Apia, die beschauliche Hauptstadt mit ihren etwa 35.000 Einwohnern, bietet einen einzigartigen architektonischen und kulturellen Anblick. Besonders auffällig ist die überwältigende Anzahl an Kirchen – selbst in den kleinsten Dörfern erheben sich oft die größten und prachtvollsten Gotteshäuser. Diese Vielfalt, von den Türmen der Katholiken bis zu den schlichten Häusern der Adventisten, steht für eine bemerkenswerte, friedliche Eintracht, die das gesellschaftliche Leben hier prägt.
Das Stadtbild selbst ist eine faszinierende Mischung: Zwischen modernen Gebäuden findet man noch immer die Spuren vergangener Zeiten, wie das ehemalige deutsche Kolonialgebäude an der Uferpromenade, das heute als Museum dient. Diese historische Verbindung ist auch heute noch spürbar und wird von den gastfreundlichen Samoanern in freundlicher Erinnerung gehalten.
Für ankommende Segler ist wichtig zu wissen, dass es in der Bucht von Apia keine Ankerplätze mehr gibt. Stattdessen wird man nach Meldung bei der Hafenbehörde freundlich zur Marina geleitet. Dort folgt ein koordinierter, aber unkomplizierter Besuch der verschiedenen Behörden – ein notwendiges Prozedere, das in der Regel zügig und ohne Hektik abgewickelt wird.
Ein Punkt verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Die Einreisebestimmungen sind, was bestimmte Substanzen betrifft, sehr klar und werden konsequent umgesetzt. Die örtlichen Behörden nehmen ihre Aufgabe ernst, was wir bei der Ankunft miterleben konnten. Es ist ein guter Rat, sich stets über die aktuellen Vorschriften zu informieren und diese respektvoll zu befolgen – das erspart allen Beteiligten viel Aufregung und sichert einen unbeschwerten Aufenthalt in diesem wundervollen Teil der Welt.
Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, kann man schließlich die gelbe Quarantäneflagge einholen und Apia in vollen Zügen genießen – die freundliche Atmosphäre der Marina, den Charme der Stadt und die unglaubliche Herzlichkeit der Menschen.
Auch für uns Segler gab es eine ungewöhnliche, aber charmante Vorschrift: Wir wurden gebeten, Rattenabwehrvorrichtungen an allen Leinen anzubringen. Der humorvolle Hintergrund: Nicht etwa unser Schiff sollte geschützt werden, sondern die samoanischen Inseln vor möglichen, unfreiwilligen tierischen Einwanderern bewahrt bleiben. Eine Vorsichtsmaßnahme, die mit einem Augenzwinkern zeigt, wie sehr man hier die eigene, einzigartige Umwelt schätzt.
Die traditionellen Wohnhäuser, die Fale, sind perfekt an das Klima angepasst. Oft ohne feste Wände lassen sie jede Brise durchwehen und schaffen eine offene, einladende Atmosphäre, die das Gemeinschaftsleben widerspiegelt.
Eine faszinierende historische Anekdote rankt sich um die Christianisierung der Inseln. Der englische Missionar John Williams wurde 1830 mit offenen Armen empfangen – angeblich erfüllte er damit eine alte samoanische Prophezeiung. Innerhalb nur eines Jahrzehnts nahm die gesamte Bevölkerung den neuen Glauben an, ein bemerkenswert friedlicher kultureller Wandel. Das spätere Schicksal von John Williams auf anderen Pazifikinseln unterstreicht auf tragische Weise, wie außergewöhnlich diese samoanische Offenheit war.
Eine besonders rührende Tradition ist der „Tag der Kinder“, ein landesweiter Feiertag am Montag nach dem Weißen Sonntag. Während anderswo Mutter- und Vatertag gefeiert werden, stellt Samoa hier die Jüngsten einen Tag lang in den absoluten Mittelpunkt – eine wunderbare Geste.
Selbst in praktischen Fragen zeigt sich der einzigartige Charakter Samoas: So wird ernsthaft darüber nachgedacht, vom Rechts- auf den Linksverkehr umzustellen. Und obwohl es weder Fahrschulen noch regelmäßige Fahrzeugkontrollen gibt, herrscht auf den Straßen eine erstaunlich entspannte und rücksichtsvolle Atmosphäre. Es funktioniert auf eine Weise, die von gegenseitigem Respekt und Gelassenheit geprägt ist – ganz im Geiste des Fa'a Samoa, der samoanischen Lebensart.