2011.08 - Indonesien, Teil 1
 
 
2011.08 - Kupang, Westtimor, Indonesien: Ankunft im Land der lächelnden Millionäre

Wer mit einem eigenen Boot nach Indonesien einreisen will, darf sich auf ein charmantes Bürokratie-Ballett freuen: Visum, CAIT (Cruising Permit), Sponsorletter - und als Höhepunkt die Aufforderung, 40% des Schiffswertes als Kaution zu hinterlegen. Ja, genau. Vierzig Prozent. Wer jetzt an spontane Weltumsegelungen denkt, darf nochmal nachrechnen. 

Glücklicherweise gibt es Sail Indonesia - eine Organisation, die sich um all diese Tänze mit den Behörden kümmert. Dank ihnen verwandelte sich die befürchtete Papierorgie in eine entspannte Angelegenheit: Innerhalb weniger Stunden waren wir eingeklariert, der Bond war (zum Glück!) kein Thema, und selbst die obligatorischen "Aufmerksamkeiten" für Uniformierte beschränkten sich auf ein paar Flaschen Wein. Internationale Diplomatie at its best. 

Kupang, Westtimors quirlige Hauptstadt mit ihren 350.000 Einwohnern, ist kein Ort für klassische Touristenattraktionen. Dafür gibt es hier etwas viel Besseres: echtes Leben. Keine Souvenirstände, keine Selfie-Sticks - nur freundliche Menschen, die uns neugierig zulächeln. Und wer sich wie ein Highroller fühlen will, muss nur Franken in Rupiah tauschen: Schon ist man Millionär! Allerdings eine mit bescheidenen Ansprüchen - für 5.000 Rupiah (ca. 50 Rappen) gibt’s eine Stunde Internet, und eine Schüssel duftender Reis mit Gemüse kostet gerade mal so viel wie ein Kaugummi in der Schweiz. 

Fazit: Kupang mag kein Postkartenidyll sein, aber es hat Charme, Herz und vor allem - keine Touristenmassen. Und das ist doch mal ein richtig guter Start. 

Ankunft in Kupang: Endlich Festland unter den Füßen!

Nach elf Tagen auf See - von Papua-Neuguinea durch die tückischen Strömungen der Torres Strait, über die endlose Weite der Arafura-See - liegt Kupang endlich vor uns. Gesund? Ja. Munter? Naja … zumindest seekrankheitsfrei

Jetzt heißt es: Land in Sicht, Bürokratie im Anmarsch! Doch nach wochenlangem Wellengang und Albatross-Begleitung freuen wir uns selbst auf Beamtenstempel. Hauptsache, der Boden wackelt nicht mehr. 

Unser Plan? Drei Monate Zeit, um von Westtimor nach Singapur zu segeln - oder besser gesagt: drei Monate Abenteuer, frittierten Tempeh und unbezahlbaren Begegnungen. Denn in Indonesien misst man Entfernungen nicht in Seemeilen, sondern in Wie oft bleibt man noch zum Kaffee eingeladen, bevor man weiterfährt?" 

Kupang ist erst der Anfang. Und wenn die Ankerkette erst einmal hochgezogen ist, geht’s weiter - langsam, aber mit garantiert zu vielen Nudelgerichten

(Die Supermaramu im Bild ist die SY "Too Much" von unserem Freund Jean".

 

Charmante Begegnungen in Westtimor: Strandhilfe, schlafende Hühner & ein nussgieriger Affe 


  • An Land gegangen - und schon wird das Dingi rein und raus getragen: Kaum legen wir mit dem Beiboot am Strand an, geschieht das Unerwartete: Bevor wir auch nur einen Fuß ins Wasser setzen können, heben freundliche Männer unser Dingi einfach hoch und tragen ans Ufer oder zurück ins Wasser. Wer rechnet schon mit solcher Hilfsbereitschaft? Hier scheint "Service" nicht extra berechnet zu werden - sondern gehört einfach dazu. 
  • Geschäftsschlaf & tierische Siesta: Während wir den Ort erkunden, entdecken wir das indonesische Geheimnis der Gelassenheit: Ein Ladenbesitzer döst seelenruhig vor seinem Geschäft, während drinnen die Besitzerin - und ihr Huhn - mangels Kundschaft ebenfalls ein Nickerchen machen. So viel Entspannung muss man sich erstmal leisten können.
  • Der nussige Aufdringling: Plötzlich spüren wir ein Ziehen an der Hose: Ein kleiner Affe klammert sich fest und macht unmissverständlich klar: "Nüsse her, oder ich werde dein neues Hosenbein!" Im Pazifik wären wir jetzt allein mit Möwen - doch hier in Asien ist die Tierwelt eben höchstpersönlich
  • Kunstvolles Handwerk: Ikat-Weberei: An einer offenen Werkstatt bleibt unser Blick hängen: Eine Frau webt ein Ikat-Tuch, bei dem die Muster durch eine uralte Färbetechnik entstehen. Jeder Faden ist ein Kunstwerk - und wir verstehen sofort, warum diese Tradition seit Jahrhunderten überlebt hat. 
  • Bemo-Fahrt: Wenn der Fahrer mehr Dekor als Durchblick hat: Für die Rückfahrt wagen wir uns in ein Bemo - das bunteste (und blindeste) Verkehrsmittel Indonesiens. Die Frontscheibe ist bis auf ein Guckloch mit reflektierender Folie beklebt, das Innere gleicht einem verrückten Plüschtierladen. Ob der Fahrer die Straße sieht? Fraglich. Aber er kennt sie vermutlich auswendig - oder vertraut auf göttliche Führung. 


Diese Ruhe möchte ich einmal habenMann oh Mann, ist das freundlich ...LB201107IndonesienTeil1 (57)LB201107IndonesienTeil1 (58)LB201107IndonesienTeil1 (20)LB201107IndonesienTeil1 (54)LB201107IndonesienTeil1 (53)



Die Odyssee des sterbenden Außenborders - oder: Warum Indonesien uns segelndes Improvisationstheater lehrt


Unser Yamaha-Außenbordmotor hat beschlossen, dass elf Jahre auf hoher See genug sind. "Ich bin müde", flüsterte er im Leerlauf - und verstummte dann für immer. Jean François von der Astarte, ein wahrer Magier rostiger Mechanik, opferte zwei Tage seines Lebens, um den Vergaser zu reinigen, Kabel zu tauschen und Elektronik zu beschwören. Vergebens. Unser Motor atmete noch, aber er weigerte sich standhaft, irgendetwas Nützliches zu tun - wie etwa unser Dingi zu bewegen. 


Die Diagnose: "Es ist nicht mehr zu retten." 

Das Problem: In ganz Kupang gibt es keinen einzigen neuen Außenbordmotor zu kaufen. Nicht einen. Dabei hätten wir sogar einen mit Alufelgen genommen. 


Zum Glück ist die Seglergemeinschaft eine Familie: Jos von der JaMaRo lieh uns großzügig seinen 4-PS-Ersatzmotor. Derselbe Klang, dieselbe Tragödie. Auch dieser Veteran hatte nur noch zwei Gänge: "Röchelnder Leerlaufund "Ich geb’ auf." 


Eigentlich wäre das alles halb so wild - wären da nicht diese gnadenlosen Strömungen zwischen den Inseln. Ohne starken Motor gleicht die Rückkehr zum Schiff einem Himmelfahrtskommando in Zeitlupe. Man paddelt wie verrückt, kommt aber trotzdem langsamer voran als eine Schildkröte im Treibsand. 


Lösungsansätze:

  • Bali anpeilen - denn dort gibt es Motoren. Und vermutlich auch Mechaniker, die nicht beim Anblick eines defekten Motors in schallendes Gelächter ausbrechen. 
  • Strömungen umschiffen - indem wir nur bei Ebbe losfahren. Oder bei Flut. Oder wenn der Mond im richtigen Haus steht. 
  • Ein Floß bauen - aus Bambus, Kokosfasern und gebrochenen Träumen. 



2011.08 - Kalabahi, Alor: Strömungen, Schlachtrufe und Sprachkurse im Paradies 


1. Ankunft mit Hindernissen: Wenn das Meer sagt: "Nicht so schnell!" 

Die Überfahrt nach Kalabahi verlief friedlich - bis wir den Kanal zwischen Alor und Pantar erreichten. Plötzlich kämpften wir gegen eine unsichtbare Macht: Die Strömung. Selbst bei vollem Wind und aufgerafften Segeln krochen wir mit 1,4 Knoten vorwärts - etwa so schnell wie eine seekranke Schildkröte. Mit zusätzlichem Motoreinsatz schafften wir stolze 2 Knoten. Fazit: In Indonesien entscheidet das Meer, wann und wie man ankommt


2. Kalabahi: Wo die Megaphone lauter sind als der Markt 

Die Stadt ist ein Wirbel aus Farben, Gerüchen und Leben - 60.000 Einwohner, die zwischen portugiesischem Kolonialerbe und indonesischer Gegenwart balancieren. Katholische Kirchen prägen das Bild, doch die muslimische Minderheit macht akustisch klar: "Wir sind auch da!" Mehrmals täglich (und einmal mitten in der Nacht) hallen Koranlesungen durch die Straßen - besonders eindrucksvoll, wenn man, wie wir, direkt in Sichtweite der Moschee ankert. Schlaf? Überbewertet


3. "Halo Mister!" - Kommunikation auf Alor-Art 

Englisch? Fehlanzeige. Dafür gibt es andere Brücken: 

  • Kinder paddeln in Kanus zu unseren Schiffen und bitten um "My Book! My Pen!" - die internationale Sprache der Schulhoffnungen. 
  • Studenten wie Ryan suchen das Gespräch, um ihr Englisch zu üben. Wir laden ihn ein, zeigen uns gegenseitig unsere Welten - und beschenken ihn am Ende mit einem Wörterbuch. Win-win in Reinform
  • Nathalie beschließt, Indonesisch zu lernen. Die Grammatik ist zum Glück gnädig: Keine Artikel, keine Zeiten - einfach drauflos kombinieren. "Gestern ich Kartoffel essen"? Perfekt, jeder versteht’s. (Ich halte mich derweil an Lächeln und Nicken.) 

4. Ruhm in Alor: Nathalie macht Schlagzeilen

Dank eines kleinen Interviews landet Nathalie in den Alor-Online-News. Berühmt sein war noch nie so einfach - man muss nur als Europäerin auf einer Insel auftauchen, die kaum Touristen sieht. 



 
Ein "Bule" auf dem Markt: Betelnüsse und Lachkrämpfe in Kalabahi 

Der Markt von Kalabahi ist ein Fest für die Sinne - ein Gewusel aus duftenden Gewürzen, schreienden Händlern und neugierigen Blicken, die uns unmissverständlich zuordnen: "Ah, die Bules sind da!" ("Bule" - so nennen sie uns Fremde hier, meistens mit einem verschmitzten Grinsen.) 

Heute bin ich der zahlende Star der Show. Kaum halte ich eine Handvoll Betelnüsse hoch, bildet sich eine kleine Menschentraube. "Zehntausend?", frage ich vorsichtig. Gelächter. "Fünftausend? "Noch mehr Gelächter. Schließlich werfe ich tausend Rupiah (zehn Rappen) auf den Tisch - und löse damit eine Lachsalve aus, als hätte ich gerade den Witz des Jahres erzählt. Offenbar hätte mir die Hälfte gereicht … oder ein Lächeln. Aber, für einen Bule ist alles ein Schnäppchen - und die Freude, wenn sie uns über den Tisch ziehen, ist sowieso unbezahlbar. 

Am Hafen geht das Schauspiel weiter. Fischer bieten ihren Fang an, Kinder balancieren Körbe auf dem Kopf, und irgendjemand versucht mir immer wieder "gute Preise" für Dinge anzudrehen, von denen ich nicht mal weiß, wofür man sie braucht. Ich nicke, lache mit - und zahle. Wahrscheinlich wieder zu viel. 

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2011.08 - Abenteuer nach Takpala: Ein Bemo, Betelnüsse und brüchige Bremsen

1. Die Odyssee zum "Bus": Wenn der Weg das Ziel ist 
Eigentlich wollten wir nur einen einfachen Ausflug nach Takpala machen - 15 Kilometer, ein kurzer Trip. Doch in Indonesien wird aus jeder Fahrt ein Abenteuer. Zuerst jagten wir zwei Bemos durch die Stadt, um die "Busstation" zu finden - die sich als privater Hof mit einem klapprigen Museums-Bemo entpuppte. Der Besitzer schraubte gerade den kaputten Stoßdämpfer fest, als wir fragten: "Ist das unser Transport?" Seine Antwort: Weiterwerkeln. Unsere Erklärungen verhallten ungehört. Dann tauchte Siti auf - eine junge, englischsprechende Muslima mit einem Angebot: "200.000 Rupiah, und der Bemo ist euer." Deal! Nach einer schnellen Spritztour zur Tankstelle (finanziert von unserem Vorschuss) und der Verstärkung durch Carmen und Robert von der SY Caminata ging’s los - mit einem Fahrzeug, das mindestens so viele Charakterzüge hatte wie seine Insassen. 

2. Takpala: Wo die Zeit stehen geblieben ist
Das Dorf ist eine lebendige Zeitkapsel. Die mehrstöckigen Talihuta-Häuser aus Holz und Bambus wirken, als würden sie jeden Moment umkippen - doch sie stehen seit Generationen. Wie sie mit offenen Feuerstellen nicht abbrennen? Ein Rätsel. Die Familien leben hier wie vor hundert Jahren: einfach, aber nicht arm. Unser Eintrittszettel: Betelnüsse, Zigaretten und freundliches Lächeln. Die Dorfbewohner revanchieren sich mit koffeinhaltigem Zuckersirup (das sie stolz "Kaffee" nennen) und geduldigem Zuhören, während Siti unsere Fragen übersetzt. Robert ersteht ein handgeschnitztes Messer - "Für den Fall, dass das Bemo doch noch auseinanderfällt", scherzt er. 

3. Die Rückfahrt: Gebet für die Bremsen 
Nach Stunden in einer anderen Welt geht’s zurück - bergab. Der Bemo ächzt, die Bremsen quietschen verdächtig. "Wann haben die das letzte Mal funktioniert?", fragt Carmen. "Vermutlich vor Sitis Geburt", mutmaßt Robert. Wir halten uns fest und hoffen, dass der Fahrer entweder ein Wunder oder ausgezeichnete Beinarbeit parat hat. 

Am Ende kommen wir heil an - mit einer neuen Definition von "öffentlichem Verkehr" und der Gewissheit: In Indonesien sind die besten Reisen die, die nie nach Plan laufen. 

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2011.08 - Pulau Besar: Moscheen, Müdigkeit und ein nächtliches Lautsprecherkonzert 

1. Planänderung: Wenn die Sonne schneller ist als das Schiff 
Eigentlich wollten wir direkt zum Sea World Club auf Flores segeln - doch nach 130 Seemeilen entschied die untergehende Sonne: "Schluss für heute!". Also wichen wir aus auf Pulau Besar, eine winzige Insel 20 Seemeilen vor unserem Ziel. 

Die Einfahrt zwischen den Riffen war zum Glück nachts gut sichtbar - und so warfen wir unseren Anker vor einem kleinen muslimischen Dorf, das im Abendlicht fast verlassen wirkte. Keine neugierigen Kanus, keine winkenden Kinder. Nur ein paar Dorfbewohner, die uns ignorierten. Nach dem langen Törn war uns das recht - wir blieben an Bord und genossen die Stille. 

2. 18:00 Uhr: Der Generator brummt, die Lautsprecher dröhnen 
Doch dann - pünktlich fünf vor sechs - sprang ein Generator an, und plötzlich erleuchteten ein paar spärliche Glühbirnen die Hütten. Und dann begann es: Eine Stimme, donnernd aus den Lautsprechern der Moschee, trug eine Stunde lang Koranverse vor. Genau wie in Kupang und Alor - nur hier, auf dieser abgelegenen Insel, klang es noch surrealer.

Und als ob das nicht reichte: Um 4 Uhr morgens dasselbe Programm. Wir hätten uns nicht wundern müssen - aber irgendwie hatte ich gehofft, dass auf Pulau Besar vielleicht die Hähne den Wecker ersetzen. 

3. Abreise bei Sonnenaufgang: Blind durch die Riffe 
Um 7 Uhr morgens lichteten wir den Anker - bei Hochwasser und blendender Morgensonne, die alle Riffe unsichtbar machte. Zum Glück half uns die Track-Funktion des GPS: Wir folgten unserer eigenen Spur vom Vortag wie einer Brotkrümellinie zurück ins offene Meer. 
Das kleine mohammedanische Dorf auf der Insel Pulau Besar - Pulau heisst auf indonesisch: Insel
Moschee in Pulau Besar ...
2011.08 - Waiana Beach, Flores, Indonesien 

Flores, eine schlanke Schönheit von 360 Kilometern Länge, schlängelt sich durch die indonesische Inselwelt. Mal ist sie schmal wie eine Handbreit (gerade einmal 12 Kilometer), mal breit und selbstbewusst (bis zu 70 Kilometer). Ihre Landschaft ist ein wilder Mix aus staubtrockenen Steppen, schroffen Vulkanen und üppig grünen Hängen - als hätte jemand verschiedene Kontinente kurzerhand zusammengeworfen. 

Im 16. Jahrhundert, als Gewürze die Welt bewegten, spielte Flores eine clevere Nebenrolle: Zwar hatte die Insel selbst keine begehrten Schätze zu bieten, doch ihre Lage auf der Route nach Timor - der sagenumwobenen Sandelholzinsel - machte sie zum strategischen Zwischenstopp. Die Portugiesen hinterließen ihre Spuren in Form von Festungen und, noch nachhaltiger, in Form des katholischen Glaubens. Während heute ganz Indonesien mehrheitlich muslimisch ist, hält Flores treu an seinem christlichen Erbe fest - über 90 % der Bewohner sind katholisch. Ein kleines Kuriosum, das der Insel ihren ganz eigenen Charme verleiht. 

Und wir? Wir liegen vor dem palmengesäumten Waiana Beach und lassen uns von der leichten Brise durch die Haustür der Tropen wehen. Nicht schlecht für einen Zwischenstopp, oder? ⛵
🌴


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An Bord der "Lady Annabelle" - Waiana Beach, Flores

Vor uns liegt die französische Super Maramu Lady Annabelle, stolz im türkisblauen Wasser schaukelnd, mit Pierre und Ellen an Deck. Wir haben uns einen hübschen Platz zum Ankern gesichert - Position 8°38.0400‘S, 122°18.5500‘E, in 25 Metern Tiefe, wo der Meeresboden steil zum Ufer hin ansteigt. Solange der Wind nicht von See her ausholt, ist dies ein perfekter, geschützter Liegeplatz. 

Hinter dem schmalen Streifen weißem Sand wartet der Sea World Club Dive Resort - eine sympathische Einrichtung mit Restaurant, das wir gerne nutzen. Das Resort ist ein soziales Projekt, gegründet von Pater Bollen (Steyler Mission), der seit über 40 Jahren in Indonesien, vor allem auf Flores, wirkt. Die Einnahmen fließen direkt ins dahinterliegende Dorf - eine schöne Sache, bei der wir gerne mithelfen, indem wir hier essen oder einen Drink genießen. 

Die flinken Kanu-Piraten von Waiana Beach 
Kaum taucht ein Segelboot am Horizont auf, schießen drei oder vier Kanus wie Pfeile übers Wasser. Diese Jungs haben eine unglaubliche Paddeltechnik - olympiareif! Bevor der Anker überhaupt den Grund berührt, hängen sie schon an der Reling, Empfehlungsschreiben von längst verschollenen Seglern wedelnd. Mit holprigem Englisch preisen sie ihre Dienste an: "Wäsche waschen? Tour? Benzin? Muscheln? Sehr schön, sehr billig!"

Wir nutzen das Angebot gerne - wer möchte schon mit vollen Wäschebeuteln oder leeren Dieseltanks weiterreisen? Allerdings haben wir gelernt: Der erste Preis ist stets ein kreativer Vorschlag. Handeln ist Pflicht, und selbst die Hälfte des ursprünglichen Betrags ist oft noch zu hoch. Aber hey - das gehört hier einfach dazu! 

Eigentlich wäre ein wenig Small Talk schön, doch die Sprachbarriere ist gewaltig. Die Jungs sind nicht zum Plaudern da, sondern zum "Bule"-Handel (Bule = indonesisch für Ausländer). Ihr Ziel: alles Verkäufliche zum bestmöglichen Preis an den Mann bringen. 

Jedes neu ankommende Schiff ist daher eine willkommene Ablenkung. Sobald sich die Kanus auf den nächsten Ankömmling stürzen, können wir uns zurücklehnen und genießen - zumindest bis zum nächsten Einkaufsmarathon! 

P.S.: Wer hier ankert, sollte Kleingeld und Geduld griffbereit haben - und vielleicht ein paar lässige Handgesten für den Preisverhandlungs-Marathon üben.
😉

Aufstieg zum Kelimutu - Wo die Seen ihre Farben wechseln (oder auch nicht)

Vier Stunden Fahrt von Nord nach Süd - durch üppiges Grün, vorbei an Dörfern und schroffen Hängen - und schon stehen wir vor dem schlafenden Riesen: dem Kelimutu. Mit 1.639 Metern ist er nicht der höheste Vulkan Indonesiens, aber sicher einer der mystischsten. Denn in seinem Krater schlummern drei Seen, die eigentlich in schillernden Farben leuchten sollen - türkis, moosgrün, tiefschwarz. Doch heute? Fast einheitlich graublau. Trotzdem: Der Anblick ist atemberaubend. 

Magie oder Mineralien?
Die Farbenpracht der Seen kommt normalerweise von gelösten Metalloxiden und Schwefelverbindungen - die Chemie spielt hier ihr eigenes Spiel. Doch wer das volle Farbenspektakel erleben will, muss früh aufstehen. Denn sobald die Sonne höher steigt, kriecht der Nebel über die Kraterränder und verwischt alles zu einem milchigen Schleier. 

Die Pfeifkonzert gegen den Nebel 
Oben auf der Aussichtsplattform bieten Einheimische dampfenden Kopi Flores (den berühmten Vulkan-Kaffee) und handgeschnitzte Souvenirs an. Doch ihr wichtigster Job? Nebelvertreibung per Pfeifkonzert! Sobald die Sicht verschwindet, fangen sie an zu pfeifen - eine alte Tradition, um die Wolken zu verscheuchen. Aberglaube? Vielleicht. Aber als wir dort standen, passierte etwas Verblüffendes: Kaum hatten sie aufgehört, lichtete sich der Dunst wie auf Kommando. Zufall? Oder doch Magie? Wer weiß … 

Egal ob farbenfroh oder dezent grau - der Kelimutu bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Und falls die Seen mal nicht in Regenbogenfarben leuchten: Einfach abwarten, Kaffee trinken - und auf das nächste Pfeifsignal warten. ☕
😉 

P.S.: Wer hierhin kommt, sollte warme Kleidung mitbringen - in der Höhe wird’s frisch!

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2011.08 - Unterwegs nach Riung

Begegnung mit der SY "Bakbrus" - Schweden in Not

In der Bucht von Maumere taucht plötzlich ein vertrautes Boot auf: die schwedische SY Bakbrus mit Anette und Göran an Bord. Zuletzt sahen wir sie in den abgelegenen Louisiaden - und jetzt hier? Sie haben eine Nonstop-Passage bis Flores hingelegt, ohne Zwischenstopp in Port Moresby. Doch ihr Triumph wird von einem dicken Problem überschattet: Der Hauptmotor ist tot. 

Ohne Ersatzteile keine Reparatur - und in Maumere gibt es weder Fachwerkstätten noch passende Komponenten. Ein australischer Urlauber im Sea World Club Dive Resort hat sich halb als Mechaniker versucht und vermutet gebrochene Kolbenringe. Doch selbst sein Improvisationstalent reicht nicht aus. Also lautet der Plan: Weiter nach Lombok, wo die Infrastruktur besser sein soll und Ersatzteile hoffentlich ankommen können. 

Doch ohne Motor gibt’s auch keinen Strom - ein echtes Drama, wenn der Kühlschrank streikt. Also überlassen wir ihnen unsere beiden 160-Watt-Solarpaneele (inkl. Regulator) aus Fiji. Immerhin können sie jetzt wieder ihre Vorräte kühlen und ein paar Geräte betreiben. Mehr können wir nicht tun - außer sie ein Stück aus der Bucht bugsieren, bis der Wind gnädig ist und sie Richtung Lombok tragen kann. 

Jean, ein bekannter Anlaufpunkt vor Ort, wird sie dort in Empfang nehmen (falls er noch da ist) und hoffentlich helfen, die Bakbrus an eine Boje zu bringen. Bis dahin heißt es: Daumen drücken für die schwedischen Seebären! 


Begegnung der ungewöhnlichen Art: Lastkähne unter Segeln

Eigentlich kennen wir diese Fischkutter aus dem Hafen von Kalabahi (Alor) - klobige Arbeitspferde mit knatternden Ein- oder Zweizylinder-Motoren. Doch heute sehen wir sie in einem neuen Licht: Sie segeln!

Mit ihren klobigen Lattensegeln machen sie erstaunlich gute 6-7 Knoten - eine Geschwindigkeit, die auch für uns respektabel wäre. Offenbar haben die Locals hier das Beste aus beiden Welten kombiniert: Wenn der Wind günstig steht, spart man Treibstoff, und wenn nicht, knattert man eben weiter. Praktisch - und irgendwie bewundernswert! 

Wer hätte gedacht, dass wir eines Tages neidisch auf einen rostigen Lastkahn schauen würden? ⛵😄 




2011.08 - Riung: Inselidylle mit Charme und kleinen Rätseln 


Ankerparadies zwischen 17 (oder 21?) Inseln


Riung ist ein malerisches Fischerdorf, das sich beschaulich gegenüber einer Handvoll kleiner Inseln mit puderweißen Stränden ausbreitet. Eigentlich sind es 21 Inseln - doch laut offizieller Zählung des Gouvernements sind es nur 17. Warum? Weil die Zahl 17 an den Unabhängigkeitstag Indonesiens (17. August 1945) erinnern soll! So wird selbst Geografie hier zur patriotischen Hommage. 


Wir ankern auf 12 Metern Grund (Position: 8°24.559‘S, 121°01.743‘E) in einer perfekt geschützten Bucht, die von allen Seiten Wind und Wellen fernhält. Die Einfahrt durch die Riffe ist unkompliziert - wer mag, kann unsere Waypoints nutzen: 

  • WP1: 8°22.0139‘S, 121°02.6672‘E 
  • WP2: 8°23.7068‘S, 121°02.0740‘E 
  • WP3: 8°24.0679‘S, 121°01.7698‘E 
  • WP4: Ankerposition (siehe oben) 

Dorfspaziergang mit Kinderbegleitung

Sobald wir an Land gehen, beginnt das Ritual: Eine Schar neugieriger Kinder schließt sich uns an, begrüßt uns mit fröhlichem Hallo, Mister!" und feuert die Klassiker ab: 

- "From where you come?" 

- "What is your name?" 


Die Antworten tauschen wir lachend aus - auch wenn das Gespräch oft an den Englischkenntnissen (oder unseren bescheidenen Indonesisch-Versuchen) scheitert. Nathalie übt eifrig Vokabeln, aber selbst mit "Terima kasih"(Danke) und "Selamat pagi" (Guten Morgen) kommen wir nicht weit. Trotzdem: Die Freundlichkeit und das Lachen der Kinder sind ansteckend. 


Marktchaos mit Charme 

Der örtliche Markt ist ein Fest der Sinne - und ein Schnäppchenparadies. Fast alles kostet 5.000 Rupiah (ca. 50 Rappen), ob Obst, Gemüse oder Handwerkskunst. Die Händler sind unglaublich freundlich, auch wenn die Verständigung eine akrobatische Herausforderung bleibt. Nathalie versucht sich tapfer in Bahasa Indonesia, während ich mich auf Lächeln, Zeigen und Händerechnen verlege. 


Fazit: Riung ist ein verstecktes Juwel - entspannt, authentisch und voller kleiner Überraschungen. Wer hier ankommt, sollte Zeit mitbringen, sich auf das Tempo des Dorfes einzulassen … und vielleicht ein paar Süßigkeiten für die Kinder! 🍬😊 


P.S.: Wer die Inseln erkundet, wird belohnt - traumhafte Strände ohne Menschenmassen!






2011.08 - Batmans Heimat: Die Insel Ontoloe bei Riung

Unser Ziel heute: die kleine Insel Ontoloe, die nur eine halbe Stunde entfernt vor Riung im türkisblauen Wasser liegt. Mit einem traditionellen Auslegerkanu geht die Fahrt schnell vorbei - und schon sind wir mitten in einem Stück unberührter Wildnis. 

Eigentlich sind wir hier, um die etwas kleineren Verwandten der Komodowarane zu sehen - den Varanus riungensis. Doch die scheuen Echsen ließen sich Zeit. Ganze zweieinhalb Stunden harrten wir in atemloser Stille aus, bis sich endlich ein Jungtier aus dem Gebüsch wagte und sich über unser Köderfleisch hermachte. Ehrlich gesagt: Das Schauspiel war etwas enttäuschend - wer schon einmal die urzeitlichen Riesen auf Komodo gesehen hat, für den wirkt dieser Zwerg fast wie eine putzige Miniaturversion. 

Doch die Natur hatte eine viel spektakulärere Überraschung für uns parat: "Batmans"! Nein, nicht der dunkle Ritter aus Gotham City, sondern riesige Fledermäuse - oder besser gesagt, fliegende Hunde - in Massen. Ganze Schwärme dieser faszinierenden Tiere segelten über uns hinweg, während andere entspannt in den Bäumen hingen, als wären sie nur zum Mittagsschlaf hergekommen. Ein surrealer Anblick, besonders wenn die Sonne durch ihre mächtigen Flügel schimmert. Wer hätte gedacht, dass wir an diesem Tag nicht die Drachen, sondern die Könige der Abenddämmerung bewundern würden? 

Ein unvergessliches Naturschauspiel - und mal wieder der Beweis, dass die besten Abenteuer oft da lauern, wo man sie am wenigsten erwartet.