⚓ Ein bürokratischer Windstille-Moment in Raiatea
Nach unserer Rückkehr von Penrhyn auf den Cook-Inseln wiegten wir uns in der wunderbaren Gewissheit, dass unsere Zeit in Französisch-Polynesien unter einem glücklichen Stern stünde. Immerhin hielten wir ein offizielles Dokument der französischen Zollbehörden in den Händen, das uns schwarz auf weiß bestätigte, dass die Fristen für die Zollformalitäten mit dem Anlaufen eines ausländischen Hafens ganz einfach wieder von vorn beginnen. Doch wie das Leben – und die Bürokratie – manchmal so spielt, sorgte eine Routinekontrolle im Hafen von Raiatea nur zwei Tage nach unserer Ankunft für ein jähes Erwachen. Mit charmantem, aber bestimmtem Lächeln erklärte man uns, dass das Dokument der eigenen Behörde leider fehlerhaft sei. Die Konsequenz klang weniger nach Südsee-Träumerei: Entweder wir würden das Gebiet bis zum 15. September verlassen, oder wir müssten unser Schiff „papeetisieren“. Letzteres ist ein klangvoller Begriff für die wenig klangvolle Pflicht, zwischen 20 und 40 Prozent des Zeitwertes der "NatHape" als Steuer zu entrichten.
🤝 Von Paragraphen und helfenden Händen
Natürlich ließen wir das nicht so einfach auf uns sitzen, schließlich waren wir im Vertrauen auf die behördliche Auskunft gute 1.800 Seemeilen gesegelt. Unser Einspruch war so fundiert wie unsere Hoffnung groß, zumindest bis zum April des nächsten Jahres bleiben zu dürfen. Es folgten Wochen des geduldigen Wartens, bis Nathalie schließlich telefonisch die wenig erfreuliche Nachricht eines negativen Entscheids erhielt. Wer uns kennt, weiß jedoch, dass wir so schnell nicht aufgeben, und so kündigten wir kurzerhand den Rechtsweg an – Zeit hatten wir ja glücklicherweise. Gleichzeitig nutzten wir einen Joker in Form eines guten Freundes, der im öffentlichen Leben der Inseln bestens vernetzt ist. Ab diesem Moment entwickelte die polynesische Verwaltung eine fast schon olympische Geschwindigkeit: Nur eine halbe Stunde nach dem Telefonat bat uns eine Sekretärin des Zolls um die Unterlagen, und kaum sechzig Minuten später flatterte die positive Nachricht ins Haus. Es bestätigt sich doch immer wieder die alte Weisheit, dass gute Freunde das Leben nicht nur schöner, sondern auch erheblich unkomplizierter machen.
📜 Wissenswertes für die Segler-Community
Für alle Segelfreunde, die ähnliche Pläne schmieden, gibt es eine wichtige Lektion im Paragraphen-Dschungel: Französisch-Polynesien erlaubt es Yachten, innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren insgesamt ein Jahr genutzt zu werden, während das Schiff im zweiten Jahr ruhen muss. Diese Zweijahresfrist orientiert sich fest an Kalenderdaten. Wer also beispielsweise Mitte April einreist, muss exakt zwei Jahre später wieder Segel setzen. Das Schöne daran ist, dass man nach Ablauf dieser Frist theoretisch sofort wieder neu einreisen kann, womit das Spiel von vorn beginnt. Etwas kniffliger ist die Sache mit dem persönlichen Visum, denn hier wird streng unterschieden: Während unsere französischen Segelfreunde unbegrenztes Bleiberecht genießen und EU-Bürger ihr Visum auf ein Jahr verlängern können, müssen wir Schweizer uns – genau wie alle anderen Nicht-EU-Bürger – nach drei Monaten meist schweren Herzens verabschieden.
🏝️ Kurs auf neue Horizonte
Trotz dieser kleinen Abenteuer bleibt Französisch-Polynesien ein Revier, das in seiner gewaltigen Ausdehnung an die Größe Europas heranreicht und Seglerherzen weltweit höherschlagen lässt. Ursprünglich träumten wir von einer Rückkehr zu den einsamen Tuamotu-Atollen, doch die Zeit verfliegt in diesem Paradies einfach zu schnell. Stattdessen genießen wir das Nomadenleben zwischen den Gesellschaftsinseln. Ob Tahiti, Moorea, Huahine oder das legendäre Bora Bora – die leuchtenden Riffe und die traumhaften Ankerplätze bieten eigentlich genug Stoff für ein ganzes Leben unter Segeln. Aber keine Sorge, das Fernweh bleibt unser treuer Begleiter: Nach unserer geplanten Europareise werden wir im nächsten Jahr Kurs auf Niue, Samoa, Tonga und Fidschi nehmen, um dort die nächsten Kapitel unserer Reise zu schreiben.