2013.07 - Malaysia, Sabah
 
 

2013.07 - Kota Kinabalu, Sabah

Unser Abschied von der Insel Tiga wurde mit einem magischen Moment belohnt: Kurz nach Sonnen­auf­gang erhob sich der Mount Kinabalu vor uns - mit stolzen 4.100 Metern der höchste Berg Süd­ost­asiens. Normalerweise versteckt sich das mächtige Massiv tagsüber hinter einer undurchdringlichen Wolkendecke, doch an diesem Morgen schenkte es uns einen unverstellten Blick auf seine schroffe Silhouette. Ein echter Glücksmoment! 

Vor Kota Kinabalu ankerten wir friedlich vor der Sutera Harbour Marina and Country Club - ein ruhiger und praktischer Spot, von dem aus wir mit unserem Beiboot bequem an Land gelangten. Und das Beste? Keine Liegegebühren! Die Umgebung ist zwar touristisch perfekt erschlossen, doch wer hier Hotelluxus erwartet, wird schnell feststellen: Die mondänen Resorts könnten genauso gut in Dubai, Miami oder an der Costa del Sol stehen. Nur der etwas bemühte Zen-Klangteppich in der riesigen Lobby vom Sutera Harbour Resort erinnert daran, dass wir uns nicht im Mittelmeer, sondern auf Borneo, der drittgrößten Insel der Welt, befinden. 

Freilich hat dieser "Pseudo-Exotismus" seinen Preis - ein Kaffee kostet hier schnell mal fünf Franken. Dafür darf man sich dann im Pool die Flossen anziehen und so tun, als schnorchele man im Südchinesischen Meer. Oder, für die ganz Abenteuerlustigen, gibt es sogar einen miniaturisierten, bewachten Strandabschnitt - immerhin!
😉 

Doch wir zogen weiter - Richtung Kudat. Begleitet wurden wir eine Weile vom Katamaran "Daedalus Too", bis wir an zwei traumhaften Ankerplätzen Halt machten: Teluk Ambong (06°18’N / 116°18’E) mit seiner stillen Bucht und Palau Kulambok, wo das Wasser so klar war, dass wir fast vergaßen, wieder aufzubrechen. 





2013.07 - Kudat, Sabah

Wer glaubt, Segeln im Nordosten Borneos sei eine entspannte Angelegenheit, wird schnell eines Besseren belehrt. Zwar herrscht oft windstille Flaute, doch das Wetter spielt hier sein eigenes Spiel: Wolken explodieren förmlich am Horizont, und binnen Minuten kann sich das gesamte Bild ändern. Auch das Ankern ist eine Wissenschaft für sich - nicht nur, weil unsere Seekarten mehr künstlerische Interpretation als präzise Navigationstools zu sein scheinen. 

Man sucht sich einen ruhigen Ankerplatz, wo der Wind ablandig weht, nur um mitten in der Nacht von 30 Knoten Gegenwind überrascht zu werden. So geschehen bei Tigabu Island (06°53’N / 117°29’E), wo wir bei pechschwarzer Nacht und tückischem Wellengang schleunigst die Seite wechseln mussten. Ein Adrenalinkick der maritimen Art - Anker einholen, während das Schiff wild schlingert, ist kein Vergnügen, sondern Überlebensmodus

Doch die größte Überraschung erwartete uns bei der Insel Lankayan: Laut Karte sollten wir 23 Meter Wassertiefe haben - bis das Echolot plötzlich 3 Meter anzeigte! Sofortige Kehrtwende. Heute weiß ich, wozu die AIS-Seezeichen gut sind: Wenn sie nicht mit der Karte übereinstimmen, ist letztere schlicht falsch. In unserem Fall lag sie eine Viertel Seemeile daneben - eine charmante Erinnerung daran, dass Technik nicht immer Recht hat. 


Kudat - Diebstahlwarnungen und unerwartete Gastfreundschaft

An der nördlichsten Spitze Borneos gelegen, ist Kudat kein Ort für müde Gemüter. Die Segler der "Malaysia-Rally" drängelten sich eng aneinander vor der Mini-Marina, während wir die weite Bucht vor der Stadt vorzogen. Kaum ankerten wir, hagelte es Funkwarnungen: "Achtung, Außenborder-Diebstahl im Minutentakt!"

Doch trotz aller Mahnungen wagten wir uns in die Stadt - und parkten unser Beiboot kurzerhand am Polizeisteg. Auf dem Rückweg lud uns ein Rally-Segler zum "Sun-Downer" ein. Drei Stunden später waren wir bestens über seine Behördengänge informiert - und froh, sein Schiff wieder verlassen zu dürfen. 

Und unser Yamaha-15-PS-Motor? Trotz aller Warnungen sauber angekettet und unversehrt! Natürlich nehmen wir die Risiken ernst - aber manchmal ist die Realität gnädiger als der Ruf

Da Kudat nicht gerade zum Längerverweilen einlädt, segelten wir bei Tagesanbruch mit einer sanften Brise weiter - Richtung Insel Banggi, wo neue Abenteuer warteten. 





2013.07  - Sandakan, Sabah

Nach drei Tagen, in denen uns das Wetter mal als sanfte Brise, mal als wütender Seegott begegnete, erreichten wir endlich Sandakan - eine Stadt, deren Name so melodisch klingt wie ihr Charme eigenwillig ist. Der perfekte Ankerplatz lag direkt vor dem örtlichen Yacht-Club, wo wir nach kurzem Verhandeln statt der offiziellen 100 RM pro Woche stolze 50 RM hinblätterten. Ein fairer Deal, denn die Lage war unschlagbar: In nur fünf Minuten spazierten wir ins quirlige Zentrum mit seinen unzähligen chinesischen Läden - einem Labyrinth voller Rätsel und Überraschungen. 

Hier herrscht das Gesetz der kreativen Alternative: Frage nicht nach dem, was du suchst, sondern freue dich über das, was du findest! Wollten wir Batterien eines bestimmten Typs, bot man uns stattdessen farbenfrohe Plastikschüsseln an. Suchten wir Seil, hieß es nur: "No have" - gefolgt von einem energischen "But this one good!" und einem völlig anderen Gegenstand, den wir nie gebraucht hatten, aber plötzlich unbedingt wollten. So ist das hier: Einkaufen ist kein Geschäft, sondern eine kulturelle Improvisationskunst

Der Yacht-Club selbst war die ruhige Oase im Trubel - mit dem obligatorischen Hafenbar-Wispern über Diebstähle und nächtliche Unruhen. Doch nach unseren Kudat-Erfahrungen winkten wir nur lächelnd ab. Unser Boot blieb unangetastet, und wir genossen stattdessen die exotische Symphonie aus Motorboot-Geknatter, Marktgeschrei und dem gelegentlichen "No have!", das wie ein Running Gag durch die Gassen hallte. 








2013.07 - Semporna & Mabul, Sabah

Unser "Segeltörn" von Sandakan nach Semporna entwickelte sich zu einer motorbetriebenen Schachpartie gegen den Wind - die Anzeige schien sich verschworen zu haben, uns stets direkt in die Böen zu lotsen. Doch wenigstens blieben uns größere tropische Gewitter erspart, was wir angesichts des kommenden Abenteuers als gutes Omen werteten. 


Semporna: Wo Chaos Charme bedeutet 

Die Hafenstadt Semporna - ein pulsierendes Labyrinth aus Wasserstraßen und Lebensfreude - erwies sich als perfekte Verkörperung dessen, was wir auf Reisen lieben: authentisch, freundlich und herrlich ungeordnet

Die Stadt krallt sich zwischen zwei Inseln an einen Kanal, dessen Herz der Marktplatz ist. Hier herrscht ein permanentes Schauspiel: Hunderte klappriger Boote rasen in Höchstgeschwindigkeit (und Höchstlautstärke) von allen Richtungen herbei, während sich in den Stelzenhäusern über dem Wasser ein Gewimmel aus Händlern, Schaulustigen und Mittagsschläfern entfaltet. Durchzukommen? Ein hoffnungsloses Unterfangen

An Land setzt sich das Spektakel fort: Malaysias Liebe zum Automobil zeigt sich in aufgemöbelten Rostlauben - Alufelgen hier, Sportaufkleber dort - während die Moschee gelassen über dem Trubel thront. Während des Ramadan hallten die Gebete überraschend dezent aus den Lautsprechern - bis heute Morgen eine Tsunami-Sirene dazwischenfuhr. 

Die Reaktion der Einheimischen? Null
Unser Besuch im Tourist-Office klärte wenig: "Vielleicht nur ein Test? Bei echten Tsunamis rufen wir an!" 
Glücklicherweise blieb die große Welle aus - entweder ein Fehlalarm oder Sempornas Chaos-Resilienz schreckt selbst Naturgewalten ab. 


Mabul: Tauchparadies mit Donnergrollen
 

Am nächsten Tag ging es 15 Seemeilen südwärts zur Insel Mabul, einem Tauchermekka mit Palmenschirmen und Pfahlbauten über türkisem Wasser. Wir nutzten die Gelegenheit, nicht nur die Unterwasserwelt, sondern auch unser Bootsrumpf von Bewuchs zu befreien - zwei Stunden Putzen im größten Aquarium Sabahs

Doch Mabul zeigte auch seine wilde Seite: Nachts peitschte ein Gewitter mit 35-Knoten-Böen über uns hinweg. Zum Glück hielt der Anker zwischen den Strandresorts und dem "Seaventures"-Hotel (einem umgebauten Ölplattform-Rig) stand. Die Crew dort erwies sich als rettende Engel - sie füllten unsere Tauchflaschen auf, ohne mit der Wimper zu zucken. 


Nächste Etappe: Tawau & Indonesien

Von Mabul aus zieht es uns weiter zur Grenzstadt Tawau, wo wir hoffen, den Papierdschungel für die Einreise nach Indonesien zu bezwingen. Wenn die Bürokratie dort nur halb so aufregend ist wie Sempornas Straßen, wird es ein unvergessliches Abenteuer





2013.07 - Tawau, Sabah, Borneo: Visums-Chaos & Hari Raya-Freuden


Tawau - die letzte Bastion Malaysias vor Indonesien - empfing uns mit zwei Dingen: bürokratischem Labyrinth und unverhoffter Festtagsstimmung. Eine kuriose Mischung, die dieser Grenzstadt ihren ganz eigenen Rhythmus verleiht. 



Das große Visumsspiel

 

Unser Ziel: Das begehrte Indonesien-Visum. Doch der Weg dorthin gleicht einer Schnitzeljagd durch Amtsschimmel-Land ...

  • Agent Nr. 1 (kein Geheimdienstler, aber fast so mysteriös) besorgt uns einen Sponsor Letter und CAIT fürs Schiff.
  • Mit diesen Zauberdokumenten darf sich Agent Nr. 2 in Tarakan um die Einklarierung kümmern. Kostenpunkt: 200 USD - doch das ist uns jedes Cent wert. Indonesien bleibt einfach das Traumziel schlechthin

Eigentlich wollten wir ostwärts nach Sulawesi und zu den Molukken segeln. Doch der Windgott zeigt sich als launischer Spielverderber: Statt der ersehnten 20 Knoten Westwind herrscht oft gähnende Flaute. Sollten wir wirklich die direkte (und langweilige) Motorroute nach Bali wählen? "Inshallah", wie man hier sagt - mal sehen, was das Wetter entscheidet



Tawau: Charme statt Sightseeing

 

Mit 150.000 Einwohnern ist Tawau keine Postkartenidylle, aber ihre herzliche Atmosphäre macht alles wett. Die Menschen hier lächeln, als hätten sie das Geheimnis der Zufriedenheit entdeckt - und vielleicht haben sie das ja. 


Doch das wahre Highlight: Hari Raya Aidilfitri, das Fest zum Ende des Ramadan! Für uns bedeutet das: 

  • Endlich wieder tagsüber geöffnete Restaurants
  • Tawaus legendäre Seafood-Tempel (die besten in ganz Sabah!) können wir nun ohne Fasten-Bremse stürmen. 
  • Drei nationale Feiertage, an denen die Stadt in bunte Familienfeste getaucht ist. 


Segel-Glück mit dem Tawau Yacht Club


Der TYC hält, was sein Ruf verspricht: "Großartige Gastfreundschaft, gutes Essen, billiges Bier!" Mr. Tan, der Manager, und seine Crew behandelten uns wie VIPs - und wir revanchierten uns mit einer Mini-Segeltour für Clubmitglieder. 


An Bord der "NatHape"; 

  • 18 Passagiere (inklusive neugieriger Segelkinder) 
  • 2 Stunden Sonnenschein & Wind (ein Wunder!) 
  • Strahlende Gesichter - die Fotos beweisen: Es war magisch! 

Selbst in dieser Hafenstadt ohne Sightseeing-Punkte fanden wir pure Freude - in der Kombination aus amtlichem Papierkrieg, kulinarischen Festgelagen und ungeplanten Begegnungen. 







2013.08 - Sandakan-Yachtclub: Ein Abenteuer in Gelassenheit


Als wir vor dem Yacht-Club in Sandakan ankerten, wussten wir: Gleich werden wir freundlich empfangen - inklusive der Möglichkeit, einen temporären Mitgliedsbeitrag zu entrichten. Die 100 Ringgit für eine Woche plus 10 Ringgit pro Tag für die Clubnutzung sind eigentlich ein fairer Deal, auch wenn wir diesmal nur unser Beiboot an einem der stabilen Pfähle festmachen wollten. 


Die Situation:

Sandakan ist eine Stadt am Wasser, doch ruhige Anlegestellen sind rar. Selbst Einheimische müssen manchmal kreativ werden, wenn sie mit ihren Booten zum Einkaufen fahren. Der Yacht-Club bietet hier eine praktische Lösung - und wer weiß, vielleicht probieren wir beim nächsten Mal ja doch mal den Pool aus (der übrigens ganz charmant an ein natürliches Waldbad erinnert). 


Eine kleine Begegnung:

Als wir gerade unser Boot sicher vertäuten, kam tatsächlich ein freundlicher Angestellter auf uns zu. Nathalie erwähnte beiläufig, wie gut ihm seine Uniform steht - und siehe da, das Gespräch verlief gleich viel entspannter! Es ist immer wieder schön zu sehen, wie kleine Gesten die Stimmung verbessern können. 


Gelassen warten:

Unser Mietwagen ließ etwas auf sich warten, aber was ist schon eine Stunde in einem Land, in dem Zeit manchmal anders tickt? Wir nutzten die Pause, um uns im Club umzusehen, und wurden sogar von einigen Mitgliedern nett begrüßt. Und dann das Highlight: Diesel für unglaubliche 60 Rappen pro Liter! Der Tankwart war so hilfsbereit, dass er sogar mehrere unserer Kanister nacheinander befüllte - eine kleine Gefälligkeit, die uns den Tag versüßte. 


Fazit:

Manchmal geht es nicht darum, alles perfekt zu planen, sondern einfach die schönen Momente zu genießen - die netten Begegnungen, die unerwarteten Gefälligkeiten und die Gelassenheit, mit der hier alles passiert. Sandakan hat uns einmal mehr gezeigt: Es sind die kleinen Dinge, die eine Reise besonders machen. 



Frühes Aufbrechen & kleine Abenteuer: Von Sandakan zur nächsten Bucht


In der Morgendämmerung verließen wir Sandakan - und wurden prompt ein zweites Mal von den philippinischen Behörden in malaysischen Gewässern per Funk kontrolliert. Ein kurioses Ritual, aber der Beamte am anderen Ende war so freundlich wie Nathalies Antworten. Manchmal fragt man sich: "Haben die unsere Silhouette so lieb gewonnen?" 


  • Navigation mit Hindernissen  ... Die Fahrt führte uns an unzähligen Fischfallen vorbei - eine davon fast hautnah (aber zum Glück nur fast!). Um 15 Uhr warfen wir schließlich den Anker, um unsere Dieselfilter zu checken. Die Sache mit dem vermeintlichen Wasser im Tank (vom Tanken in Tawau) beschäftigte uns noch - doch die Filter waren zum Glück in Ordnung. Trotzdem steht "Tankboden absaugen" jetzt auf unserer To-Do-Liste.

 

  • Ein Abend mit Naturgewalt  ... Dann kam das Wetter. Plötzlich peitschten 30 Knoten Wind und Regen über uns hinweg - nichts Gefährliches, aber doch eine Erinnerung daran, wie klein wir gegen die Elemente sind. Als dann noch ein Fischerboot direkt hinter uns ankerte, atmeten wir erleichtert auf: "Dann sind wir hier wohl richtig". In diesen unbekannten Gewässern ist jede Ankerwahl ein kleines Rätselspiel. Die Winde drehen gerne mal 180 Grad, und plötzlich liegt man nicht mehr in der geschützten Lee-, sondern auf der windgepeitschten Luv-Seite.






2013.08 - Nasenaffen-Ballade in Sandakan: Wer hat hier die Größte?


In Sandakans Labuk Bay Proboscis Monkey Sanctuary erlebten wir eine tierische Comedy-Show der Extraklasse - präsentiert von Borneos berühmtesten Schnabelträgern: den Nasenaffen. Diese Herren der Schöpfung (besonders die Männchen) tragen ihre fleischigen Riechkolben mit dem Stolz eines Hollywood-Stars, der gerade den Oscar für "Beste Nase in einer Hauptrolle" gewonnen hat. 


Die Faktenlage: 

  • Die Damen bevorzugen zierliche Stupsnasen (wie überall auf der Welt). 
  • Die Herren dagegen: Je länger, desto besser! Ihre hängenden Riechorgane können bis zu 10 cm lang werden - ein evolutionärer Wink mit dem Zaunpfahl: "Schau her, ich habe genug Luft für laute Warnrufe - und bestimmt auch für andere Dinge!" 

Bei der Fütterung entpuppten sie sich als dramatische Gourmets

  • Erstens: Blätter mustern wie ein Sternekoch sein Menü. 
  • Zweitens: Lautstark über die Qualität des Salats meckern ("Hmpf, heute wieder nur Mangroven?"). 
  • Drittens: Mit vollem Mund balzend von Ast zu Ast hüpfen - als ob sie rufen: "Schatz, ich könnte dir SO viele Blätter besorgen!" 

Das Highlight? Ein junger Hahn versuchte verzweifelt, seine Mini-Nase aufzublähen, während die Alpha-Männchen ihn mitleidig musterten. "Warte nur, Kleiner… in ein paar Jahren bist du dran!" 



Fazit: Wenn jemand behauptet, Größe wäre egal - er hat noch nie Nasenaffen beim Dating beobachtet. 😉 

P.S.: Die Geräuschkulisse erinnerte an eine Mischung aus Schnarchkonzert und übertriebenem Schmatzen - Natur pur!



 






2013.08 - Kurswechsel: Von Borneo nach Palawan


Früher waren wir jung, dynamisch und flexibel - heute sind wir... nun ja, erfahren. Aber flexibel geblieben sind wir! So flexibel, dass wir kurzerhand unsere Pläne um 180 Grad drehten: Statt gen Süden nach Indonesien segeln wir nun nach Norden - zur philippinischen Trauminsel Palawan. Der Wind spielte nicht mit, die Zeit drängte, und die Molukken schienen uns einfach nicht zu wollen. Doch egal: Palawan gilt als eine der schönsten Inseln der Welt - wer würde da nein sagen? 



Rückkehr nach Norden: Von Mabul bis Semporna 

 

Unsere Route führte uns zunächst zurück nach Pulau Mabul, wo wir das kristallklare Wasser nutzten, um unsere fast erschöpften Trinkwasservorräte mit einigen hundert Litern aufzufrischen. Der Wassermacher lief auf Hochtouren - ein Segen in dieser tropischen Hitze. 


Dann wieder Semporna - diese chaotisch-charmante Stadt, die unsere Freunde vom Tawau Yacht Club nicht verstehen können. "Dort gab es doch erst im März eine Schießerei!", meinten sie besorgt. Doch wir erlebten nur freundliche Gesichter, winkende Bootsfahrer und eine fast schon übertriebene Höflichkeit. Selbst als sich im Kanal ein Plastiksack um unseren Propeller wickelte, kam Hilfe in Form einer überraschenden Brise - der Wettergott schien uns heute wohlgesonnen. Wir segelten weiter, ankerten vor der Stadt, befreiten den Propeller und machten uns auf zur Insel Maiga


Dort erwartete uns ein kleines Abendritual: Während uns Kokosnüsse für den Sundowner fehlten, tauchte wie bestellt ein Einheimischer mit seinem Sohn auf. 20 Ringgit für zwei Nüsse!, rief er. Nach etwas Verhandeln (2 Ringgit sind fair!) bekamen wir drei Stück - eine sogar schon geöffnet. Der Mann lachte, wir lachten - so einfach kann Glück sein. 



Begegnungen auf See: Die "Sail Malaysia Rally"


50 Seemeilen vor Sandakan kreuzten wir wieder die Route der "Sail Malaysia - Passage to the East" Rally. Diesmal segelten die Teilnehmer in die entgegengesetzte Richtung - nach Tawau, begleitet von Militärschiffen und Journalisten. Was für ein Kontrast zu unserem eigenen Weg! 


Für uns ist diese Art des Reisens fremd

  • Gruppenzwang statt Freiheit
  • Militäreskorte statt Eigenverantwortung 
  • Abenteuer auf Bestellung statt spontaner Entdeckungen 

Dabei ist die Gegend sicherer denn je - dank der ständigen Präsenz von Marine und Polizei. Und während die Rally-Teilnehmer ihre "gefährliche Expedition" zelebrieren, tummeln sich hier Taucher, Backpacker und Einhandsegler - ganz ohne Begleitschutz, aber mit jeder Menge Lebensfreude. 



Fazit: Unser Weg ist der richtige

Wir segeln ohne Rally, ohne Stress, ohne vorgeschriebene Route - und das ist genau so, wie wir es lieben. Freiheit bedeutet für uns, selbst zu entscheiden, wann wir wo anhalten, und wann wir einfach weiterziehen. Und wenn der Wind mal nicht mitspielt? Dann ändern wir halt die Pläne.