mischung aus architektonischer Pracht, unerwarteten Begegnungen und der stillen Erkenntnis, dass dieses Land einen nie unberührt lässt. Es berührt, es verstört, es verblüfft - aber es langweilt nie. 

Denn Kaschmir ist kein Ort, den man nur mit den Augen sieht. Es ist ein Gefühl, das lange nachhallt - wie der Duft von Safran in der kühlen Bergluft oder das Echo eines Gebets, das über dem Dal-See verweht. 



Ein Tag voller kleiner Abenteuer - von Spenden, Blumen und Rettichen

Beim Verlassen der Moschee in Chrar-i-Sharif gab es noch eine letzte Aufgabe: eine kleine Spende hinterlassen. Allerdings nicht an einer, sondern an gleich zehn verschiedenen Stellen. Habib machte es mir vor, wie man das geschickt handhabt: Er gab dem ersten Mann einen 100-Rupie-Schein und verlangte neun 10-Rupie-Münzen zurück. Diese waren dann für die anderen Spendenstellen gedacht. Ich dachte mir: "Warum nicht? Das klingt nach einem cleveren System." Also versuchte ich dasselbe - nur leider kam bei mir keine einzige Münze zurück. Der 100-Rupie-Schein war einfach verschwunden. Der bärtige Mann am Tisch lächelte mich an - oder vielleicht auch aus -, und ich realisierte schnell: Hier wird nichts zurückkommen. Der 100-Rupie-Schein war weg, und die anderen neun Spenden­stellen gingen leer aus. Tja, manchmal lernt man eben auf die harte Tour, dass nicht alle Systeme für Ausländer gedacht sind.

Wir verließen Chrar-i-Sharif und stiegen ins Auto. Doch kaum hatten wir die Türen geschlossen, hörten wir ein metallenes Geräusch. Ein kurzer Blick bestätigte meine Vermutung: Ein Bettler, ohne Beine, saß auf einem Stück Holz, das mit vier Kugellagern ausgestattet war, und kam in rasender Geschwindigkeit auf uns zugerollt. So hart es klingt, in Indien gibt es immer jemanden, der die Hand aufhält - und auch er wollte sein Elend in Rupien ummünzen. Es war ein Moment, der einem fast schon surreal vorkam, aber auch er gehörte irgendwie zum Gesamtbild dieses Landes.

Der Tag neigte sich dem Ende zu, und die Lautsprecher der Moscheen waren bereits voll aktiviert, um die Gebete in die Umgebung zu tragen. Wir wurden über den Dal-See zurück zu unserem Hausboot gefahren. Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - und so kam es, wie es kommen musste: Ein Blumen­händler zog uns noch einmal über den Tisch. Als Habib uns später fragte, wie viel wir für die Blumen bezahlt hätten, blieben wir stumm. Wir wollten nicht, dass er denkt, wir seien sehr dumm. Er fragte nicht weiter, aber man sah ihm an, dass er sich seinen Teil dachte.

Am Abend kam dann noch ein "Freund" der Familie vorbei, um Souvenirs zu verkaufen. Wir willigten ein - unter der Bedingung, dass Habib für uns den Preis verhandeln würde. Man sieht, wir lernten langsam dazu. Also kauften wir ein paar dieser wunderschönen Schachteln aus Pappmaché und überließen das Feilschen Habib. Das Problem bei solchen Verhandlungen ist: Zahlt man den verlangten Preis, ist man dumm. Versucht man zu handeln, spielt der Verkäufer den Beleidigten. Und kauft man nichts, zeigt er seine totale Enttäuschung. Die Verhandlung zwischen Habib und dem Verkäufer verlief im Tonfall nicht gerade freundlich - ob es gespielt war oder nicht, sei dahingestellt. Am Ende bezahlten wir, dem Frieden zuliebe, fast den verlangten Preis, und Habib war sichtlich zufrieden. Die Situation war gerettet, aber eines war klar: In Indien verliert man als Fremder den Rupie-Krieg immer. Man hat einfach keine Chance.

Am nächsten Morgen tauchten die Blumenverkäufer wieder auf. Doch diesmal war Habib vorbereitet. Mit ein paar bösen Worten schickte er sie zum Teufel, und sie paddelten so schnell davon, als hätten sie einen Motor am Boot. Es tat gut zu sehen, wie der alte Herr für uns eintrat. Der Grund für seine Wut war übrigens ein anderer: Die beiden hatten einer Dame aus Belgien Orchideen-Zwiebeln verkauft - doch was dann wuchs, waren Rettiche! Man könnte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre.



Nächster Tag: Eine Moschee, Schokolade und unerwartete Begegnungen


Am nächsten Tag ging es weiter um den Dal-See herum. Zusammen mit Showkat, dem Bruder von Shafi, besuchten wir eine der ältesten Moscheen in Kaschmir. Während Showkat und Nathalie gemütlich um die Moschee spazierten, beschäftigte ich mich damit, das Gebäude trotz des schlechten Lichts bestmöglich in die Kamera zu bekommen. Das Gebet schien vorüber zu sein, die Lautsprecher waren ruhig, und langsam strömten die Männer aus dem Gebäude.


Plötzlich kam ein älterer Mann mit der typischen kleinen Kappe und natürlich einem Bart aus einer Gruppe auf mich zu. Er musterte mich kurz und fragte: "Israeli?" Mann, oh Mann, hier vergeht wirklich keine Stunde ohne Abenteuer. Ich schüttelte den Kopf und sagte: "Nee, nee, Switzerland." Da ich mir nicht sicher war, ob er das richtig verstanden hatte, fügte ich schnell hinzu: "Chocolate." Und siehe da - sein Gesicht hellte sich auf, und ein breites Lächeln erschien. Er nahm meine rechte Hand in beide seiner Hände und bedankte sich herzlich. Wofür genau? Vielleicht dafür, dass ich kein Israeli war. Er kehrte zu seiner Gruppe zurück, und nach ein paar Worten lächelten mir alle dankbar zu. Als besondere Geste durfte ich sogar durch ein Fenster einen Blick ins Innere der Moschee werfen - natürlich nach einer kleinen Spende von 50 Rupien.


Fazit des Tages:


  • Als Israeli würde ich Kaschmir wohl von meiner Reiseroute streichen - schon der Gesundheit wegen.
  • Das Wort "Chocolate" kann einen aus so mancher dummen Situation retten. Jeder versteht es, und es wird immer mit der Schweiz in Verbindung gebracht. Mir war das Wort übrigens eingefallen, weil es die Standardantwort vieler Inder war, wenn wir auf die Frage nach unserer Herkunft "Schweiz" sagten. "Ah, Chocolate!", hieß es dann immer.

So endete dieser Tag mit einer Mischung aus kulturellen Einblicken, unerwarteten Begegnungen und der Erkenntnis, dass manchmal ein simples Wort wie "Chocolate" Türen öffnen und Herzen gewinnen kann. Kaschmir bleibt eben ein Land der Überraschungen - und das macht es so unvergesslich.





Weiter geht’s zu den Mogul-Gärten - Wasser, Fotos und ein bisschen Sonntagsstimmung

Nach unserer Begegnung mit der Moschee und der "Chocolate"-Rettungsaktion fuhren wir weiter, um drei der berühmten Mogul-Gärten zu besuchen: Nasim Bagh, Nishat Bagh und schließlich die Shalimar-Gärten. Jeder dieser Gärten hat eine Sache gemeinsam: Sie wurden alle um eine Wasser­quelle herum angelegt. Wasser ist hier nicht nur lebensspendend, sondern auch das Herzstück der architektonischen Schönheit.

Der Nishat Bagh, der 1633 erbaut wurde, beeindruckte uns besonders mit seiner fantastischen Lage zwischen dem Dal-See und den umliegenden Bergen. Die Terrassen, Brunnen und Blumenbeete sind so angelegt, dass sie einen perfekten Blick auf die Landschaft bieten - ein Meisterwerk der Mogul-Architektur. Die Shalimar-Gärten, die ebenfalls auf einer Wasserquelle basieren, sind nicht weniger beeindruckend, auch wenn sich die Gärten insgesamt nur wenig voneinander unterscheiden.

An diesem Sonntag waren die Gärten voller einheimischer Besucher, die hier gerne spazieren gehen. Interessanterweise durften die Jungen im Wasser planschen, während die Mädchen am Ufer bleiben mussten. Vielleicht erklärt das, warum so viele junge Männer hier Händchen haltend unterwegs sind - sie haben einfach nicht genug Gelegenheit, das andere Geschlecht kennenzulernen. Oder vielleicht ist es auch einfach ein Zeichen von Freundschaft. Wer weiß?

Als einzige ausländische Touristen in Sichtweite wurden wir schnell zu den Exoten des Tages - und damit auch zum begehrten Fotoobjekt. Immer wieder kamen Leute auf uns zu und fragten höflich, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Normalerweise hätten wir dafür ein paar Rupien verlangen können (schließlich sind wir ja die "Promis" des Tages), aber weil heute Sonntag war, machten wir das gerne und unentgeltlich. (Okay, das mit den Rupien war ein Scherz - aber wer weiß, vielleicht sollten wir das nächste Mal wirklich eine kleine Gebühr einführen?)

So ging dieser Tag mit viel Gelächter, schönen Fotos und einer Prise Sonntagsstimmung zu Ende. Die Mogul-Gärten sind nicht nur ein Zeugnis der Vergangenheit, sondern auch ein Ort, an dem man das heutige Indien erleben kann - mit all seinen Eigenheiten und seiner herzlichen Gastfreundschaft.





2015.07 - Von Srinagar nach Likir in Ladakh, eine abenteuerliche Reise durch den Himalaya

Die rund 400 Kilometer lange Strecke von Srinagar nach Likir ist alles andere als eine gewöhnliche Fahrt - sie ist ein echtes Abenteuer. Die Straße ist extrem schmal, ungesichert und oft nicht befestigt. Wenn man auf der "richtigen" Seite aus dem Fenster schaut, blickt man ab und zu fast 500 Meter senkrecht in die Tiefe. Doch das hält die Fahrer hier nicht davon ab, zu überholen, sobald sich auch nur die kleinste Gelegenheit bietet.

Wir starten in Srinagar mit dem Ziel, nach Leh in Ladakh zu gelangen. Die Straße dorthin ist nur zwischen Juni und Oktober befahrbar. In den restlichen Monaten ist Leh nur per Flugzeug erreichbar. Wir haben uns jedoch entschieden, in Likir einen Zwischenstopp einzulegen, um drei Tage in dieser atemberaubenden Region zu wandern. Ladakh ist der nördlichste Teil Indiens, liegt im Himalaya und grenzt an Tibet bzw. China. Die Bewohner unterscheiden sich von denen in Kaschmir vor allem durch ihre Religion: Sie sind keine Muslime, sondern Buddhisten.

Unser Fahrer beginnt die Fahrt ruhig und vorsichtig - was allerdings weniger an seiner Fahrweise liegt, sondern daran, dass der Tank fast leer ist. Nach dem Tankstopp wird der kleine Suzuki den Berg hinaufgequält, und wie es bei den meisten Indern üblich ist, überholt unser Fahrer, wo immer es möglich ist. Dabei muss man sagen: Die Fahrer hier sind keine "Oberlehrer", die sich über andere aufregen. Es stört niemanden, wenn sich zwei Fahrzeuge fünf Mal gegenseitig überholen. Wenn einer auch nur ein kleines bisschen schneller ist, fährt er vorbei - das ist hier völlig normal.

Was die Fahrt jedoch wirklich anstrengend macht, ist der aufgewirbelte Staub und vor allem die Abgase der anderen Fahrzeuge, insbesondere der vollbeladenen Lastwagen. Irgendwann sind auch wir froh, wenn unser Fahrer einen qualmenden Lkw in einem riskanten Manöver überholt - auch wenn uns dabei das Herz in die Hose rutscht.

Irgendwann verwandelt sich die unbefestigte Schotterstraße in eine geteerte Straße, was die Fahrt deutlich angenehmer macht. Zumindest ist der Staub dann weg. Wenn man von diesen Herausforderungen absieht, ist die Fahrt durch die Bergwelt des Himalaya ein unvergessliches Erlebnis. Die Landschaft ist atemberaubend schön - fast unberührt und menschenleer, abgesehen von ein paar Hirten oder herumstehendem Militär.

Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Likir und übernachten in einem einfachen Guesthouse. In einem Guesthouse bekommt man ein Zimmer und teilt die Mahlzeiten mit den Einheimischen - was eine tolle Möglichkeit ist, die lokale Kultur und Gastfreundschaft kennenzulernen.

So endet dieser Tag mit einer Mischung aus Abenteuer, atemberaubenden Landschaften und der Vorfreude auf die kommenden Wandertage in Ladakh. Es ist eine Reise, die uns nicht nur an die Grenzen der Straßen, sondern auch an unsere eigenen Grenzen bringt - und genau das macht sie so unvergesslich.




Baby-Trekking in Likir - Klein, aber oho!

Wer bei "Baby-Trekking" an einen gemütlichen Spaziergang denkt, liegt - wie wir - gründlich daneben. Der Name ist wohl die charmanteste Untertreibung, die Ladakh zu bieten hat. Tatsächlich handelt es sich hier um die kleinste und einfachste Trekking-Route der Region - doch "einfach" ist in den Höhen des Himalaya ein relativer Begriff. Während die großen Touren bis zu 12 Tage dauern und auf schwindelerregende 7.200 Meter führen, blieben wir bescheiden: Drei Tage, drei Pässe und knapp 35 Kilometer auf durchschnittlich 3.700 Metern. Und doch waren wir am Ende stolz wie Oskar - besonders, als wir sahen, dass selbst einige Jüngere vorzeitig aufgaben. 

Majestätische Weiten und herzliche Begegnungen
Die Landschaft entlohnte jede Anstrengung: schroffe Bergriesen, endlose Weiten und eine Stille, die man sonst nur aus Meditationen kennt. Übernachtet haben wir in einfachen "Home-Stays", wo uns die Gastfreundschaft der Ladakhis verzauberte. Anders als in anderen Teilen Indiens geht es hier nicht um jeden Cent - manche lehnten sogar Trinkgelder mit einem freundlichen Kopfschütteln ab. 

Die große Toiletten-Challenge
Das einzige "Abenteuer im Abenteuer" waren die örtlichen Sanitäranlagen - oder besser gesagt, deren minimalistisches Design. Bei WC´s ohne "W" (Wasser) und ohne "C" (Closet) wurde jeder Toilettengang zur strategischen Planungsaufgabe. Kurzerhand beschlossen wir, die Besuche auf ein Minimum zu reduzieren - notfalls hilft eben Improvisationstalent. Wer in den Bergen unterwegs ist, lernt schnell: Flexibilität gehört dazu! 

Ladakhs klimatisches Wunder
Überraschend war das Klima: Selbst auf 4.000 Metern ist es im Sommer angenehm mild - ganz anders als in vergleichbaren Höhen der Schweiz. Während bei uns die Baumgrenze bei etwa 1.600 Metern Schluss macht, wachsen in Ladakh noch Bäume in schwindelerregender Höhe. Und wo sonst nur noch Gletscher gedeihen, grasen hier friedlich Yaks und Ziegen. 

Fazit: Kleine Tour, großes Erlebnis
Am Ende waren wir müde, glücklich und um eine Erfahrung reicher: In Ladakh ist selbst das "Baby"-Trekking ein echtes Abenteuer. Wer hier wandert, wird nicht nur mit atemberaubenden Panoramen belohnt, sondern auch mit der Herzlichkeit der Menschen. Und vielleicht auch mit der Erkenntnis, dass manchmal die kleinsten Namen die größten Überraschungen bergen. 

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Hemis Shukpachen - Wo Gastfreundschaft Himalaya-Höhen erreicht

In Ladakh leben nur etwa 72.000 Menschen - eine winzige Zahl für diese weiten, atemberaubenden Landschaften. Doch was den Ladakhis an Einwohnern fehlt, machen sie mit Herzlichkeit mehr als wett. Hier, in dieser buddhistisch geprägten Bergwelt, ticken die Uhren anders als in hektischen Metropolen wie Delhi oder Srinagar. Geld spielt eine untergeordnete Rolle; stattdessen zählen Gastfreundschaft, Gemeinschaft und eine tiefe Zufriedenheit mit dem einfachen Leben. 

Übernachten wie ein Familienmitglied
Guesthouses gibt es in Ladakh wie Sand am Meer - oder besser gesagt, wie Gebetsfahnen im Wind. Für rund 400 Rupien (etwa 6 Franken) pro Person bekommt man nicht nur ein sauberes, gemütliches Zimmer, sondern auch alle Mahlzeiten inklusive. Doch der wahre Schatz dieser Unterkünfte sind nicht die Preise, sondern die Begegnungen. 

Unser Guesthouse in Hemis Shukpachen war ein perfektes Beispiel dafür: Statt als zahlender Gast fühlten wir uns schnell wie willkommene Freunde. Die Mahlzeiten wurden gemeinsam mit der Familie und anderen Reisenden eingenommen - eine wunderbare Gelegenheit, nicht nur die köstliche lokale Küche (von butterreichem thukpa bis hin zu momos mit Himalaya-Charme), sondern auch Geschichten und Lachen zu teilen. 

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf
Was diese Unterkünfte so besonders macht? Die ungezwungene Herzlichkeit. Die Gastgeber laden nicht nur zum Schlafen ein, sondern öffnen Türen - und Herzen. Stolz erzählen sie von ihren Traditionen, zeigen handgewebte Teppiche oder laden zum gemeinsamen Buttertee ein. Und plötzlich merkt man: Hier geht es nicht um Tourismus, sondern um echtes Miteinander. 

Eine Bereicherung für die Seele
Ein Guesthouse-Aufenthalt in Ladakh ist weit mehr als eine günstige Übernachtung. Es ist eine Einladung, das Leben in den Bergen hautnah zu erleben - ohne Filter, ohne Inszenierung. Man verlässt diese Häuser nicht nur mit Fotos, sondern mit Erinnerungen an lächelnde Gesichter, an das Klirren von Teetassen und an das Gefühl, für einen kurzen Moment Teil dieser faszinierenden Kultur gewesen zu sein. 

Wer nach Ladakh reist, sollte unbedingt diese Erfahrung machen. Denn zwischen schneebedeckten Gipfeln und tiefblauem Himmel findet man hier etwas, das anderswo selten geworden ist: echtes Ankommen. 



Kloster Likir - Wo Legenden im Regen tanzen

Eigentlich wollten wir an diesem Tag nur die 60 Kilometer nach Leh zurücklegen - doch dann lockte uns das Kloster Likir mit seinen 900 Jahren Geschichte in seinen Bann. Als eines der ältesten und bedeutendsten Klöster Ladakhs trägt es einen Namen, der so mystisch ist wie seine Atmosphäre: Lu-Khyil, "die von Schlangen Umschlossene". Der Legende nach wählte ein weiser Yogi diesen heiligen Ort aus und schützte ihn mit magischen Schlangenwesen vor bösen Geistern. Wer durch die alten Tore tritt, spürt noch heute, dass hier mehr als nur Steine und Mörtel wirken. 

Ein Klosterbesuch zwischen Wolken und Wundern
Das Wetter meinte es an diesem Tag nicht gut mit uns. Graue Wolken hingen wie schwere Vorhänge über den Gebetsmauern, und der Regen verwischte die Konturen der Berge. Doch selbst das schlechteste Wetter kann der spirituellen Kraft dieses Ortes nichts anhaben. Während unsere Jacken tropften, trotzte die jahrhundertealte Energie der Nässe - und zog uns in ihren Bann. 

Normalerweise bietet Likir einen atemberaubenden Panoramablick über das Tal. Doch an diesem Tag entdeckten wir eine andere Seite des Klosters: die Innenwelt. Durch die schmalen Korridore mit ihren leuchtenden Wandmalereien zu schreiten, fühlte sich an, als blättere man in einem lebendigen Geschichtsbuch. In der Gebetshalle, erfüllt vom Duft von Butterlampen und Räucherstäbchen, herrschte eine Stille, die selbst den ungeduldigsten Besucher zur Ruhe kommen lässt. 

Regen? Nur eine andere Art von Magie
Ja, wir haben den legendären Ausblick verpasst. Dafür bekamen wir etwas anderes: die seltene Gelegenheit, Likir ohne touristisches Gewusel zu erleben. Ohne Ablenkung konnten wir die Details wahrnehmen - die kunstvollen thangkas, das leise Murmeln der Mönche, das gedämpfte Licht, das durch die verregneten Fenster fiel. 

Als wir schließlich wieder ins Freie traten, war die Enttäuschung über das Wetter längst der Faszination gewichen. Vielleicht war es gerade der Regen, der uns gezeigt hat, dass wahre Magie nicht von blauem Himmel abhängt. Likir bleibt ein Ort der Wunder - ob in Sonne oder Sturm. Und wer weiß? Vielleicht kehren wir ja zurück, um die Schlangenlegende einmal im goldenen Licht des Himalaya zu erleben. Bis dahin tragen wir die Erinnerung an diesen Tag wie einen kostbaren mani-Stein mit uns. 




Likir und Umgebung - Wo der Himalaya die Seele streichelt

Es gibt Orte, die bleiben nicht einfach als Erinnerung haften - sie prägen sich ein. Likir ist so ein Ort. Hier, zwischen schneebedeckten Gipfeln und ockerfarbenen Hügeln, zeigt Ladakh sein ganzes Wesen: majestätisch und doch voller zarter Schönheit. 

Jeder Blick, jeder Schritt offenbart ein neues Wunder. Da sind die Berge, die sich wie alte Weise in den Himmel recken. Die Dörfer, wo das Lächeln der Menschen wärmer scheint als die hochstehende Sonne. Und diese besondere Stille, in der selbst der Wind nur flüstert, als wolle er die Meditation der Landschaft nicht stören. 

Wer hier wandert, begreift schnell: In Likir misst man Entfernungen nicht in Kilometern, sondern in Eindrücken. Jeder Pass, den man erklimmt, schenkt nicht nur einen neuen Ausblick, sondern auch eine neue Perspektive. Die Erde knirscht unter den Wanderschuhen, die Gebetsfahnen flüstern ihre Mantras - und plötzlich weiß man: Dies ist einer dieser seltenen Orte, an denen man nicht nur ankommt, sondern auch zu sich selbst findet. 

Ein Schatz? Ja. Aber nicht einer, den man einfach sieht. Sondern einer, den man in sich trägt, lange nachdem die Wanderschuhe wieder im Schrank stehen. 

Likir in 3'700 m Höhe. Im Hintergrund die Schneeberge der 7'000-er.In Hemis Shukapachen wird ein grosser Buddha errichtet.Handwerker und Maler arbeiten an der Figur.Die Nase wird retuschiert.Überall, in jedem Haus, hat es die Gebetsmühlen. Diese dreht man immer im Urzeigersinn.Stupas, wo man hinschaut.Stupas sind spirituelle Bauwerke aus geometrischen Figuren.LB20150707Likir (30)LB20150707Likir (33)LB20150707Likir (35)




2015.07 - Leh und Umgebung - wo Geschichte und Moderne aufeinandertreffen

Vor vielen Jahrhunderten war Leh eine pulsierende Stadt an der alten Karawanenroute der berühmten Seidenstraße, die China mit dem Westen verband. Die Stadt war ein wichtiger Handelsknotenpunkt, wo Händler aus aller Welt zusammenkamen, um Waren, Ideen und Kulturen auszutauschen. Heute ist Leh zwar vor allem eine Militärbasis und ein touristisches Zentrum, aber der Charme seiner glorreichen Vergangenheit ist noch immer spürbar.

Die sich windenden Straßen im Ort laden zum gemütlichen Schlendern ein. Hier findet man eine Mischung aus traditionellen ladakhischen Häusern, kleinen Läden, die handgefertigte Souvenirs anbieten, und gemütlichen Cafés, die sowohl lokale als auch internationale Küche servieren. Die Atmosphäre ist entspannt, und die Faszination, die von diesem Ort ausgeht, ist unverkennbar.

Leh liegt etwa 10 Kilometer nordöstlich des Indus in einem fruchtbaren Seitental. Die umliegende Landschaft ist atemberaubend: schneebedeckte Gipfel, grüne Täler und der mächtige Indus, der sich durch die Region schlängelt. Die Nähe zum Fluss macht das Tal besonders fruchtbar, und man findet hier üppige Gärten und Felder, die einen starken Kontrast zu den kargen Bergen bilden.

Ein Besuch in Leh ist nicht komplett ohne einen Abstecher zum beeindruckenden Leh-Palast, der hoch über der Stadt thront und einen atemberaubenden Blick über das Tal bietet. Auch das nahegelegene Kloster Sankar und das Shanti Stupa sind einen Besuch wert und bieten Einblicke in die reiche buddhistische Kultur der Region.




Das Kloster Hemis - ein verstecktes Juwel in Ladakh

Das Kloster Hemis, eines der bedeutendsten und reichsten Klöster Ladakhs, wurde Anfang des 17. Jahrhunderts vom Mönch Tagtsang Repa im Auftrag von König Sengge Namgyal gegründet. Es liegt versteckt in einem abgelegenen Seitental, fernab der Hauptwege - eine strategische Lage, die es vor Plünderungen bewahrt hat. Dank dieser Isolation konnte Hemis seinen Reichtum über die Jahrhunderte hinweg bewahren, auch wenn man diesem Schatz von außen nichts ansieht.

Der Klosterkomplex wirkt auf den ersten Blick eher schlicht und unauffällig. Doch hinter seinen Mauern verbirgt sich eine wahre Schatzkammer an kostbaren Ritualobjekten, kunstvollen Statuen und prächtigen Wandmalereien. Die Innenräume sind mit farbenfrohen Thangkas (religiösen Rollbildern), vergoldeten Buddha-Statuen und filigranen Ritualgegenständen geschmückt, die die reiche buddhistische Tradition und Handwerkskunst Ladakhs widerspiegeln.

Hemis ist nicht nur für seinen materiellen Reichtum bekannt, sondern auch für sein jährliches Hemis-Festival, das Tausende von Besuchern anzieht. Während des Festivals, das zu Ehren des Geburtstags von Guru Padmasambhava, dem Begründer des tibetischen Buddhismus, gefeiert wird, verwandelt sich das Kloster in einen Ort voller Musik, Tanz und farbenfroher Rituale. Die Mönche führen traditionelle Cham-Tänze auf, bei denen sie kunstvolle Masken und Kostüme tragen, um böse Geister zu vertreiben und Glück zu bringen.

Die abgeschiedene Lage des Klosters verleiht ihm eine besondere Atmosphäre der Ruhe und Spiritualität. Umgeben von schroffen Bergen und der Stille des Tals, fühlt man sich hier wie in einer anderen Welt - einer Welt, in der Zeit stillzustehen scheint und die spirituelle Energie fast greifbar ist.

Ein Besuch in Hemis ist nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine Begegnung mit der lebendigen Kultur und Spiritualität Ladakhs. Es ist ein Ort, der zeigt, dass wahre Schätze oft im Verborgenen liegen - und dass man manchmal genau hinschauen muss, um ihre Schönheit zu entdecken.

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Stakna Monastery - ein bhutanisches Erbe in Ladakh

Das Stakna Monastery wurde im späten 16. Jahrhundert von einem buddhistischen Heiligen aus Bhutan gegründet - Chosje Jamyang Palkar. Sein Name ist eng mit der Geschichte dieses Klosters verbunden, das auf einem Hügel thront und einen atemberaubenden Blick über das Indus-Tal bietet. Der Name "Stakna" bedeutet übrigens "Tigernase" und bezieht sich auf die Form des Hügels, auf dem das Kloster erbaut wurde.

Stakna ist ein kleines, aber bedeutendes Kloster, das der Drukpa-Schule des tibetischen Buddhismus angehört. Diese Schule hat ihre Wurzeln in Bhutan, was das Kloster zu einem besonderen Ort der Verbindung zwischen Ladakh und Bhutan macht. Die Architektur des Klosters ist typisch für die Region, mit weißen Mauern, bunten Gebetsfahnen und einem goldenen Dach, das in der Sonne glänzt.

Das Kloster beherbergt eine Sammlung von religiösen Kunstwerken, darunter kostbare Thangkas (Rollbilder), Statuen und Ritualgegenstände. Besonders beeindruckend ist die Statue von Arya Avalokiteshvara, einer Verkörperung des Mitgefühls, die als eine der wichtigsten Reliquien des Klosters gilt.

Ein Besuch in Stakna ist wie eine Reise in die Vergangenheit - eine Gelegenheit, die Geschichte und Kultur Ladakhs hautnah zu erleben und die spirituelle Energie dieses besonderen Ortes zu spüren. Es ist ein Ort, der zeigt, wie eng die buddhistische Tradition in der Himalaya-Region miteinander verbunden ist - und wie viel es zu entdecken gibt, wenn man den Blick über die Grenzen schweifen lässt.



Thiksey Monastery - ein Stück Tibet in Ladakh

Das Thiksey Monastery, das oft mit dem berühmten Potala-Palast in Lhasa verglichen wird, ist eines der beeindruckendsten und fotogensten Klöster Ladakhs. Auf einem Hügel gelegen, bietet es nicht nur einen atemberaubenden Blick über das Indus-Tal, sondern auch einen Einblick in die reiche Geschichte des Buddhismus in der Region.

Die Geschichte von Thiksey reicht zurück ins 15. Jahrhundert und ist eng mit der Gelugpa-Schule des tibetischen Buddhismus verbunden. Tsongkhapa, der Gründer der Gelugpa-Schule, sandte seinen Schüler Sherab Sangpo nach Ladakh, um den Buddhismus zu fördern. Sherab Sangpo überbrachte dem König von Ladakh eine kleine Statue von Tsepame, dem Buddha des grenzenlosen Lebens, und baute 1433 den ersten Tempel der Gelugpas bei Stagmo.

Später, Mitte des 15. Jahrhunderts, gründete Palden Sangpo, ein Schüler Sherab Sangpos, das Kloster Thiksey. Das Kloster wurde im Laufe der Jahrhunderte erweitert und beherbergt heute eine beeindruckende Sammlung von religiösen Kunstwerken, darunter kostbare Thangkas (Rollbilder), Statuen und Manuskripte. Besonders bemerkenswert ist der 15 Meter hohe Maitreya-Buddha, der in einer eigens dafür errichteten Halle steht und Besucher aus aller Welt anzieht.

Thiksey ist nicht nur ein Ort der Spiritualität, sondern auch ein lebendiges Zentrum der buddhistischen Lehre. Die Mönche, die hier leben, studieren und praktizieren die Lehren des Buddha und halten die Traditionen der Gelugpa-Schule lebendig.

Ein Besuch in Thiksey ist wie eine Reise in die Vergangenheit - eine Gelegenheit, die Schönheit und Spiritualität des tibetischen Buddhismus hautnah zu erleben. Die Architektur, die Kunst und die friedliche Atmosphäre machen Thiksey zu einem unvergesslichen Ort, der die Herzen der Besucher berührt und den Geist inspiriert.

Thiksey ist nicht nur ein Kloster - es ist ein Symbol der Verbindung zwischen Ladakh und Tibet, ein Ort, der die reiche Geschichte und Kultur des Buddhismus bewahrt und lebendig hält. Es ist ein Ort, den man gesehen haben muss, um die wahre Schönheit Ladakhs zu verstehen.



Shey Palace und Monastery - ein königliches Erbe und ein gigantischer Buddha

Das Shey Palace und das dazugehörige Kloster sind historische Juwelen in Ladakh, die tief in der Geschichte und Kultur der Region verwurzelt sind. Der Shey Palace, einst die Sommerresidenz der Könige von Ladakh, thront auf einem Hügel und bietet einen beeindruckenden Blick über das Indus-Tal. Obwohl der Palast heute größtenteils in Ruinen liegt, strahlt er noch immer den Charme und die Majestät vergangener Zeiten aus.

Das Shey Monastery, das sich in der Nähe des Palastes befindet, ist vor allem für seine gigantische Buddha-Statue bekannt. Diese Statue, die über drei Stockwerke hoch ist, ist eine der größten und beeindruckendsten in ganz Ladakh. Sie stellt Shakyamuni Buddha dar und ist aus Kupfer gefertigt, das mit Blattgold überzogen ist. Die Statue ist nicht nur ein Meisterwerk der Handwerkskunst, sondern auch ein Symbol der tiefen Spiritualität und Hingabe der Menschen in Ladakh.

Das Kloster selbst ist ein Ort der Ruhe und Kontemplation. Die Wände sind mit farbenfrohen Wandmalereien geschmückt, die Szenen aus dem Leben des Buddha und andere religiöse Motive darstellen. Die Atmosphäre ist friedlich und einladend, und man spürt die spirituelle Energie, die diesen Ort durchdringt.

Ein Besuch in Shey ist wie eine Reise in die Vergangenheit - eine Gelegenheit, die Geschichte und Kultur Ladakhs hautnah zu erleben. Der Palast und das Kloster sind nicht nur Zeugnisse der königlichen Vergangenheit, sondern auch lebendige Zentren der buddhistischen Tradition.

Die gigantische Buddha-Statue ist zweifellos das Highlight eines Besuchs in Shey. Sie erinnert daran, dass die wahre Größe nicht in der physischen Höhe liegt, sondern in der Tiefe der Spiritualität und der Hingabe, die sie repräsentiert. Shey ist ein Ort, der die Herzen der Besucher berührt und den Geist inspiriert - ein Muss für jeden, der Ladakh besucht.