Wer unsere Route auf der Karte verfolgt, könnte meinen, wir hätten dem Kompass freie Hand gelassen - ein wildes Muster aus Kurven und Kanten, das sich quer durch den Pazifik schlängelt. Doch jeder Haken erzählt eine Geschichte:
Unser Törn begann in Bora Bora, diesem traumhaften Aushängeschild Französisch-Polynesiens, und führte uns weiter durch einsame Paradiese und lebhafte Inselwelten. Erst nach Suwarrow, diesem winzigen Atoll, wo Einsamkeit und Natur noch ungeteilt herrschen. Dann weiter zu Niue, dem "Felsen Polynesiens", wo das Meer in Höhlen donnert.
Über Amerikanisch-Samoa und West-Samoa ging es dann nach Tonga, wo wir zwischen Buckelwalen und königlichen Traditionen segelten. Ein Abstecher zu Wallis und Futuna - Frankreichs vergessenen Perlen - brachte uns schließlich im Juli nach Fiji, wo Savusavu uns mit seinem unverfälschten Charme empfing.
Vier Monate, sieben Länder, unzählige Meilen - und jede davon mit ihrem eigenen Geschmack von Freiheit.
Kaum in Savusavu angekommen, hieß es erstmal: Ärmel hochkrempeln und ran an die Technik. Doch was wäre das Seglerleben ohne die legendäre Hilfsbereitschaft unter Gleichgesinnten?
Unser Retter in der Not war Bernt von der SY Second Life - frisch zurück von einem dreitägigen Törn und gerade mit den Einklarierungsformalitäten fertig, schaute er bei uns vorbei. Seine Tipps erwiesen sich als Gold wert und machten die Demontage um einiges einfacher.
Doch ein Steuerrad abzubauen, ist kein Kinderspiel. Eigentlich bräuchte man einen passenden Extraktor - doch in Savusavu suchten wir vergeblich nach dem richtigen Modell. Also wurde kurzerhand unser eigenes Werkzeug umgebaut. Nach stundenlangem Tüfteln, Klemmen und sanftem Überreden gelang es uns endlich, das Steuerrad von der Achse zu lösen.
Hinter der mysteriösen Blackbox verbarg sich dann das Übel: Zwei Zahnschienen, die das Ruder bewegen, indem sie eine Stange drücken und eine andere ziehen. Eine davon war komplett zerfleddert - genau sie war der Übeltäter, der all die seltsamen Geräusche produzierte.
Diagnose: Eine mittig völlig abgenutzte Zahnschiene. Na toll - jetzt wissen wir wenigstens, wo der Schmerz sitzt!
2008.08 - Malake
Gastfreundschaft in Fiji - Ein Dorf öffnet sein Herz 🌺
Dank der Vermittlung von Bernd und Britts Freunden durften wir etwas Besonderes erleben: ein paar Tage im Dorf Malake, versteckt am Rand der Matewa-Bucht. Hier, zwischen rauschenden Palmen und der warmen Stille des Dschungels, lernten wir die wohl herzlichsten Menschen der Welt kennen.
Ankunft im Dorf: Zeremonien und Kavawurzeln
Die meisten Fijianer leben außerhalb der Städte in traditionellen Gemeinschaften - geführt von einem Chief. Bevor ein Fremder sich frei bewegen darf, muss er um Erlaubnis bitten - mit einem Sevusevu, einem Geschenk aus Kavawurzeln. Also kauften wir die knorrigen Wurzeln vorab auf dem Markt in Savusavu und machten uns auf den Weg.
Schon die dreistündige Busfahrt nach Malake war ein Abenteuer: ein fensterloser, überfüllter Wagen, der sich durch üppiges Grün schlängelte. Bei unserer Ankunft führte uns Epi, ein älterer Dorfbewohner, zu Fuß durch den Dschungel. Der letzte Hindernis: ein kleiner Fluss, den wir auf einem wackeligen Bambusfloß überquerten.
Im Dorf empfing uns der Chief zur traditionellen Sevusevu-Zeremonie. Obwohl wir kein Wort verstanden, war die Botschaft klar: Wir waren willkommen. Die Rituale mögen fremd wirken, aber die Wärme dahinter ist universell.
Kava, Kokosschalen und klatschende Hände
Danach begann die Kavarunde - ein gesellschaftliches Herzstück Fijis. Die gemahlenen Wurzeln werden in Wasser ausgedrückt, und das trübe Getränk wird in einer strengen Reihenfolge gereicht:
Einmal klatschen - bevor man die Schale nimmt.
In einem Zug trinken - ohne zu zögern.
Dreimal klatschen - als Dank.
Kava soll beruhigend wirken, doch wir spürten vor allem eines: eine schwere Zunge und viel Gelächter. Während deutsche Bierrunden lauter werden, wird eine Kava-Runde immer leiser - bis die meisten Gäste friedlich einschlummern. Die größte Herausforderung? Stundenlang im Schneidersitz sitzen, ohne die Füße in Richtung der Gastgeber zu strecken!
Leben in Malake: Einfachheit und Großzügigkeit
Malake besteht aus sechs oder sieben Familien, die in einfachen Häusern ohne Strom oder fließend Wasser leben. Gekocht wird über offenem Feuer, Toiletten sind abseits der Wohnbereiche - doch die Gastfreundschaft ist überwältigend.
Als Gäste wurden wir wie Könige behandelt:
Doch mit der Gastfreundschaft kommen Pflichten:
Abschied mit weichem Herzen
Die Kinder von Malake winkten sogar Flugzeugen zu - so unbändig war ihre Freude. Als wir gingen, blieb eine Gewissheit: In Fiji ist Gastfreundschaft keine Höflichkeit, sondern eine Art zu leben. Und wir durften teilhaben.
Sie sitzt da, als gehöre ihr die Welt - ein kleines Mädchen aus Fiji, einen handgeflochtenen Fächer in der Hand. Vielleicht ist es ihr einziges "Spielzeug", doch sie hält es wie einen Schatz.
Hier, wo es keine Spielzeugläden gibt, wo Kinder sich mit bloßen Füßen und strahlender Fantasie durch den Tag tanzen, lernt man schnell: Glück braucht keine Batterien. Die Kinder von Fiji besitzen wenig, aber sie besitzen alles, was zählt - eine unbändige Freude am Zusammensein, einen natürlichen Respekt füreinander und eine Neugier, die Grenzen überfliegt.
Schon ab der ersten Schulklasse lernen sie Englisch, und so werden aus scheuen Blicken schnell lachende Gespräche. "Woher kommst du?", "Wie heißt dein Schiff?" - ihre Fragen sind so offen wie ihre Herzen. Und während wir Erwachsenen uns manchmal in Komplikationen verlieren, erinnern sie uns daran, wie einfach Verbindung sein kann: ein Lächeln, eine Geste, ein geteilter Moment unter der gleichen Sonne.
Der Fächer in ihrer Hand mag nur geflochtene Blätter sein. Doch für sie ist er vielleicht ein Zauberstab, ein Prinzessinnenschirm, ein Werkzeug, um Träume zu kühlen - oder einfach nur das perfekte Mittel, um uns Fremde willkommen zu heißen.
Abschied von Malake - Ein Dorf schenkt uns sein Herz
Die Tage in Malake vergehen wie im Flug - gefüllt mit langen Spaziergängen, herzlichen Gesprächen und dem unermüdlichen Begleittrupp der Dorfkinder. Jeder Moment wird zum Fest: Fotografieren wird zum gemeinsamen Spiel, denn jeder möchte abgelichtet werden, jeder lacht, posiert, drängt sich ins Bild.
Besonders Epi, unser freundlicher Führer, nimmt die Sache ernst. Als wir versprechen, ihn und seine Frau am nächsten Morgen zu fotografieren, wird daraus ein feierliches Ereignis. Um 7 Uhr stehen beide bereits in ihren schönsten Kleidern bereit - und mittendrin, sorgsam platziert, ein Foto ihres verstorbenen Sohnes. "Er soll auch dabei sein", scheint diese Geste zu sagen. Hier versteht man: Ein Versprechen ist kein bloßer Gruß, es ist ein Versprechen. Würden wir nicht kommen, bräche nicht nur eine Verabredung, sondern ein Stück Vertrauen.
Das Abschiedsfest: Lieder, Tänze und ungeschriebene Regeln
Am letzten Abend bereitet das Dorf ein Abschiedsfest für uns vor. Wieder ertönt das dumpfe Klatschen der Kavaschale, wieder wird getrunken, gelacht, bis die Stimmen leiser werden. Doch diesmal tanzen auch die Frauen - mit rhythmischen Bewegungen, während die Kinder schüchtern nachahmen. Aus dem Nachbardorf holt man zwei Männer mit Gitarre und Ukulele (in Fiji "Ukulele" genannt), und plötzlich füllt Musik die warme Nachtluft.
Doch dann kommt der Moment, der uns Europäer überfordert: Wir müssen das Fest beenden. Nicht der Chief, nicht die Gastgeber - sondern wir, die Gäste, sollen eine Dankesrede halten. Keiner würde vorher aufstehen, kein Kind würde einschlafen, solange wir noch da sind. Damals stotterten wir vielleicht ein paar ungeschickte Worte - heute wissen wir: Nächstes Mal kommen wir mit einer schönen, langen Rede.
Der Abschied - und eine Lektion fürs Leben
Am nächsten Morgen, als wir uns auf den Weg nach Nadavaci machen, versammelt sich das ganze Dorf. Sie winken, lachen, einige drücken uns die Hand - Menschen, die in unserem westlichen Sinn "nichts" besitzen, schenken uns alles, was zählt.
In diesem Moment verstehen wir:
Wir verlassen Malake mit einem neuen Blick auf die Welt - und dem Wissen, dass wir nicht nur ein Dorf, sondern eine Familie gefunden haben.
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Eine Rettungsinsel ist die letzte Hoffnung - gefüllt mit Wasserflaschen, Notrationen und kleinem Überlebens-Equipment. Doch was, wenn sie im Ernstfall versagt?
Bei unserer Inspektion entdeckten wir ein defektes Ventil: Der untere Schlauch verlor Luft, ein Aufblasen unmöglich. Ein kaputter Mechanismus - und im Notfall wäre die Insel nur ein hilfloses Bündel gewesen.
Glück im Unglück: Wir fanden den Fehler bevor Sturm oder Feuer uns dazu zwangen, sie einzusetzen. Eine Mahnung, wie schnell Sicherheit zur Illusion werden kann - und wie wichtig es ist, jedes Detail zu prüfen.
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Zeitreise nach Levuka: Wo Fijis Geschichte atmet
Mit Yumi und Masa an Bord verwandelte sich unser Tagesausflug nach Levuka in eine lebendige Geschichtsstunde. Die ehemalige Hauptstadt Fijis begrüßte uns mit einer Atmosphäre, als hätte die Zeit hier vor einem Jahrhundert einfach angehalten.
Die Prince's Street erwies sich als Freilichtmuseum der besonderen Art:
"Wilder Westen mit Südsee-Charme", flüsterte Yumi beeindruckt, als wir vor dem alten Postamt standen, dessen kupferner Briefschlitz noch original aus dem Jahr 1884 stammte. Tatsächlich: Mit seinen schmalen Straßen und saloonartigen Gebäuden wirkte Levuka wie eine Mischung aus Goldgräberstadt und Kolonialperle.
Das Besondere? Während andere historische Stätten von Touristen überlaufen sind, hatten wir Levuka fast für uns allein. Nur vereinzelte Kinder, die mit selbstgebastelten Drachen spielten, und alte Männer, die uns neugierig von ihren Veranden aus musterten, teilten dieses Zeitkapsel-Erlebnis mit uns.
Beim Mittagessen im "Levuka Homestead" - serviert auf einer über 150 Jahre alten Zinnveranda - entdeckten wir den perfekten kulinarischen Brückenschlag:
Als gegen Abend die untergehende Sonne die Holzhäuser in goldenes Licht tauchte, schien Levuka für einen magischen Moment wieder zum Leben zu erwachen. "Man hört fast die Klaviere aus den Saloons und das Klirren der Ankerketten", schwärmte Masa. In diesem Augenblick verstanden wir alle: Solche Orte sind nicht einfach nur Sehenswürdigkeiten - sie sind lebendige Poesie der Geschichte.
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Suva: Fijis pulsierende Gegenwart
Nach unserer Zeitreise durch Levuka empfing uns Suva mit ganz anderem Rhythmus - hier schlägt Fijis modernes Herz. Wo die alte Hauptstadt in kolonialer Nostalgie schwelgt, präsentiert sich Suva als lebendiger Organismus aus Kultur, Handel und südpazifischem Flair.
Ein Tag zwischen Tradition und Modern
Der Kontrast könnte frappierender nicht sein:
Besonders faszinierte uns das Fiji Museum im Thurston Gardens: Zwischen 3000 Jahre alten Kriegskeulen und den originalen Logbüchern der "Bounty" entdeckten wir die verborgene Tiefe dieser Inseln. "Hier wird klar, warum Fiji so anders ist als andere Pazifikstaaten", bemerkte Masa vor der Ausstellung zum traditionellen Feuerlaufen.
Kulinarische Brücke nach Japan
Inmitten von Suvas geschäftigen Straßen entdeckten wir mit Yumi und Masa ein unerwartetes Juwel: "Sakura Kai", ein authentisches japanisches Restaurant, das uns für einige Stunden nach Osaka versetzte. Unsere Freunde, sichtlich erfreut über diesen Fund, bestellten für uns ein Festmahl, das mehr war als nur eine Mahlzeit - es wurde eine kulinarische Meisterklasse.
Die Kunst des japanischen Essens
An der schlichten Holztheke verwandelte sich jeder Gang in eine kulturelle Erfahrung:
Yumi erklärte uns die Rituale: "Man dreht das Sushi nie um - der Fisch muss die Zunge berühren." Masa ergänzte lachend: "Und niemals Stäbchen senkrecht in Reis stecken - das ist wie ein Totenkult!"
Fusion der Kulturen: Der Höhepunkt kam unerwartet: Der Chef präsentierte eine Kreation speziell für uns - "Fiji Roll" mit lokalem Kokosnuss-Krebsfleisch und einer Hauch von Fijis berühmtem Feuer-Chili. "Japanische Technik, Fiji-Zutaten", erklärte er stolz. Selbst unsere Fijianischen Freunde aus Malake, die uns später trafen, waren von dieser kulinarischen Brücke zwischen ihren Inseln und Japan fasziniert.
Als wir später durch die nächtlichen Straßen Suvas schlenderten, blieb uns nicht nur der Geschmack von frischem Wasabi in Erinnerung, sondern die Erkenntnis: Gute Küche ist die universelle Sprache der Gastfreundschaft - ob in Tokios Sternerestaurants oder unter Fijis Palmen.
Abendliche Verwandlung
Als die Büros schlossen, verwandelte sich die Innenstadt: Büroangestellte in Sulus eilten zu Bussen, während am Hafen die Nachtmärkte ihre bunten Lichter entzündeten. Unser Tag endete im "Traps Bar" - Suvas legendärem Jazz-Club, wo lokale Musiker Fidschi-Folklore mit Bluegrass fusionierten.
2008.10 - Musket Cove: Südseeparadies im Mamanuca-Archipel
Nur zehn Seemeilen von Lautoka entfernt liegt Musket Cove, das Tor zu den zauberhaften Mamanuca-Inseln. Dieses malerische Archipel besteht aus etwa zwanzig kleinen Vulkaninseln - einige kaum mehr als palmengesäumte Sandbänke, andere mit hügeligen Silhouetten, alle umgeben von smaragdgrünem Wasser und schneeweißen Stränden. Während viele dieser Miniaturparadiese tagsüber von Ausflugsgästen belebt werden, kehrt abends die unberührte Stille der Südsee zurück.
Eine glückliche Begegnung
In Vuda Point lernten wir das Schweizer Paar Karin und Andy kennen, die als Hotelgäste in der Marina weilten. Schnell entstand eine herzliche Freundschaft, und so beschlossen wir, gemeinsam einige Tage in Musket Cove zu verbringen. Mit unseren Booten erkundeten wir das Inselgewirr - sie als begeisterte Landratten, wir als erfahrene Segler, gemeinsam auf der Suche nach den schönsten Fleckchen dieses Paradieses.
Unvergessliche Inselmomente
Diese Tage in Musket Cove zeigten uns einmal mehr: Die wahre Magie der Südsee liegt nicht in den Luxusresorts, sondern in diesen einfachen, gemeinsamen Momenten - wenn neue Freundschaften unter Palmen geschlossen werden und die Seele im Rhythmus der sanften Wellen zur Ruhe kommt.
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