2015.07 - New Delhi & Srinagar in Kashmir
Unser zweites (erstes hier) Abenteuer in Indien begann mit einem Flug von Bangkok nach New Delhi. Die etwa 4½-stündige Reise bot genug Zeit, um sich mental auf das Land der Gegensätze vorzubereiten. Wir kannten Indien bereits von unserer Reise durch Rajasthan im Dezember 2008, und wir wussten: Indien ist kein einfaches Reiseland. Hier herrscht eine Art "freundschaftlicher Wettbewerb" - ein charmantes Ringen um alles, vor allem um jede Rupie, das mit einer gewissen Entschlossenheit geführt wird. Um diesen organisatorischen Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, hatten wir unsere gesamte Reise von unserem Freund Shafi organisieren lassen. Das brachte uns gleich mehrere Vorteile:
Wir können wirklich jedem empfehlen, nicht auf eigene Faust und mit Rucksack durch Indien zu reisen - es sei denn, man sucht das Abenteuer in seiner intensivsten Form.
Unser erster "freundschaftlicher Wettbewerb" erwartete uns bereits bei der Gepäckausgabe in New Delhi. Die Inder stehen hier alle direkt an der Rollbahn, und als Ausländer ist es fast unmöglich, sein Gepäck zu ergattern, ohne sich durch die Menge zu schlängeln. Es sei denn, man ist gebürtiger Inder - dann geht es relativ einfach. Man drängt sich mit dem angeschnallten Rucksack durch die Masse, dreht sich ein paar Mal um die eigene Achse, und schon gibt es plötzlich Platz in Hülle und Fülle. So funktioniert das hier. Man könnte fast meinen, es handelt sich um eine choreografierte Tanzperformance - nur ohne Musik und mit viel mehr Gepäck.
Der nächste Schauplatz des "freundschaftlichen Wettstreits" folgte prompt am Schalter der Immigration. Wir waren die Ersten, die sich dort einfanden, und alles lief zunächst reibungslos - bis der Beamte bemerkte, dass wir auf dem Einreiseformular kein Hotel angegeben hatten. Nun gut, wir versuchten zu erklären, dass wir vom Fahrer unseres Freundes abgeholt würden und den Namen des Hotels nicht kannten. Doch wie das in Indien so ist: Wenn ein Feld auf dem Formular existiert, muss es auch ausgefüllt werden. Und wenn dort nichts steht, gibt es keine Einreise. Punkt. Ich bin mir sicher, man hätte einfach "Zoll-Volltrottel Palace Deluxe Hotel, New Delhi" eintragen können, und die Welt wäre in Ordnung gewesen … Aber ich traute mich natürlich nicht, diesen kreativen Namen einzutragen. Stattdessen gaben wir das letzte Hotel unserer Reise in Leh an - und siehe da, wir durften einreisen. Fast. Denn dann folgte eine theaterreife Episode mit der Aufnahme meiner Fingerabdrücke. Zur Belustigung der sich hinter mir bildenden Schlange schaffte es das Hightech-Gerät erst beim fünften Versuch, meine Fingerabdrücke an den Computer zu übermitteln. Ich fühlte mich wie ein Kandidat bei "Wer wird Millionär?", nur ohne Geldgewinn.
Draußen erwartete uns bereits der Fahrer von Shafi, der unseren Namen auf einem Plakat hochhielt. Er führte uns zum Kleinbus - und siehe da: Keine Diskussion über den Preis, kein Feilschen, kein Stress. Das war unser erstes Highlight in diesem Land. Der kleine, aber kräftige Nepalese startete den Motor, und wir fuhren los - direkt hinein in das Chaos von Delhi. Die Fahrweise hier ist schlicht unvorstellbar. Jeder Millimeter wird erkämpft, gefahren wird, als gäbe es kein Morgen, und die Hupe scheint im Dauerbetrieb zu sein. Es fühlte sich an wie eine Mischung aus Achterbahnfahrt und Tetris - nur mit mehr Hupen und weniger Punkten. Trotz der höllischen Fahrt erreichten wir wohlbehalten unser Hotel, wo wir endlich unseren Freund Shafi trafen.
Am nächsten Morgen ging es weiter nach Srinagar, in die malerische Region Kashmir. Der Flug dorthin war ein weiteres Abenteuer, aber das ist eine Geschichte für sich …
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Nächster Tag: Eine Moschee, Schokolade und unerwartete Begegnungen
Am nächsten Tag ging es weiter um den Dal-See herum. Zusammen mit Showkat, dem Bruder von Shafi, besuchten wir eine der ältesten Moscheen in Kaschmir. Während Showkat und Nathalie gemütlich um die Moschee spazierten, beschäftigte ich mich damit, das Gebäude trotz des schlechten Lichts bestmöglich in die Kamera zu bekommen. Das Gebet schien vorüber zu sein, die Lautsprecher waren ruhig, und langsam strömten die Männer aus dem Gebäude.
Plötzlich kam ein älterer Mann mit der typischen kleinen Kappe und natürlich einem Bart aus einer Gruppe auf mich zu. Er musterte mich kurz und fragte: "Israeli?" Mann, oh Mann, hier vergeht wirklich keine Stunde ohne Abenteuer. Ich schüttelte den Kopf und sagte: "Nee, nee, Switzerland." Da ich mir nicht sicher war, ob er das richtig verstanden hatte, fügte ich schnell hinzu: "Chocolate." Und siehe da - sein Gesicht hellte sich auf, und ein breites Lächeln erschien. Er nahm meine rechte Hand in beide seiner Hände und bedankte sich herzlich. Wofür genau? Vielleicht dafür, dass ich kein Israeli war. Er kehrte zu seiner Gruppe zurück, und nach ein paar Worten lächelten mir alle dankbar zu. Als besondere Geste durfte ich sogar durch ein Fenster einen Blick ins Innere der Moschee werfen - natürlich nach einer kleinen Spende von 50 Rupien.
Fazit des Tages:
So endete dieser Tag mit einer Mischung aus kulturellen Einblicken, unerwarteten Begegnungen und der Erkenntnis, dass manchmal ein simples Wort wie "Chocolate" Türen öffnen und Herzen gewinnen kann. Kaschmir bleibt eben ein Land der Überraschungen - und das macht es so unvergesslich.
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